Vor einigen Wochen hatte im Internetforum des SC Magdeburg ein Fan geäußert, er traue seiner Mannschaft in dieser Saison einen Europapokal-Platz zu. Trainer Frank Carstens fand das zwar schön, wollte sich aber auf das Thema gar nicht einlassen. Fabian van Olphen würde sich natürlich über den Einzug in den europäischen Wettbewerb freuen, aber auch er weiß: "Unser Ziel ist ein einstelliger Tabellenplatz."

Magdeburg. Es ist so ein Problem mit dem Erfolg. Er schraubt die Erwartungen höher, er lässt sogar träumen – und nur diejenigen, die ihn herauswerfen, wissen ihn wirklich zu werten. Nach dem 34:26-Sieg der Magdeburger Bundesliga-Handballer am Mittwoch gegen Ahlen-Hamm hat Carstens mit Bedacht nicht etwa von einem Befreiungsschlag gesprochen, er ließ die Frage danach mit seinem Statement erst gar nicht zu. Carstens sprach vielmehr von einem ersten Schritt in die richtige Richtung. Und: "Uns ist ein Stein vom Herzen gefallen."

Van Olphen hat in der vergangenen Saison mit dem SCM eine ganz andere Phase erlebt, von der er sagt: "Das war eine Krise." Zuletzt war es keine Krise, und erst recht "sollte man nicht alles schlecht reden", erklärt der 29-Jährige. "Wir sind keine Spitzenmannschaft, das wollen wir noch werden. Aber wir sind voll im Soll." Genau deshalb "ist es eine Kunst", aus der Situation, wie sie sich vor dem Anwurf am Mittwoch darstellte, wieder rauszukommen. Dass diese kommen könnte, darauf war die Mannschaft eingestellt.

Van Olphen selbst ist dann mit einem guten Beispiel vorangegangen, er traf sechsmal bei neun Versuchen. "Ich bin im Abschluss wieder besser reingekommen", sagt der 1,94-Meter-Hüne. Seine Quote betrug damit 67 Prozent, aber "der Trainer sagt dann immer, man hat zu wenig geworfen". Vor allem hinsichtlich seiner Abwehrleistung war der Niederländer zufrieden, obwohl er weiß, dass er sich noch steigern kann. Sein Coach wollte auch gar nichts wissen von einer beeindruckenden Trotzreaktion seines Leaders, auch für van Olphen sei es noch ein weiter Weg – wie für die gesamte Mannschaft. Magdeburgs Holländer gingen überhaupt voran – Resteuropa zog dann mit. Van Olphens Landsmann Gerrie Eijlers glänzte mit 17 Paraden, darunter ein gehaltener Siebenmeter. Nach seinem schlechten Tag in Göppingen ist er sofort zu seiner starken Leistung zurückgekehrt. Carstens hatte eigentlich nichts anderes erwartet, denn solch ein Spiel wie bei Frisch Auf "muss man ihm zugestehen".

Carstens spricht sowieso selten über Einzel-, sondern meistens über Kollektivleistungen. "Mit den ersten 45 Minuten bin ich nicht ganz einverstanden", sagte er am Mittwoch. "Das Ergebnis ist deutlich zu hoch ausgefallen", erklärte er außerdem. Den ersten Schritt in die richtige Richtung empfand er als "ziemlich klein". Er hinterließ nur deshalb einen großen Eindruck, weil die HSG ab der 45. Minute hinsichtlich ihrer Kraft und Konzentration nicht mehr nachlegen konnte. Davor gab es erneut SCM-Phasen, in denen "wir die Bälle wegschmeißen", so van Olphen, und in denen "wir uns nicht absetzen können". Abgesetzt hatten sich die Magdeburger dann vom 22:20 (43.) zum 27:20 (51.). Da konnte Gästetrainer Kay Rothenpieler nach der anfänglichen 5-1 auf eine 5-0-1 gegen Jure Natek oder auf eine 4-2 umstellen, Ahlen-Hamm konnte sich in keinem System konsequent durchsetzen und wartet aufgrund des Kräfteabfalls in der Schlussphase aller Spiele weiterhin auf den ersten Sieg.

Beim SCM stabilisierte sich das Deckungsverhalten, die Mannschaft stand geschlossener, sie rückte offensiver raus, sie erzeugte mehr Druck. Und wenngleich das Abschlussverhalten nicht komplett jubeln ließ, in der Breite ist die Ausbeute jedenfalls besser geworden, die Angriffseffektivität lag letztlich bei 57 Prozent. Robert Weber hat sich als bester Werfer zudem mit neun Treffern (insgesamt 85) wieder an die Bundesliga-Schützenspitze geworfen. Das ist ein guter Beleg für den ersten Schritt zum Saisonziel. Und am 4. Juni 2011, am Saisonende nämlich, wissen alle mehr.