Fußball

Germania Halberstadt weckt Emotionen

Nach der vierten Niederlage nacheinander verharrt Germania Halberstadt vorerst auf dem vorletzten Tabellenplatz der Regionalliga.

Halberstadt l Wieder stand das Team nach einer sehr engagierten Leistung mit leeren Händen da. Die Begegnung gegen den Chemnitzer FC brachte aber noch einige andere Erkenntnisse zu Tage: 1. Halberstadts Neuzugang Denis Jäpel, der erst vor wenigen Tagen vom FC Carl Zeiss Jena II transferiert wurde, könnte noch sehr wertvoll für die Halberstädter werden; 2. Sport und Politik im Allgemeinen und Fußball und Tagesgeschehen im Konkreten lassen sich nicht trennen; 3. Die beiden Trainer Maximilian Dentz (VfB) und David Bergner (CFC) werden in naher Zukunft sicher nicht die besten Freunde.

Denis Jäpel war am Sonntag an beiden Halberstädter Treffern beteiligt und erlebte, abgesehen vom Resultat, so einen perfekten Einstand an der neuen Wirkungsstätte: Sein Trainer Max Dentz hatte lobende Worte parat. „Man hat gesehen, was seine Stärken sind. Er ist ein spielender Stürmer mit gutem Abschluss, links wie rechts. Denis geht eher in die Halbräume, außerdem hat er ein gutes Auge und ein gutes Tempodribbling. Dass er eine gewisse Qualität vor dem Tor hat, wurde bereits in Jena deutlich. So jemand fehlte uns noch, der die Torchancen besser verwertet.“

Die Niederlage fasste er direkt nach dem Abpfiff so zusammen: „Wir wollten mutig sein und uns nicht einigeln, sondern Chemnitz unter Druck setzen. Das ist anfangs nicht gelungen. Danach aber, und dafür mache ich meiner Mannschaft ein Kompliment, waren wir mit den richtigen Tugenden da. Wir haben technisch guten Fußball gespielt.“ In der Halbzeitpause – und bei einer 2:1-Führung – bekräftigte er seine Elf in der Euphorie. „Gebt noch mal 45 Minuten alles.“ Die Germania wollte weiter draufgehen, Nadelstiche setzen. „Die Entstehung der Gegentore war dann ärgerlich. Nach dem 2:3 nahmen die Dinge ihren Lauf“, so der 29-Jährige.

Gästetrainer David Bergner war glücklich über den sechsten Sieg in Serie. „Wir wussten, was uns in Halberstadt erwartet: Der VfB wollte uns als erstes Team die Punkte abnehmen, das ist völlig legitim. Sie wollten uns wehtun, das ist ihnen auch gelungen.“ Abschließend ging er auf das tagespolitische Geschehen in der sächsischen Heimatstadt ein. Teile der CFC-Fanszene werden für die Ausschreitungen der Vorwoche mitverantwortlich gemacht. „Es war eine schwere Woche für die Stadt. Wir wollten auch ein Zeichen setzen, dass wir keine rechten Outlaws sind , die irgendwelche Leute durch die Stadt jagen. Wir sind Fußballer mit Leib und Seele, haben zehn, elf Nationen im Team. Wir spielen Fußball, weil wir uns gern mit dem Gegner messen, egal ob der links, rechts, grün, gelb oder blau ist!“ Die Zuschauer und Fans, die der Pressekonferenz beiwohnten, honorierten diese Meinung mit lautem Applaus.

Beim folgenden Statement des Germania-Trainers wurde deutlich, dass das über 90 Minuten extrem intensive Duell auch außerhalb des Rasens verbal in die Zweikämpfe ging. Nicht unter der Gürtellinie, und nichts, was im von Emotionen geprägten Fußball nicht schon gesagt wurde. Es nahmen sich beide Seiten nichts. Offenbar wirkte dieses „Ankeifen“ aber noch nach Abpfiff nach. Max Dentz suchte zunächst den Weg zu seiner Mannschaft, wurde dafür offenbar im Tunnel von Bergner kritisiert. Das nahm Dentz zum Anlass, sein Spiel-Fazit so zu beenden: „Ich werde die Kritik des Trainers annehmen, dass ich mit 29 Jahren noch viel lernen muss. Für mich war es keine Respektlosigkeit, dem Trainer nicht direkt nach dem Abpfiff zuerst die Hand zu geben. Es war mein Bedürfnis, zuerst meinen Spielern die Hand zu geben. Es liegt nicht in meiner Natur überheblich zu sein, ich bin einfach nur stolz hier Trainer zu sein. In diesem Sinne möchte ich mich bei meinem Kollegen entschuldigen.“ Innerlich kochte Bergner bei diesen Ausführungen schon. Er ließ sein Gegenüber zwar ausreden, verließ dann aber fluchtartig – und ohne Abschied – unter einigen Buhrufen die Szene.

Germania spielt am 12. September beim Berliner AK. Am Freitag wurde kurzfristig ein Freundschaftsspiel gegen Carl Zeiss Jena II vereinbart.