Magdeburg l In ihren roten Trainingsjacken verharrten Torhüter Dario Quenstedt und Rechtsaußen Robert Weber auf der Bank. 50 Minuten lang. Erst dann, als die Bundesliga-Partie gegen den VfL Gummersbach längst entschieden war, wurden sie eingewechselt. Eine ungewohnte Situation, mit der die Leistungsträger des SC Magdeburg erst einmal klarkommen müssen.

„Ich bin einsatzbereit“, sagt Quenstedt, der sich zu Saisonbeginn noch mit einem Hexenschuss herumplagte. „Alle wissen, dass ich zum THW Kiel gehe. Dass ich da nicht erste Wahl beim Trainer bin, kann ich auch verstehen“, fügt der Torwart an.

Dass Quenstedt und Weber den Verein 2019 verlassen werden, steht fest. Dass sie aber deshalb auf der Bank sitzen, will SCM-Trainer Bennet Wiegert so nicht stehen lassen. „Es liegt einfach daran, dass sich andere in den Fokus gespielt haben. Jannick Green ist zurzeit zum Beispiel einfach unheimlich gut drauf. Das sind also keine Disziplinarmaßnahmen von mir.“ Das Thema ist Wiegert ein Dorn im Auge. Denn: „Das bringt Unruhe bei uns rein, wo keine ist. Wir haben ein gutes Teamgebilde, das ich mir von außen nicht zerstören lasse.“

Robert Weber traf die ungewohnte Rolle womöglich nicht ganz unerwartet. Trotzdem sagt der Österreicher: „Zu Beginn war es sehr schwer für mich. Gerade bei so einem Highlight wie gegen Kiel hätte ich gerne gespielt.“ Jetzt versuche er, die Chancen, die er bekommt, zu nutzen. So wie gegen Gummersbach, als er nach seiner Einwechslung gleich zwei Treffer markierte.

Weber will persönlichen Meilenstein

Wiegert will die Momentaufnahme ohnehin nicht überbewerten. „Dass wir beide nach und nach brauchen werden, hat man ja gesehen. Robert kommt kalt von der Bank rein, macht zwei wichtige Tore“, merkt der Trainer an, „das ist das, was ich erwarte.“ Doch er lässt auch durchblicken, dass die Situation Fingerspitzengefühl erfordert. Weber mache ihm seinen Job nicht einfach, indem er seine Entscheidungen ständig hinterfrage. „Es können in einem Handballspiel nun mal nur sechs Feldspieler und ein Torhüter spielen. Ich werde es nicht schaffen, jedem gerecht zu werden. Aber ich ordne immer alles dem Erfolg des SC Magdeburg unter.“

Und das wird wohl auch Weber tun. „Ich bin vor zehn Jahren nach Magdeburg gekommen, da ist das Schiff fast gesunken. In der ganzen Zeit habe ich, salopp gesagt, um die goldene Ananas gespielt – aber jetzt ist mehr drin“, sagt Weber, „das hat eine sehr gute Entwicklung genommen, zu der auch ich meinen Teil beigetragen habe.“ Dass er bei seiner Torejagd nun ausgebremst wird, quittiert er mit einem Lachen. „26 Tore fehlen noch zur 2000er-Marke. Die würde ich gerne schaffen, weil es ein persönlicher Meilenstein wäre. Aber vielleicht bleibe ich ja in der Bundesliga – dann kann ich woanders aufstocken.“