Frankfurt/Main (dpa) - Der Deutsche Fußball-Bund hat viele tiefe Krisen durchlebt in den vergangenen Jahren. Die aktuelle abseits des Sportlichen lähmt den Verband aber wie kaum zuvor im innersten Kreis.

Das Vertrauensverhältnis zwischen DFB-Präsident Fritz Keller und Generalsekretär Friedrich Curtius scheint irreparabel beschädigt. Klarheit soll die heutige Präsidiumssitzung bringen.

Ob oder in welcher Form sich das Entscheidergremium im Anschluss äußert, ist noch offen. Diffus sind auch die gegenseitigen Vorwürfe, weil sich der DFB dazu nicht öffentlich erklärt hat. Klar ist, dass immer wieder Interna nach außen dringen und eine von Keller initiierte Generalinventur für viel Wirbel sorgt. Auch von einem Richtungsstreit ist die Rede.

Keller weiß im formal 18-köpfigen Präsidium die fünf Vertreter der Deutschen Fußball Liga hinter sich. Die DFL entzog Curtius in einem Schreiben an Keller das Vertrauen. Angeblich soll Curtius Informationen über Dritte an "Medien übermittelt haben, die darauf gerichtet waren, das Ansehen der DFL zu beschädigen", zitierten "Bild"-Zeitung und "Süddeutsche Zeitung" aus dem Schreiben. Curtius ist bei Sitzungen der DFL-Gremien nicht mehr erwünscht.

Schon in den vergangenen Wochen war deutlich geworden, dass die Liga an Keller festhält. Der im September 2019 ins Amt gewählte 63-Jährige war lange Zeit Präsident des SC Freiburg und ist entsprechend gut vernetzt. DFL-Chef Christian Seifert, der sich - offiziell aus Zeitgründen - schon im Oktober aus dem kleineren Präsidialausschuss des DFB verabschiedet hatte, hatte im vergangenen Jahr von einem "sehr unwürdigen Schauspiel an Illoyalität" beim DFB gesprochen.

Curtius ist im Gegensatz zu Keller schon lange beim Verband beschäftigt. Der 45 Jahre alte Jurist war unter anderem als besonnener Büroleiter des früheren DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach tätig, der im Zuge der Enthüllungen über die WM 2006 hatte zurücktreten müssen. Im April 2016 stieg Curtius zum Generalsekretär auf und verantwortet als höchster hauptamtlicher Angestellter die Geschäfte der Zentrale. Zählen kann er dem Vernehmen nach auch auf die einflussreichen Amateurvertreter im Präsidium.

Die Vorwürfe der DFL wies er entschieden zurück. "Ich habe keinerlei Verständnis für dieses Vorgehen und versichere, keine Dienstleister dazu veranlasst zu haben, interne Erkenntnisse weiterzugeben", sagte Curtius auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. "Eine solche Behauptung entbehrt jeglicher Grundlage und ist absurd, auch den Dienstleistern gegenüber, von denen übrigens keiner konkret benannt wird."

© dpa-infocom, dpa:210114-99-30531/3

Deutscher Fußball-Bund

DFB-Präsidium

Bericht Süddeutsche Zeitung

Bericht Bild-Zeitung