Magdeburg l Das Thema Champions League haben die Handballer des SC Magdeburg abgehakt. Trotzdem gibt es genug Ziele in der neuen Saison mit vielen neuen Spielern. Worauf es da ankommt, verriet Trainer Bennet Wiegert im Gespräch.

Die Saison ist seit zwei Wochen vorbei, die Spieler sind im Urlaub. Wie entspannt ist denn jetzt die Zeit als SCM-Trainer?
Bennet Wiegert:
Als Trainer sehr entspannt. Da kann ich aktuell richtig gut abschalten. Nur bin ich beim SCM ja auch noch Geschäftsführer Sport. Und da habe ich gerade in der Spielpause immer eine Menge zu tun. Ob Absprachen mit der medizinischen Abteilung oder andere organisatorische Dinge – ich habe täglich mehrere Termine. Bevor ich aber auch wieder als Trainer einsteige, bleibt schon noch ein bisschen Zeit für Urlaub mit der Familie.

Wann geht es eigentlich genau wieder los?
Das erste gemeinsame Mannschaftstraining ist für den 12.  Juli angesetzt. An den beiden Tagen zuvor werden die Spieler durchgecheckt und absolvieren individuelle Tests. Am 13. Juli steigt unser traditionelles Fußballspiel in Möser.

Was würden Sie in der letzten Saison eigentlich anders machen, wenn Sie die Zeit zurückdrehen könnten?
Nicht viel. Aber ich würde vor allem gerne mal sehen, wie das Pokalfinale ausgeht, wenn sich Albin Lagergren nicht verletzt hätte. Dass er sich ausgerechnet in diesem Spiel den Fuß gebrochen hat, war einfach schade. Denn mit ihm waren wir voll drin, haben da ja sogar geführt.

Gehen Sie eigentlich fest davon aus, dass Lagergren die nächste Saison für den SCM spielt? Oder ist zu befürchten, dass die Löwen versuchen, ihn doch schon ein Jahr vorher zu holen?
Ich plane fest mit ihm. Ein vorzeitiger Wechsel dürfte auch durch seine Verletzung vom Tisch sein. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Löwen noch einmal anklopfen. Und wir wissen ja selbst noch nicht, ob Albin wirklich rechtzeitig zum Trainingsstart richtig fit ist.

Wo haben Sie eigentlich den Isländer Omar Ingi Magnusson entdeckt, der ja Lagergren ab 2020 ersetzen soll?
Wenn Spieler erst einmal auf der großen Bühne sind, wird es für uns als SC Magdeburg schwer, solche Jungs zu bekommen. Allein mit Geld können wir keinen überzeugen. Da haben andere Clubs einfach mehr zu bieten. Für uns ist es deshalb wichtig, schon bei den Nachwuchsturnieren zu scouten und Kontakt aufzunehmen. Und bei den Gesprächen können wir vor allem mit einem tollen sozialen Umfeld argumentieren.

Durch die Neuzugänge dürfte es künftig am Siebenmeterpunkt ein großes Gerangel geben. Schließlich kommen mit Tim Hornke und Christoph Steinert zwei Spieler dazu, die bei ihren alten Clubs für die Siebenmeter verantwortlich waren. Haben Sie da schon einen Plan?
Nein, ich sehe das ganz entspannt. Denn unterm Strich ist das ein absolutes Luxusproblem. Siebenmeter können sehr entscheidend sein. Und wenn man dafür mehrere gute Schützen hat, umso besser. Festlegen werde ich da von vornherein nichts. In der Vorbereitung sollen die Spieler das unter sich ausmachen und sich auch abwechseln. Bevor die Saison beginnt, werde ich natürlich entscheiden, wer Schütze Nummer eins ist.

Am Kreis haben Sie jetzt auch die Qual der Wahl. Gibt es denn da schon einen Plan, wie sich die drei Spieler abwechseln sollen?
Ja, darüber habe ich mir schon Gedanken gemacht. Zeljko Musa wird weiterhin in der Abwehr und im Angriff spielen. Moritz Preuß und Erik Schmidt sollen sich dagegen abwechseln. Moritz ist eher für den gegnerischen Kreis vorgesehen, Erik mehr für die Defensive. Ich glaube, dass die zwei es durch diese Aufgabenteilung auch einfacher haben, ins Team zu rutschen.

Wird es wieder eine Titelansage geben?
Das wird die Mannschaft entscheiden. Aber warum nicht? Ich halte nichts davon, sich bedeckt zu halten. Dass wir uns durch die Neuzugänge weiter verstärkt haben, ist ja nicht wegzudiskutieren. Klar muss da auch immer erst ein Rädchen ins andere passen. Aber wir sollten schon selbstbewusst die Saison angehen.

Wer ist für Sie der absolute Titelfavorit?
Ich denke, dass Kiel wieder an der Reihe ist. Die Mannschaft ist gefestigt und verändert sich kaum. Schön wäre es aber, wenn die Meisterschaft mal wieder mit mehr Minuspunkten vergeben wird. Dass Flensburg mit nur vier Minuspunkten am letzten Spieltag sogar noch zittern musste, ist ja eigentlich unglaublich. Ich finde es besser, wenn man sich auch mal ein, zwei schlechte Spiele leisten kann, ohne dass dadurch gleich die ganze Saison erledigt ist. Das würde auch der Liga ganz guttun.

Bedauern Sie, dass die EHF Nein zur Champions-League-Bewerbung des SCM gesagt hat?
Ich hätte die Herausforderung gerne angenommen. Auch wenn der eine oder andere sagen wird, dass es vielleicht ganz gut so ist und wir nicht den Kader für diese enorme Zusatzbelastung haben. Daran kann man aber auch wachsen und durch diese Spiele vor allem unheimlich Erfahrungen sammeln. Es war auch richtig, dass wir uns bewerben. Es nicht zu tun, hätten wir unseren Spielern gar nicht vermitteln können. Denn die haben eine Saison richtig hart für Rang drei gearbeitet. Dadurch spielen wir aber im EHF-Cup und werden das auch richtig ernst nehmen.

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