Magdeburg l Am Sonntag um 16 Uhr (Sky) ertönt der Anpfiff zum Bundesliga-Heimspiel gegen GWD Minden: Und die Handballer des SC Magdeburg haben dann die Chance, den vierten Sieg in Folge zu landen. Trainer Bennet Wiegert gab im Volksstimme-Interview seine Einschätzung zum bisherigen Saisonverlauf.

Volksstimme: Gegen Minden erwarten die Fans den vierten Sieg in Folge. Was können Sie zum Gegner sagen?

Bennet Wiegert: Ich muss eigentlich nur darauf verweisen, dass Minden in dieser Saison bei den Füchsen gewonnen hat. Aktuell haben sie zwar einige Verletzungssorgen, aber es bleibt ein gefährlicher Gegner.  Andererseits ist natürlich auch ganz klar, dass wir dieses Spiel unbedingt gewinnen wollen.

Mit weiteren zwei Punkten könnte sich der SCM oben festsetzen. Hätten Sie gedacht, dass die Teams im oberen Tabellendrittel jetzt schon so viele Minuspunkte auf dem Konto haben?

Zu erwarten war das nicht. Wir selbst hätten ja auch lieber ein paar Pluspunkte mehr. Dagegen hat Hannover einen richtig guten Lauf. Davor habe ich einen großen Respekt, bin aber gespannt, ob sie dieses Level halten können. Unterm Strich ist die Liga jetzt sehr ausgeglichen. Das finde ich gut. Das haben wir uns alle ja auch so gewünscht. Durchaus möglich, dass zumindest der Vizemeister am Saisonende 16 oder sogar 18 Minuspunkte auf dem Konto hat.

Welche der vier Niederlagen in der Bundesliga ärgert Sie denn am meisten?

Niederlagen sind grundsätzlich ärgerlich. Aber Wetzlar tat auch deshalb weh, weil wir nicht gut gespielt haben. Zum Schluss hätten wir einen Punkt mitnehmen können, aber verdient wäre der nicht gewesen. Gegen die Löwen tun wir uns leider traditionell schwer. Melsungen haben wir nach deren Niederlage in Balingen zum ungünstigen Moment erwischt. Und dass wir in Hannover mit einem Rückstand in die Pause gegangen sind, war eigentlich ein Unding. Trotzdem haben wir auch aus dieser Phase gelernt.

Gibt es Gründe, warum es jetzt besser läuft?

Wir agieren alternativ in der Abwehr mehr mit einer 5-1-Deckung. Auch die Verantwortung liegt auf mehreren Schultern. Als Marko Bezjak ausfiel, waren Christian  O‘Sullivan und Michael Damgaard eher gefragt. In der letzten Saison hatten wir im Herbst ja auch eine schlechte Phase. Aber das war viel schwieriger. Denn jetzt steckt viel mehr Entwicklungspotenzial im Team, um wieder auf ein anderes Level zu kommen.

Mussten Sie sich eigentlich auch ein bisschen Sorgen um Ihren Trainerposten machen?

Nein, ich habe zum Glück keinen wackeligen Job und intern keine große Unruhe verspürt, eher Vertrauen. Dass aber von außen schnell alles infrage gestellt wird, gehört in Magdeburg dazu. Von den sozialen Netzwerken halte ich mich da zwar fern. Aber ich komme aus dieser Stadt und werde natürlich auf der Straße angesprochen. Aber damit muss ich als SCM-Trainer umgehen können.

Wie zufrieden sind Sie mit den Neuzugängen?

Sehr zufrieden. Von den Jungs, die zuvor schon in der Bundesliga gespielt haben, war das zu erwarten. Moritz Preuss braucht nach seiner Verletzung natürlich noch ein bisschen.Aber auch Tobias Thulin und Filip Kuzmanovski haben sich gut eingefügt und hatten beide schon Anteile an Erfolgen. Beide sind auch fleißig dabei, ihre Sprachbarrieren abzubauen.

Stimmen Sie zu, dass der Sieg in Leipzig mehr als zwei Punkte wert war?

Für die Tabelle nicht, aber für unsere Moral schon. Wir sind in diesem Spiel zwei Mal richtig gut zurückgekommen und haben gezeigt, dass wir die Crunchtime für uns entscheiden können. Und in diesem Zusammenhang sei auch noch mal gesagt, dass es zwischen Leipzig und uns kein Duell von David gegen Goliath mehr ist. Der SC DHfK legt als Verein ein enormes Wachstum hin und Leipzig ist fast schon eine Metropole geworden. Das ist für uns eine echte Konkurrenz in der Region.

Dem Spiel gegen Minden folgt die 3. Runde im EHF-Cup. Was wissen Sie schon über den Gegner Gornik Zabrze?

Der Fokus ist erst einmal ganz klar auf Minden gerichtet. Deshalb weiß ich noch nicht so viel. Nur, dass Zabrze in Polen die Nummer drei ist und es auch schon Kielce in der Liga schwergemacht hat. In der kleinen Halle geht es heiß her. Und mit dem Tschechen Martin Galia steht ein alter Bekannter aus der Bundesliga im Tor.

Durch das Aus im DHB-Pokal dürfte der EHF-Cup wohl die letzte echte Chance auf einen Titel sein.

Dass dieser Wettbewerb für uns jetzt eine andere Wertigkeit bekommen hat, ist ganz klar. Der Spielplan ist in dieser Saison auch günstiger als letztes Jahr gegen Porto. Wir spielen zuerst auswärts und können uns eine Woche lang darauf vorbereiten. Und vor dem Rückspiel haben wir auch keinen Reisestress, sondern spielen in der Bundesliga auch zu Hause.