Magdeburg l Es wird hart für die Handballer des SC Magdeburg. Mit dem Trainingsauftakt am Donnerstag stehen zwei Tage leistungsdiagnostische Tests an. Schließlich will der SCM in der neuen Saison um den Titel mitspielen.

Für den Traditionsverein läuft es gut, ganz anders etwa als für den VfL Gummersbach, der erstmals für die 2. Liga planen muss. Beide Teams waren einst die großen Handball-Aushängeschilder in Ost und West. Zwei Vereine, die jetzt aber auch ein deutlicher Beweis dafür sind, dass sich die Zeiten verändert haben. „Handball funktioniert nicht mehr wie vor 15 Jahren“, erklärt SCM-Geschäftsführer Marc-Henrik Schmedt.

Was aber haben die Verantwortlichen bei den Grün-Roten anders gemacht, damit in Magdeburg nicht allein nur über die guten, alten Zeiten geschwärmt werden muss? Die Volksstimme hat einige erstaunliche Fakten rund um den SCM zusammengestellt

Gegen den Mäzen-Trend

Der SCM hat sich nach der drohenden Insolvenz 2007 ein breites Sponsorennetzwerk erarbeitet. Rund 400 Partner gehören laut Schmedt dazu. „Die Entwicklung ist entgegengesetzt zu den mäzen-geprägten Vereinen“, verweist Schmedt unter anderem auf die MT Melsungen, die vom Pharmaunternehmen B. Braun vermutlich mit mehreren Millionen Euro unterstützt wird.

Die Mäzen-Vereine leben allerdings immer mit einem gewissen Risiko. Das zeigt etwa ein Blick nach Hamburg und Hannover. Als Andreas Rudolph als Mäzen beim HSV Handball aufhörte, stand der Verein vor dem Aus. Hannover streitet sich zurzeit vor Gericht mit Tui-Arena-Betreiber Günter Papenburg.

Rotation bei der Brustwerbung

Der fehlende Hauptsponsor hat den Verein kreativ werden lassen. Selbst von vielen Fans kaum bemerkt: Der SCM hat bei jedem Heimspiel einen anderen Brustsponsor auf den Trikots. „Wir haben allein 17 Sponsoren, die für je ein Hin- und Rückspiel in der Liga auf dem Trikot auftauchen. Auch im EHF-Cup und DHB-Pokal gibt es unterschiedliche Geldgeber“, erzählt Schmedt. Das Paket für die Trikotwerbung und einige Extras wie VIP-Tickets und Parkplätzen kostet 16.500 Euro. Die HSG Wetzlar kopiert das Magdeburger Modell übrigens zur neuen Saison.

Moderne Arena

Die Bördelandhalle wurde 1997 fertiggestellt. Seit 2018 fasst die Arena 6600 Gäste. Und die Heimspielstätte des SCM war letzte Saison mit einem Schnitt von 6430 Zuschauern fast vollständig ausgelastet. „Zudem betreuen wir sechs VIP-Bereiche in der Halle, die rund 700 Gäste fassen", merkt Schmedt an.

Doch die Halle ist in die Jahre gekommen, der Geschäftsführer macht sich deshalb für eine Modernisierung stark. Sitzplätze, Sanitäranlagen und eine moderne Gastronomiestrecke sind drei Beispiele, die er zukünftig angehen möchte. Durch zahlreiche andere Aktivitäten in der Arena, können zum Beispiel die VIP-Räume erst unmittelbar vor jedem Spiel auf- und danach sofort wieder abgebaut werden: ein Riesenaufwand. Schmedt: "Wir sind in engen und guten Gesprächen mit unseren Partnern bei der Stadt Magdeburg, die Halle bis 2022 weiter zu modernisieren. Das ist auch für andere Veranstaltungen wie Konzerte notwendig."

SCM ist der TV-König

Bei den Fernsehwerten ist der SC Magdeburg im deutschen Handball nicht zu toppen. Lag die Mannschaft in der Saison 2017/18 mit 84,3 Millionen erreichten TV-Zuschauern noch auf Rang zwei hinter den Rhein-Neckar Löwen (105,2 Millionen), so war der SCM in der vorigen Saison absoluter TV-König. Mit 164 Millionen erreichten Zuschauern – über Sky sowie die öffentlich-rechtlichen Sender – hat der Verein gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung von 95  Prozent hingelegt.

Noch beeindruckender: Der SCM zieht fast 46 Prozent der Liga-Gesamt-reichweite. Die lag zuletzt bei 358 Millionen Zuschauern. „Die Entwicklung hat zwei Gründe. Zum einen profitieren wir von unserem Partner MDR. Zum anderen steht der SCM im Handball für den Osten und wird dementsprechend in den neuen Bundesländern verfolgt“, sagt Schmedt.

App-Beststeller

Der Verein treibt zudem die Digitalisierung stetig voran. Über die sozialen Netzwerke „Facebook“ und „Instagram“ folgen dem SCM 58.488 und 21.179 Menschen. „Unsere App hat sich außerdem besonders gut entwickelt“, erzählt Doreen Neubert, beim SCM für Digitalisierung und Kommunikation zuständig, „sie liegt bei rund 10.000 Downloads. Zu Beginn waren wir sogar unter den Top drei der Sport-Apps.“ Allein das Rückspiel in der vergangenen Bundesliga-Saison gegen Kiel haben über den Live-Ticker in der App 5000 Fans verfolgt. Für Schmedt ist das aus zweierlei Hinsicht interessant. Zum einen sind die neuen Kanäle für Werbe-Partner attraktiv. Zum anderen erreicht der SCM darüber ein jüngeres Publikum.

400 Plätze nur für Kinder

Der Altersdurchschnitt der SCM-Fans sinkt. Momentan sind die Zuschauer im Schnitt zwischen 40 und 45 Jahre alt. Aber: „Es werden in der Regel rund 70 Dauerkarten pro Saison nicht verlängert, die Plätze vergeben wir an neues Publikum“, berichtet Schmedt. Die Mehrheit verlängere ihren Platz aufgrund des Alters nicht – dadurch haben auch Jüngere die Chance, nachzurücken.

Zur Verjüngung des Zuschauer-Schnitts tragen auch Aktionen wie die „Elbekinder“ bei. Mit Hilfe von Sponsoren und Partnern stellt der Verein bei jedem Heimspiel rund 400 Sitzplätze für Kinder bereit. „Wenn die Kinder zu Hause zu den Eltern sagen: ,Da will ich noch einmal hin.‘ Dann profitieren wir davon gleich zweimal“, ist Schmedt überzeugt.

Trikot ist ein Renner

Der SCM hat vorige Saison rund 2500 Trikots an Fans verkauft. Was im Handball durchaus beachtlich ist. In den kommenden Wochen wird der Verein auch seinen ersten Fan-Shop mitten in der City eröffnen. Und zwar in unmittelbarer Nähe zum Hundertwasserhaus im Breiten Weg. „Durch die zentrale Lage sind wir auch für Laufkundschaft gut zu erreichen“, meint Schmedt. Der bisherige Fan-Shop in der Halle zieht mit um und ist nur noch zu den Heimspielen in der Getec-Arena präsent.

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