Magdeburg l Anfang der Woche hat Jannick Green ganz in Ruhe Video geschaut. Er analysierte noch einmal das Bundesliga-Spiel seines SC Magdeburg gegen Balingen. „Das mache ich nach jeder Partie. Wichtig ist mir dabei, noch einmal genau zu sehen, wie ich bei den Würfen stand und ob ich mich richtig bewegt habe“, erklärt der Torwart. Sein Ergebnis: „Torhüterspezifisch war ich zufrieden. Und dass wir ruhig geblieben sind, hat mir auch sehr gefallen.“

Green sehr selbstkritisch

Mit 17 Paraden hatte Jannick Green selbst maßgeblichen Anteil am klaren 38:26-Sieg. 40,48   Prozent lautete die überragende Quote seiner gehaltenen Bälle bei Würfen des Gegners. Eigentlich kein Grund, nach Fehlern zu suchen. Aber so ist der Däne halt. „Manchmal ist er auch zu selbstkritisch und nimmt Gegentore auf seine Kappe, obwohl ihn die Abwehr alleingelassen hat. Da wünsche ich mir, dass er seine Vorderleute da noch mehr wachrüttelt“, sagt SCM-Trainer Bennet Wiegert.

Olympiasieger und Weltmeister

Vor drei Jahren gewann Green mit der dänischen Nationalmannschaft in Rio die olympische Goldmedaille. Im Januar dieses Jahres krönte er mit Dänemark die Heim-WM als Weltmeister. Titel, die eigentlich auch Begehrlichkeiten anderer Clubs wecken. Flensburg war vor zwei Jahren auch schon mal sehr interessiert an einer Verpflichtung. Aber Green weiß, was er an Magdeburg hat, genießt die kurzen Wege und verlängerte seinen Vertrag inzwischen bis 2022. Und es muss ganz gewiss nicht die letzte Vertragsverlängerung gewesen sein.

Beim Pokalsieg 2016 soll es in Greens Titelsammlung mit dem SCM natürlich nicht bleiben. Um auch im Kampf um die Meisterschaft gleich ganz oben dabei zu bleiben, müssen dem Auftaktsieg zwei weitere Punkte folgen. Geschenkt gibt es die morgen Nachmittag (16  Uhr, Sky) in Lemgo aber nicht. Green: „Wir wissen, was da auf uns zukommt, haben letztes Jahr nur mit viel Glück dort gewonnen.“

Lemgo mit vielen Fragezeichen

Die Verletzungssorgen bei Lemgo machen die Vorbereitung nicht einfacher. „Da gibt es zu viele Fragezeichen, wer spielen und werfen kann“, sagt Jannick Green. „Aber damit müssen wir leben und uns auf alle Varianten vorbereiten.“ Denn es wäre schon ein gewaltiger Unterschied, ob die Gastgeber im Rückraum mit Nationalspieler Tim Suton agieren können oder nicht.

Und wie von Green angesprochen, ging es in Lemgo zuletzt immer eng zu. Dem knappen 23:22 im Mai ging in der Saison zuvor ein 27:27 voraus. „Dort ist es nie einfach“, sagt Green.

Großes Lob für Thulin

Neben den Paraden wies das neu eingeführte Datentracking der Handball-Bundesliga am ersten Spieltag übrigens eine Laufdistanz von 1,88 Kilometer für den Torhüter aus. Bei der Spielzeit fehlten nur zwölf Sekunden zur vollen Stunde. Einsatzzeit, die Tobias Thulin auf sein Zeitkonto bekam, weil der Schwede für einen Siebenmeter zwischen die Pfosten durfte.

Green ist die klare Nummer eins im SCM-Tor. Doch er hat eine hohe Meinung vom jungen Mann hinter ihm. „Tobias ist wirklich ein riesengroßes Torwarttalent. Er ist ruhig und nutzt vor allem seine Größe sehr gut aus.“

Green ist 1,95 Meter groß, Thulin 1,98 Meter. „Die paar Zentimeter mehr hätte ich auch gern. Wenn er sich mit seinen Armen breit macht, kommt er fast von einem Pfosten zum anderen“, sagt der Däne, der für Thulin auch immer ein Ansprechpartner ist. Green: „Neue Teamkollegen, neue Sprache, neue Liga. Das ist nicht so einfach. Wenn er Hilfe braucht, bin ich immer da. Verstehen kann ich ja Schwedisch auch ganz gut.“

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