Stuttgart l Wer die Porsche-Arena in Stuttgart betritt, kommt um den Slogan „Wild Boys" nicht herum. Jung und wild wollen die Stuttgarter sein. Ironischerweise haben bisher eher ihre „Oldies", nämlich Johannes Bitter und Michael Kraus, für Aufsehen gesorgt. Doch am Donnerstagabend konnten selbst die alten Hasen das Ruder nicht an sich reißen. Gegen einen wie entfesselt aufspielenden SC Magdeburg war der TVB von Beginn an chancenlos.

SCM drückt aufs Tempo

Die Gäste von der Elbe ließen nur in den ersten acht Minuten durch technische Fehler etwas zu und führten lediglich mit einem Tor (5:4). Aber dann drückten die Magdeburger in der Porsche-Arena ordentlich aufs Tempo und bauten die Führung Tor um Tor aus. Jannick Green nagelte das eigene Tor zu, dass der zuletzt überragende Stuttgarter Spielmacher Michael „Mimi" Kraus selbst aus aussichtsreichster Position kaum traf (am Ende neun Tore bei 15 Versuchen). Und weil der Rückzug der Stuttgarter kaum funktionierte, führte der SCM nach einer Viertelstunde 10:4.

Chrapkowski an der Wade verletzt

Allerdings musste Trainer Bennet Wiegert nach zwölf Minuten den nächsten Verletzungsausfall hinnehmen. Während Mads Christiansen (Bänderverletzung im linken Sprunggelenk) geschont wurde und nicht zum Einsatz kam, blieb Piotr Chrapkowski unbedrängt plötzlich stehen, griff sich an die rechte Wade, humpelte vom Parkett und kehrte auch nicht zurück. Sah schwer nach einem Faserriss aus.

Zum Glück ließen sich die in den weißen Auswärtstrikots spielenden Grün-Roten davon nicht beirren und bestraften weiter eiskalt die vielen Lücken in der Stuttgarter Abwehr. Nach 20 Minuten war der SCM auf 15:5 enteilt. Drei Minuten später verließ Jogi Bitter entnervt und kopfschüttelnd das Stuttgarter Tor und machte Platz für Jonas Maier. Aber auch der konnte Magdeburgs Torhunger nicht eindämmen.

Historischer Treffer von Plaza

Eine Minute vor der Pause gelang dann sogar noch ein historischer Treffer. Ignacio „Nacho" Plaza traf zum 23:9-Pausenstand. So viele Tore gelangen den Magdeburger in der Bundesliga noch nie vor der Pause.

Auch aus der Kabine kamen die Gäste mit richtig viel Elan und bauten den Vorsprung bis auf 17 Tore (30:13/40.) aus. Dann aber ließ der SCM von Minute zu Minute nach. Als der Vorsprung auf zehn Tore (34:24/53.)geschmolzen war, hatte Wiegert die Nase voll und nahm eine Auszeit. „Wir wissen alle, was wir die letzten zehn Minuten gemacht haben. Das muss ich nicht noch extra thematisieren. Bringt dieses Scheiß-Spiel jetzt ordentlich zu Ende. Wir haben noch acht Minuten Zeit und lassen uns eine tolle erste Halbzeit nicht kaputt machen", spornte er sein Team an.

Seine Jungs hörten richtig zu und legten noch mal eine Schippe drauf. Mit sechs Toren in besagten acht Minuten wurde es am Ende ein Sieg mit 13 Toren Unterschied (40:27). „Nach der Niederlage von Flensburg war es wichtig, gleich wieder in die Erfolgsspur zu kommen. Schön, dass mir dabei so viele Tore gelungen sind", freute sich Daniel Pettersson, der mit neun Treffern bester SCM-Werfer war.

Weber verzichtete auf Jubiläumstor

Nur Robert Weber wollte am Ende nicht jubeln. Als er kurz vor Schluss freie Bahn für sein 2000. Bundesliga-Tor hatte, reichte er den Ball an Justus Kluge weiter. Denn in der Getec-Arena lässt sich so ein Jubiläum nächsten Donnerstag gegen Lemgo viel besser feiern.

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