Magdeburg l Als die Handballer des SC Magdeburg nach dem Training zu Wochenbeginn ihre Muskeln dehnten, saß Bennert Wiegert gedankenversunken am Rand. Den Kopf nach unten gesenkt strich er sich mit den Händen durch die Haare. Der SCM-Trainer wirkte ganz weit weg. Teilweise noch bei der 29:31-Niederlage bei der MT Melsungen. Teilweise schon am Sonntag, wenn die Rhein-Neckar Löwen in die Getec-Arena (Anwurf: 13.30 Uhr, Sky) kommen.

Man musste Wiegert nicht fragen. Nur in sein Gesicht schauen, um zu sehen, dass die Niederlage gegen Melsungen tief an seiner Handballseele nagt. Wiegert verrät: „Am freien Wochenende war ich wohl eher eine Belastung für meine Familie. Ich hatte miese Nächte und drei Tage enorm zu leiden. Und das merken ja auch alle.“

SCM muss Hebel umlegen

Trotzdem muss der 37-Jährige den Hebel wieder umlegen. Und dafür sucht Wiegert weniger den Schlüssel im Training mit dem Ball, sondern eher in den Köpfen der Spieler. Denn die waren in Kassel irgendwie blockiert. „Wir wussten, was uns erwartet und haben es trotzdem nicht geschafft, emotional richtig dagegen zu halten. Deshalb konnten wir in dieser Woche nicht gleich wieder zur Tagesordnung übergehen. Inzwischen haben wir das aber zusammen ordentlich aufgearbeitet, um uns beim nächsten Mal anders zu verhalten. Mir ist immer wichtig, dass wir aus solchen Dingen lernen und uns dadurch verbessern.“

In diesen Tagen spricht er besonders intensiv mit den erfahrenen Spielern, nimmt diese auch in die Verantwortung. „Die Niederlage gegen Melsungen war absolut unnötig. Da müssen wir gegen die Löwen eine Reaktion zeigen“, fordert der Coach.

SCM hat Rechnungen offen

Auch im Wissen, dass der Spielplan sonst durchaus die Gefahr einer ersten kleinen Krise bereithält. In einer Woche müssen die Grün-Roten in Wetzlar ran, wo schon Flensburg beim 27:27 einen Punkt liegen ließ. Und dann warten am 1. Oktober die Berliner Füchse im Achtelfinale des DHB-Pokals.

Doch erst einmal gilt die volle Konzentration der Partie gegen die Rhein-Neckar Löwen. Denn die Statistik gegen das Star-Ensemble aus Mannheim sieht nicht besonders gut aus. Von den bisher 39 Spielen konnte der SCM lediglich acht gewinnen, zweimal teilte man die Punkte. In der Ära Wiegert haben die Magdeburger auch erst einmal in neun Versuchen die Löwen bändigen können. Das war im Dezember 2016 mit einem 35:32 in der Getec-Arena.

SCM trainiert nicht extra Siebenmeter

In der Vorsaison war der SCM bei den zwei Niederlagen gegen die Löwen – 29:32 in Magdeburg und 22:28 in Mannheim – im Vergleich zu den anderen fünf Niederlagen wohl am weitesten von einem Punktgewinn entfernt. Da sind also einige Rechnungen offen. Und die SCM-Devise lautet ja, sich in jeder Saison zu verbessern.

Entscheidend für die Partie am Sonntag dürfte auch die Nervenstärke am Siebenmeterpunkt sein. Während die Löwen mit Uwe Gensheimer einen absoluten Eisvogel in ihren Reihen haben, der bisher 16 von 19 Würfen verwandelte und eine Quote von 84,21 Prozent hat, zeigen die Magdeburger bei den Strafwürfen überraschend viele Nerven. Von 37 Strafwürfen wurden gerade einmal 25 verwandelt – macht also eine Trefferquote von lediglich rund 67 Prozent.

SCM-Trainer setzt auf Gespräche

In Melsungen wurden drei der sieben Strafwürfe vergeben. Wiegert meint: „Sonst hätten wir auch darüber das Spiel für uns entscheiden können. Aber ich werde daraus kein großes Thema machen, sondern betrachte es weiter als Luxusproblem, viele gute Schützen zu haben. Deshalb fangen wir jetzt auch nicht an, Siebenmeter zu trainieren, sondern werden über Gespräche Lösungen finden.“

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