Berlin l Im deutschen Handball polarisiert wohl keiner so sehr wie Bob Hanning. Neben seinen schrillen Outfits hält sich der 52-Jährige auch mit seiner Meinung selten zurück. Dass er damit als Vizepräsident des Deutschen Handballbundes (DHB) und als Manager der Berliner Füchse auch gerne mal aneckt, gehört zum Programm. Volksstimme-Redakteur René Miller sprach mit Hanning über das Nationalteam und das Bundesliga-Duell an diesem Sonntag (14.05 Uhr/Sky und MDR) gegen den SCM.

Sie haben sich immer für Christian Prokop als Bundestrainer starkgemacht. In der vergangenen Woche kam aber alles anders: Der DHB trennte sich von Prokop und holte Alfred Gislason aus dem Ruhestand zurück. Warum?

Bob Hanning: "Weil wir nach der Europameisterschaft durch eine eingehende Analyse im Präsidium zu einem anderen Entschluss als noch unmittelbar beim Turnier gekommen sind. Die große Mehrheit im Gremium hatte die Auffassung, dass der Erfolg mit Alfred Gislason wahrscheinlicher ist. Und wenn die Mehrheit einen Entschluss fasst, dann tragen wir den alle zusammen."

Und wie stehen Sie zu der Kritik, die der DHB dafür einstecken musste?

Bob Hanning: "Die kann ich nicht nur verstehen, die ist auch absolut berechtigt. Wir haben uns mit einigen Aussagen bei der EM selbst unter Druck gesetzt und damit insgesamt kein gutes Bild abgegeben. Wie das alles abgelaufen ist, tut mir deshalb persönlich auch sehr leid."

Irgendwie hat bei den letzten Turnieren im entscheidenden Moment der letzte Schritt gefehlt, um richtig erfolgreich zu sein. Woran lag das?

Bob Hanning: "Diese Frage haben wir uns bei der schon angesprochenen Analyse natürlich auch gestellt. Und ich bin mir sicher, dass wir mit einem gesunden Fabian Wiede, Franz Semper und Steffen Weinhold das Spiel gegen Kroatien gewonnen hätten."

Aktuell bestimmt wieder die Bundesliga die Schlagzeilen. Und im Spiel der Füchse gegen den SCM steckt immer besonders viel Brisanz …

Bob Hanning: "Was auch am Sonntag so sein wird. Aber das macht diese Duelle ja aus. Obwohl wir die vergangenen Spiele gegen den SCM gewonnen haben, bleibt es ein Duell auf Augenhöhe, in dem alles passieren kann. Eine Favoritenrolle sehe ich deshalb nicht. Entscheidend wird sein, wer die aktuelle Verletztensituation besser kompensieren kann. Obwohl beim SCM neben Albin Lagergren mit Marko Bezjak ein wichtiger Ideengeber ausfällt, hat es uns unterm Strich härter erwischt. Denn wir müssen mit Fabian Wiede, Dejan Milosavljev, Simon Ernst und Mattias Zachrisson vier ganz wichtige Leute ersetzen. Und Paul Drux kam von der EM mit Fußproblemen zurück. Aber nach Ausreden suchen wir trotzdem nicht."

Wie gefällt es Ihnen, dass in der Bundesliga der Erfolg immer schwerer planbar ist?

Bob Hanning: "Ich finde es großartig, wie es in der Liga derzeit läuft. Dass fast jeder jeden schlagen kann, ist absolut gewinnbringend. Vor allem oben ist es so spannend und eng wie lange nicht. Und genau das macht eine Liga aus."

Schauen Sie beim Rennen um die Spitzenplätze eigentlich ganz besonders darauf, wie die Magdeburger gespielt haben?

Bob Hanning: "Nein, das verfolge ich wie bei jedem anderen Club auch. Nur im EHF-Cup schaue ich besonders hin. Da drücke ich dem SC Magdeburg sogar ganz fest die Daumen, dass er das Final-Four-Turnier erreicht. Denn wir wollen alle bei den Finalspielen in Berlin eine ausverkaufte und stimmungsvolle Halle haben. Deshalb freue ich mich auch schon auf das erste Länderspiel unter Alfred Gislason. Dass das in Magdeburg (13. März gegen Niederlande/A. d. R.) stattfindet, ist perfekt. Denn die Getec-Arena ist für tolle Stimmung absolut prädestiniert."