Montpellier/Magdeburg l In der Schlussminute kehrte noch ein wenig Zauber im Palais des Sports René Bougnol in Montpellier ein. Und der 1952 verstorbene Bougnol, einst ein Florettfechter und ein Olympiasieger, hätte seine Freude gehabt an diesem letzten ästhetischen Moment in einer kampfbetonten Partie in der European League. Es war der Moment der beiden Außen des SC Magdeburg – von Lukas Mertens, der durch den Kreis passte, von Tim Hornke, der heranflog und per „Kempa“ seinen sechsten Treffer zum 32:30 (16:15)-Endstand aus Sicht der Grün-Roten markierte. Und der damit einen Kraftakt über 60 Minuten vollendete, die Trainer Bennet Wiegert mit der entsprechenden Begeisterung resümierte. „Ich habe gar nicht so viele Hüte, die ich vor der Mannschaft ziehen müsste“, sagte der 39-Jährige.

Denn der Sieg war nicht selbstverständlich. Allein der Name des Gegners steht für Qualität. Montpellier HB ist Tabellenzweiter der ersten französischen Liga und besetzt mit Nationalspielern aus Kroatien, aus Schweden und aus dem eigenen Land. „Ich habe neun Spiele von Montpellier gescoutet“, berichtete Wiegert über seine gewohnt akribische Vorbereitung auf den ärgsten Kontrahenten in der Gruppe B, den der SCM nun auf Distanz gehalten hat, weshalb die Magdeburger den Gruppensieg klar vor Augen haben. Wiegert ist sich sicher: „Wir haben Montpellier beeindruckt.“

Ein Sieg der Moral

Das Programm der dezimierten Magdeburger war außerdem straff. Am Vormittag startete die Chartermaschine aus Leipzig, es folgte das Spiel am Abend, kurz vor Mitternacht traten Spieler und Verantwortliche die Heimreise an. Beseelt vom Sieg. Denn dieser „war ein Sieg der Moral und des Kampfes“, freute sich der Coach nicht zuletzt über die mentale Stärke, mit der sich die Gäste präsentierten. Sie legten nicht nur gut los und führten mit vier Toren (9:5/14.), sie ließen sich auch nicht abschütteln, als die Kraft zu schwinden schien. Immerhin musste sich der SCM zwei Tage zuvor in der Bundesliga einen Erfolg gegen Minden hart erarbeiten.

Zudem agierten die Magdeburger beim 25:23 (45.) oder beim 27:24 (48.) permanent in Unterzahl. „Hätten wir danach unsere Chancen nicht genutzt“, blickte Coach Wiegert auf den letzteren Zwischenstand zurück, „wäre es für uns schwierig geworden.“

Starke Regisseure

Aber seine Mannschaft, die auf die verletzten beziehungsweise angeschlagenen Michael Damgaard, Gisli Kristjansson und Moritz Preuss verzichten musste, konnte an diesem Abend mit schwierigen Situationen sehr gut umgehen. Sie legte einen 6:0-Lauf hin über die starken Regisseure Marko Bezjak und Christian O’Sullivan, die nebeneinander agierten, und über den präzisen Omar Ingi Magnusson, der mit zwölf Toren (sechs Siebenmeter) sein Konto im Wettbewerb auf 45 Treffer aufstockte.

67 Prozent der Magdeburger Würfe (68 Prozent Montpellier) landeten im Netz, nur acht technische Fehler (Montpellier elf) leistete sich der SCM. Und die sechs Paraden von Keeper Jannick Green hielten in der Schlussphase dem Angriff den Rücken frei.

Am Sonntag reist Magdeburg zum Spitzenspiel der Bundesliga zum THW Kiel (16 Uhr). Aber das sollte auch am gestrigen trainingsfreien Tag kein Thema sein. „Die Mannschaft soll sich einfach freuen“, so Wiegert. „Man gewinnt nicht einfach in Montpellier, deshalb soll der Sieg etwas Besonderes sein.“ Ab heute kommt die nächste Aufgabe auf die Tagesordnung.