Magdeburg l „Weil du das Spiel liebst“ – so steht es am Mannschaftsbus der HSG Wetzlar. Richtig lieb hatten sich nach dem Spiel am Sonntagnachmittag aber nur die SCM-Handballer und ihre Fans. Die konnten mit einem 34:27 (18:14) zufrieden das Jahr 2019 beenden und liegen als Tabellenvierter nur zwei Punkte hinter Spitzenreiter THW Kiel zurück.

Mit gutem Gefühl in die EM-Pause

In der mit 6600 Zuschauern ausverkauften Getec-Arena legten die Gastgeber auch richtig furios los und führten schon nach dreieinhalb Minuten mit 4:0. „Das war genau das, was wir sehen wollten. Eine Mannschaft, die unbedingt die zwei Punkte will. Und so können wir jetzt auch mit einem guten Gefühl in die EM-Pause gehen“, freute sich SCM-Trainer Bennet Wiegert nach dem Spiel.

Wie die Gäste aber innerhalb einer Minute auf 4:3 verkürzten und später aus einem 9:4 (10.) ein 9:7 (13.) machten, zeigte allerdings deutlich, dass Wetzlar auch anders als lieb daherkommen kann. Wiegert: „Dieser Spielverlauf in der Anfangsphase war fast so ein bisschen Spiegelbild der bisherigen Saison. Man hat eine Phase, wo alles läuft – und dann muss man doch wieder zittern.“

Wetzlar-Coach lobt den SCM

Als seine Jungs nach 20 Minuten nur noch mit einem Tor (11:10) vorne lagen, war das aber Warnung genug. Wetzlar hatte schließlich vor einer Woche mit 27:20 in Kiel gewonnen. „Aber heute hat bei uns die Einstellung gefehlt, während der SCM voll fokussiert war, gut verschoben und uns eiskalt ausgekontert hat“, analysierte Wetzlars Trainer Kai Wandschneider.

Innerhalb von knapp vier Minuten waren die Magdeburger wieder auf 14:10 enteilt und ließen beim 18:12 gut drei Minuten vor der Pausensirene die Halle richtig wackeln.

Thulin zwischen den Pfosten

Im Tor durfte sich in dieser Phase auch Tobias Thulin auszeichnen und hatte mit einigen Paraden auch seinen Anteil am Zwischenstand. Rechtsaußen Tim Hornke meinte: „In dieser Phase hätten wir uns sogar noch deutlicher absetzen können.“ Doch Hornke selbst vergab per Siebenmeter mit dem letzten Wurf eine mögliche Fünf-Tore-Führung.

Hornke und Damgaard beste Werfer

Vier Minuten nach dem Seitenwechsel waren die Gäste beim 19:18 wieder auf ein Tor dran. Wieder wurde gezittert – aber auch wieder entsprechend geantwortet. Mit einem 6:1-Lauf zogen die Magdeburger auf 25:19 davon und waren damit jetzt auch endgültig auf der Siegerstraße. „Wir hatten zwar ein paar Dellen drin. Aber unterm Strich war das ein souveräner Sieg. Damit können wir zufrieden das Jahr abschließen“, meinte Michael Damgaard, der zusammen mit Tim Hornke mit jeweils neun Treffern bester SCM-Torschütze war.

Traumtor von Mertens

Das spektakulärste Tor des Tages erzielte aber nach der Pause auf Linksaußen Lukas Mertens – mit einem ganz seltenen Kempa-Trick. Mertens hob bei einem Tempogegenstoß in der 45. Minute bei einem 30-Meter-Pass von Torwart Jannick Green ab, fing den Ball im Springen und donnerte ihn dann aus der Luft direkt weiter zum 29:21 ins Wetzlarer Gehäuse. Da riss es die Zuschauer endgültig von den Sitzen. Und Mertens freute sich: „In dieser Halle vor diesen tollen Fans so ein Tor zu werfen, ist was ganz Besonderes.“

Die Gäste konnten zwar noch einmal auf 30:25 (55.) verkürzen, aber am klaren SCM-Sieg gab es keine Zweifel mehr. „Knappe Siege sind zwar immer besonders schön“, meinte Green. „Aber es tut auch mal ganz gut, wenn man ein Spiel in Ruhe nach Hause bringen kann.“ Und das ohne die verletzten Stammkräfte Zeljko Musa und Marko Bezjak.Meinung