Beim 28:21-Erfolg des SCM gegen Hannover-Burgdorf war die Homogenität des Torhüter-Duos schon sehr auffällig. Zunächst wusste Gerrie Eijlers zu überzeugen, aber auch der in der 36. Minute eingewechselte Dario Quenstedt stand der etatmäßigen Nummer eins in nichts nach. Und doch ist die Kombination "Klasse und Erfahrung/Jungspund mit Potenzial" ein Auslaufmodell, denn mit Björgvin Pall Gustavsson wurde ein Top-Mann für die Zukunft verpflichtet (Volksstimme berichtet). Doch auch er hat seine Qualitäten.

Magdeburg. Nachdem sich bei Gerrie Eijlers die erste Verwunderung über die Verpflichtung des Keepers vom Schweizer Meister Kadetten Schaffhausen gelegt hat ("Ich war etwas überrascht"), und er sich darüber ausgetauscht hat, warum die Vereinsverantwortlichen ausgerechnet in die Torhüterposition investiert haben ("Das ist nun mal eine der wichtigsten Positionen in der Mannschaft, und wenn man oben mitspielen will, muss man zwei gleichwertig gute Torhüter haben") sieht der Niederländer das Ganze positiv: "Dass man mir einen solchen Top-Mann vor die Nase setzt, kann auch für meine eigene Entwicklung nur gut sein. Ich war noch nie in solcher Situation und werde nun gefordert sein, mich darauf einzustellen und zu reagieren."

Und so schickt der 30-jährige Torhüter dem "Neuen" gleich mal eine Ansage hinüber in die Schweiz. "Mein Kampfgeist ist geweckt, ich werde meinen Platz nicht freiwillig räumen", so Eijlers, der seinen Vertrag beim SCM vor kurzem bis 2013 verlängert hatte und auch in den Ranglisten der besten Torhüter beziehungsweise "Siebenmeterkiller" der Liga ganz oben zu finden ist.

Ohnehin dürfen sich die Fans auf ein interessantes Duell zweier völlig verschiedener Typen um die Vormachtstellung im SCM-Tor freuen, denn Björgvin Pall Gustavsson, der wesentlichen Anteil daran hatte, dass Island bei den Olympischen Spielen in Peking überraschend Silber gewann, hat mit Eijlers nur die sportliche Klasse gemein. Ansonsten unterscheidet sich der 25-jährige Torwart mit dem engelsgleichen, langen, blonden Haar und den auffälligen Tattoos doch sehr von seinem Pendant. Und das nicht nur optisch.

"Gustavsson scheint doch eher der extrovertierte Typ zu sein", vermutet auch Eijlers, der seinen künftigen Partner nur vom Hören-Sagen oder aus dem Fernsehen kennt. Und mit diesem Eindruck dürfte der Magdeburger gar nicht mal so verkehrt liegen, wenn man sich den 1,93 Meter großen Modell-athleten und seine Vita mal genauer anschaut.

Gustavsson ist nicht nur ein typischer Isländer, wie er auf "handballworld" verriet ("Wir geben mehr Gas, als alle anderen. Wir wollen immer gewinnen, sind unerschrocken und haben keine Angst"), sondern lebt seine Emotionen im Tor auch voll aus – wort- und gestenreich. "Ich brauche das, um mich besser konzentrieren zu können. Jede Parade ist ein kleiner Sieg", erzählt der Mann, der zuletzt in der Champions League gegen Dinamo Minsk und Arlborg zum Matchwinner avancierte.

Privat ist der Island-Star, der in Schaffhausen mit seiner Freundin Karen in einer Drei-Zimmer-Wohnung lebt, aber doch eher besonnen. Und weitsichtig. Um sich ein Standbein neben dem Sport zu schaffen, gründete Gustavsson zusammen mit seinem Landsmann, dem Rückraumspieler Logi Geirsson, eine eigene Firma. Die wurde in Anlehnung an die Silbermedaille von Peking "Silver" getauft, vertreibt ein selbstentwickeltes Haargel und floriert bestens. Kein Wunder, ist der Chef mit seinen Leistungen doch gleichzeitig auch der ideale Werbeträger ...