Magdeburg l Als Gisli Kristjansson am vergangenen Sonntag kurz vor Ende des Spiels vom SCM gegen Minden im gegnerischen Kreis liegen blieb und sich den Kopf hielt, musste man Schlimmes befürchten. Vorsichtshalber reiste der Isländer am Dienstag nicht mit nach Montpellier, sondern kurierte sich in Magdeburg aus. Schließlich steht morgen (16 Uhr, Sky) das Bundesligaspiel beim THW Kiel an. Der Verein, bei dem Kristjanssons Bundesliga-Karriere begann und von dem er vor einem Jahr zum SC Magdeburg kam.

Von Island nach Kiel

„Ich würde lügen, wenn ich sage, dass es ein Spiel wie jedes andere ist. Ich freue mich wirklich sehr darauf“, erzählt der 21-Jährige mit einem erwartungsvollen Funkeln in den Augen. Im Sommer 2018 war er aus Island von FH Hafnarfjördur nach Kiel gewechselt. Kristjansson: „Das war damals schon ein komisches Gefühl. Die Bundesliga habe ich natürlich immer aufmerksam verfolgt. Und nun saß ich mit den ganzen Top-Spielern plötzlich zusammen in der Kabine und habe im Training gemerkt, wie gut sie wirklich alle sind. Aber alle haben mich richtig super aufgenommen und ich konnte da wirklich sehr viel lernen.“

Sein erster Titel mit dem THW war der DHB-Pokal – durch einen Sieg im Finale gegen den SCM. Danach kam auch noch der EHF-Cup dazu. Und dass er alles andere als ein zurückhaltender Isländer ist, zeigte Kristjansson dann bei der Saisonabschlussfeier auf dem Rathausplatz. Da schnappte der Rückraumspieler sich das Mikro, sang „Country Road“ und sorgte für gute Stimmung.

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Meister 2020 mit Kiel

Verletzungen warfen ihn bei den Zebras aber immer wieder zurück. Nach der WM 2019 musste er Ende Januar am rechten Wurfarm operiert werden, im November dann an der linken Schulter. So kam er in eineinhalb Jahren nur zu 36 Einsätzen und 13 Toren für den THW. Aber da er in der vergangenen, abgebrochenen Saison vor seinem Wechsel nach Magdeburg für den THW in der Bundesliga im Einsatz war, wird er auf der Homepage des THW als Meister 2020 geführt.

Und eigentlich darf sich Kristjansson auch Champions-League-Sieger nennen. Das Final Four wurde zwar in den Dezember 2020 verschoben. Aber in der Gruppenphase war Kristjansson noch Kieler, gehörte sechs Mal zum Kader und hat sogar ein Tor auf seinem Europacup-Konto stehen. Kristjansson: „Trotz dieser Statistik maße ich mir das nicht an. Für einen Titel will ich schon aktiv mitgewirkt haben.“

Verletzung auskuriert

So wie jetzt beim SCM. Kristjansson: „Der Aufprall mit dem Kopf gegen Minden war zum Glück nicht allzu schlimm. Ich habe mich ein paar Tage ausgeruht und kann in Kiel dabei sein.“ Und obwohl in der Meisterschaft wieder vieles für Kiel spricht, dürfte der SCM durch die Statistik der letzten Duelle auch ein bisschen in den Kieler Köpfen sein. Denn seit März 2018 haben die Grün-Roten alle vier Spiele in der Bundesliga gewonnen.