Magdeburg l Als am Donnerstagabend in der Mehrzweckhalle die Handballer des SC Magdeburg trainierten, schauten auch SCM-Geschäftsführer Marc-Henrik Schmedt sowie Präsident Dirk Roswandowicz vorbei. Wahrscheinlich, um sich selbst noch einmal zu vergewissern, dass er jetzt auch wirklich da ist: Gisli Kristjansson. Der Neuzugang des SCM soll den Ausfall von Spielmacher Marko Bezjak abfedern – aber, das betont Trainer Bennet Wiegert, nicht als dessen Eins-zu-eins-Ersatz angesehen werden. „Die Fußstapfen von Marko sind einfach groß“, sagt Wiegert.

Dennoch: Dem Coach war die Erleichterung nach der „Nacht- und Nebelaktion“ anzumerken. Und dem Spieler selbst natürlich auch. „Das ist alles sehr schnell gegangen. Die letzten vier, fünf Tage waren wie ein Abenteuer. Solche Tage habe ich bisher noch nie erlebt“, berichtet Kristjansson.

In Kiel fehlte die Perspektive

Beim THW Kiel, bei dem er einen Vertrag bis 2021 besaß, zeichnete sich zuletzt immer mehr ab, dass seine sportliche Perspektive wenig befriedigend ist. THW-Geschäftsführer Viktor Szilagyi erklärt auf deren Internetseite: „Gisli ist in einer Phase, in der er sich in vielen Bereichen weiterentwickeln muss. Dafür muss er Verantwortung übernehmen, wofür es viel Spielzeit braucht. Diese hätte er kurz- und mittelfristig bei uns nicht bekommen. Deshalb ist ein sofortiger Wechsel für Gislis Karriere am sinnvollsten.“

Dementsprechend stand der Vertragsauflösung auch nichts im Wege. „Dafür bin ich Kiel sehr dankbar“, betont Kristjansson. Und der 20-jährige Rückraumspieler brauchte kaum Bedenkzeit. „Wenn dich Magdeburg, ein Verein mit so einer Historie, anruft, dann hörst du dir an, was sie zu sagen haben“, sagt er.

Ratschlag von Gislason

Nur einen weiteren Anruf, um sich sozusagen endgültig abzusichern, hat er dann doch gemacht. Und zwar war am anderen Ende der Leitung der ehemalige SCM- und THW-Coach Alfred Gislason. „Er ist ein toller Mensch, ich kenne ihn aus Island und er war mein Trainer in Kiel. Alfred hat nur positiv über Magdeburg gesprochen, dass es eine Handballstadt ist. Und bisher ist es absolut richtig, was er erzählt hat“, verrät Kristjansson.

Der Isländer hat nun nur noch eine gute Woche Zeit, bis der SCM schon in Flensburg zum ersten Bundesligaspiel im neuen Jahr aufläuft. Deshalb sieht er auch viel Arbeit auf sich zukommen. „In der kommenden Woche bis zur Partie gegen Flensburg muss ich viel machen. Es ist wichtig, dass ich die Mannschaft kennenlerne, aber auch die Taktik.“ Mit ein paar seiner neuen Teamkollegen war er schon Abendessen, „sie haben mich gut aufgenommen, soweit ist alles prima“, sagt er.

Schulter ist völlig ausgeheilt

„Alles prima“ – das treffe übrigens auch auf seine Schultern zu. Kristjansson hatte sich zunächst bei der Weltmeisterschaft im Frühjahr 2019 an der rechten Schulter verletzt, kämpfte sich danach zurück in den Kader beim THW. Gerade als er dort zum Zug kam, kugelte er sich im November vergangenen Jahres bei den Rhein-Neckar Löwen die linke Schulter aus. Auch deshalb verpasste er jetzt die Europameisterschaft mit Island.

„Ich habe viele Tests gemacht und mit meinen Physiotherapeuten gesprochen. Ich habe keine Schmerzen, die Bewegungen kann ich alle machen. Das ist kein Problem“, bekräftigt Kristjansson, der es kaum abwarten kann, in der Getec-Arena aufzulaufen. „Die Stimmung hier ist richtig krass. Das habe ich ja schon mit dem THW erlebt“, sagt er und lacht.

Er und der SCM – das könnte gut passen. „Hier spielen sie den attraktivsten Handball, sehr schnell. Das gefällt mir richtig gut.“