Frankfurt/Main (dpa) - Olympische Spiele in Deutschland sind wieder ein Thema für den DOSB. Auf der letzten Präsidiumssitzung des Deutschen Olympischen Sportbundes in Erfurt war Thomas Bach zu Gast, um mit dem deutschen Dachverband über eine Bewerbung zu beraten.

Abgesehen vom Rat des Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees gibt es in Berlin und der Rhein-Ruhr-Region zwei Interessenten. Obwohl "das schon alles positiv" sei, will sich DOSB-Präsident Alfons Hörmann nicht mit Feuer und Flamme in ein neues Olympia-Abenteuer stürzen, sondern es strategisch vorbereiten. Denn das Scheitern von München und Hamburg sei "aus eigenem Erleben noch relativ präsent im Kopf".

In aller Ruhe und aller Konzentration solle weiter über Olympia geredet werden. "Wichtig, ja Grundvoraussetzung ist, dass der gesamte deutsche Sport geschlossen in die gleiche Richtung denkt und handelt, wie das innerhalb des Sports zuletzt sehr gut gelungen ist", erklärte Hörmann. "Aus heutiger Sicht würde ich sagen: Der weitere Prozess und das Ergebnis daraus sind noch völlig offen."

Während die Kandidaturen von 1992 in Berchtesgaden (für 1992), Berlin (2000), Leipzig (2012) und die erste von München (2018) beim IOC keinen Erfolg hatten, scheiterten der zweite Anlauf der bayerischen Hauptstadt für die Winterspiele 2022 und von Hamburg für den Sommer 2024 an der Ablehnung der Bürger. Fast dreieinhalb Jahre nach dem negativen Votum der Hanseaten bleibt die Akzeptanz der Bewohner der entsprechenden Region und des Landes der entscheidende Knackpunkt.

"In aller Deutlichkeit: Wenn Spiele konkret gewollt sind, ist es unser Auftrag und unsere Überzeugung, das Projekt anzupacken", betonte Hörmann. Wenn die Skepsis jedoch überwiege, sei es nicht sinnvoll, "in ein solches Rennen zu gehen". Deshalb müsse man mit den sportpolitischen und den politischen Verantwortlichen über alle Ebenen in eine intensive Diskussion "zur Motiv- und Stimmungslage einsteigen" und gemeinsame Ergebnisse erarbeiten.

Bereits konkret in die Planung für eine Olympia- und damit auch die Paralympics-Bewerbung sind die Macher der Region Rhein-Ruhr eingestiegen. "Wir erstellen derzeit das Planungspapier für die Paralympischen Spiele, welches wir im Laufe des Jahres der Politik und Sportpolitik überreichen werden", sagte der Kölner Sportmanager Michael Mronz, der eine Bewerbung im Rahmen der privatwirtschaftlich finanzierten Initiative "Rhein Ruhr City 2032" vorantreibt.

Das Konzept, das Mronz mit NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) in der vergangenen Woche IOC-Chef Bach in Lausanne vorgestellt hat, umfasst 14 Städte, in denen fast alle für Olympia erforderlichen Sportstätten schon vorhanden seien. Mit dem Konzept "Dreams 2032" möchte die Initiative nun "eine Vielzahl an deutschen und internationalen Jugendmeisterschaften in die Metropolregion holen".

Berlin hat bisher nur das Interesse an dem olympischen Großprojekt bekundet - und eine pikante Debatte über das Austragungsjahr ausgelöst. So nannte Innen- und Sportsenator Andreas Geisel (SPD) 1936 - 100 Jahre nach den Spielen in Berlin während der Nazidiktatur - als möglichen Zeitpunkt. "Ich persönlich bin nicht davon überzeugt, dass das ein zielführender Ansatz wäre", sagte Hörmann. "Es gilt, über zahlreiche andere Dinge nachzudenken, da sollte man die Diskussion nicht unter diesem Vorzeichen beginnen."

Nach der Spiele-Doppelvergabe durch das IOC an Paris und Los Angeles sind die Sommer-Termine für 2024 und 2028 vergeben. "Es lohnt sich auf jeden Fall, über 2032 zu diskutieren", meinte Hörmann. Auch 2030 für den Winter sei denkbar: "Man kann ja weiterhin sowohl über Sommer- als auch Winterspiele nachdenken." Der DOSB als Herr des Verfahrens müsse entscheiden, "ob, für wann und mit wem man in Deutschland in ein Bewerbungsverfahren starten möchte", sagte Mronz.

Planungspapier Olympia 2032 der Rhein-Ruhr-Region

Agenda 2020 des IOC

Doumente zum Kandidatenprozess und zur Wahl