Hamburg l Robert Weber kam als einer der ersten SCM-Spieler vom Spielfeld. Nur ganz kurz wollte der Österreicher reden – und das lag nicht nur daran, dass er seinen Sohn Lio an der Hand hatte. Die Enttäuschung nach der deutlichen 24:28-Niederlage im DHB-Pokal-Finale gegen den THW Kiel war einfach zu groß. Worte zu finden, dementsprechend schwer. „Obwohl es absehbar war, dass wir das Spiel verlieren“, meinte Weber, „wir sind ja ständig mit sechs, sieben Toren hinten gelegen. Das ist gegen den THW eben sauschwer aufzuholen.“ Sein Fazit: „Wir haben zwar gekämpft, sind aber zu häufig an THW-Torhüter Niklas Landin gescheitert.“

Doch es lag nicht nur am überragend aufgelegten Landin, dass dem SCM das Spiel entglitten war. Zur Pause lag das Team von Bennet Wiegert ja nur mit einem Tor zurück (13:14). „Wir hatten wenig Wechselmöglichkeiten“, sagte Weber. Michael Damgaard wurde noch deutlicher: „Wir konnten den Ausfall von Albin Lagergren überhaupt nicht auffangen. Wir haben viel probiert, aber unser Angriff hat in den letzten 20 Minuten kaum funktioniert.“

Lagergren verletzt

Obwohl Albin Lagergren  nach der Partie überhaupt nicht mehr auftauchte, war sein Name trotzdem allgegenwärtig. Nach seiner Verletzung rund zehn Minuten vor der Halbzeit musste der Schwede auf die Bank (siehe Text unten). „Ich will keinen Hehl daraus machen, dass uns das in die Karten gespielt hat“, bestätigte auch THW-Trainer Alfred Gislason. Denn mit Mads Christiansen, der für Lagergren ins Spiel kam, musste Wiegert auf einen Spieler zurückgreifen, der zuletzt wenig Spielpraxis hatte und zudem an einer Ellbogen-Verletzung laboriert. „Es war ein Glücksspiel, ob das funktioniert, wenn der absolute Notfall eintritt. Und es hat leider nicht geklappt“, erklärte Wiegert, der es deshalb später auch mit zwei Kreisläufern und sogar mit Rechtshänder Damgaard im rechten Rückraum probierte. „Aber der THW war an diesem Tag einfach zu stark und profitierte vom breiten Kader.“

Im Gegensatz zum Halbfinale, das die Kieler mit 24:22 gegen die Füchse Berlin gewonnen hatten, konnten sie gegen den SCM mit einem frischen Rückraum beginnen. Aber all das darf trotzdem keine Ausrede dafür sein, dass die Magdeburger wie schon im Halbfinale gegen Hannover (30:29) nach der Pause plötzlich minutenlang von der Rolle waren. Aus einer 15:14-Führung wurde so ein 16:24-Rückstand.

SCM zeigt Nerven

Eine richtige Erklärung für diesen 1:10-Lauf hatte auch Matthias Musche nicht. „An der Fitness lag es definitiv nicht, denn wir sind ja am Ende noch einmal richtig gut zurückgekommen. Das war einfach Kopfsache, was aber unerklärlich ist“, sagte der  Linksaußen, der selbst zweimal vom Siebenmeterpunkt scheiterte. Damit war er nicht alleine, denn auch Weber und Daniel Pettersson versagten die Nerven. „Vier verworfene Siebenmeter sind in so einem Finale eindeutig zu viel“, stellte Musche klar.

Während der ehemalige Magdeburger Erfolgstrainer Gislason sich nach elf Jahren beim THW also mit einem Titel verabschiedet, herrschte beim SCM Tristesse in der Kabine. „Für uns geht es jetzt darum, die Niederlage schnellstmöglich zu verarbeiten und den Hebel umzulegen. Doch diesen Hebel zu finden, kann manchmal schwer sein. Jetzt gerade in der Kabine hat es sich angefühlt, als sei die Saison vorbei. Das ist jetzt meine Aufgabe als Trainer, die Mannschaft wieder aufzurichten“, erzählte Wiegert.

Kiel ist verdienter Sieger

Damgaard allerdings hatte für sich schon einen Ansatz gefunden, um aus der verpassten Titelchance etwas mitzunehmen: „Wir müssen aus der Niederlage lernen. Nicht für heute, aber fürs nächste Jahr, wenn wir wieder hier stehen“, meinte der Däne.

Und auch Robert Weber, der sich gerne mit einem Titel aus Magdeburg verabschiedet hätte, zeigte sich als fairer Verlierer: „Das Leben geht weiter – so blöd das auch klingt. Ich hätte den Pokal heute gerne gewonnen. Aber Kiel ist der verdiente Sieger.“