Magdeburg l Die Vereine der Handball-Bundesliga (HBL) sind aufgeregt. Aufgeregter als noch in der vergangenen Woche. Das berichtet Oliver Lücke, Pressesprecher der HBL, und das zeigt sich auch in etlichen Kommentaren, die von Seiten der Clubs zu hören sind. „Es droht der Verlust von Vereinen“, sagt beispielsweise Jennifer Kettemann, Geschäftsführerin der Rhein-Neckar Löwen. Und Marc-Henrik Schmedt, Geschäftsführer des SC Magdeburg, betont: „Wenn die Politik entscheidet, dass weiterhin nur vor wenigen Zuschauern gespielt werden darf, dann müssen sich alle der Konsequenzen bewusst sein. Nicht nur der Profi-Handball ist dann tot, sondern auch jegliche Strukturen dahinter.“

Auslöser der neu entfachten Aufregung sind Gespräche zwischen Bund und Ländern, die am Donnerstag geführt wurden. Thema waren die Corona-Regeln und damit einhergehend auch der Umgang mit Sportveranstaltungen. Das Fazit: Erst Ende Oktober schlägt eine Arbeitsgruppe auf Ebene der Chefs der Staatskanzleien ein Konzept für bundesweite Sportveranstaltungen vor. Bis dahin sind Großveranstaltungen über 1000 Teilnehmer grundsätzlich untersagt.

Ausnahmen sind möglich

Die Handballer wollen jedoch am 1. Oktober in die neue Spielzeit starten – und könnten von folgender Ausnahme profitieren: Legt der Veranstalter nämlich ein Hygienekonzept vor, das vom örtlichen Gesundheitsamt genehmigt wurde, dann können auch Zuschauer dabei sein. Das ist der Sonderweg, auf den HBL und SCM gleichermaßen setzen. Regierungschef Reiner Haseloff (CDU) gab dafür in Sachsen-Anhalt explizit grünes Licht, sofern „die Liga das will und ein Konzept vorliegt“. Schmedt meint: „Die Landes- und Kommunalpolitik ist hier auf einem mutigen, aber dennoch verantwortungsvollen Weg.“

Die HBL steht regional unterschiedlichen Herangehensweisen schon einmal nicht im Weg. „Wir werden nicht aus einem Solidaritätsgedanken heraus sagen, dass nur, weil mehrere Standorte nicht vor Zuschauern spielen dürfen, das für alle gilt“, so Lücke.

Ein entsprechendes Hygienekonzept hat der SCM zudem erarbeitet und vorgelegt. Bei den anstehenden Testspielen gegen Ludwigshafen, Dessau und Hannover-Burgdorf sollen zum Beispiel 500 Zuschauer dabei sein.

Geisterspiele sind Horrorszenario

Großveranstaltungen, bei denen die Kontaktverfolgung und die Einhaltung von Hygieneregeln dagegen nicht möglich sind, bleiben sogar bis Jahresende untersagt.

Nicht nur für den SCM ist das ein Horrorszenario. 95 Prozent der Einnahmen generiert der Verein aus Ticketing und Sponsoring. Seit Anfang März ruht der eigentliche Geschäftsbetrieb jetzt schon. Ginge das so weiter, „ist nach einer ganz kurzen Übergangszeit, heißt, ein oder zwei Spiele, Schluss. Danach wird den ersten Clubs die Luft ausgehen“, sagt HBL-Chef Frank Bohmann: „Dann wird der Fortbestand des Profisports hinter dem Fußball, so wie man ihn seit Jahrzehnten kannte, nicht mehr möglich sein.“

Schmedt: "Strukturen sind gefährdet"

Schmedt pflichtet ihm bei und merkt zum Standort Magdeburg an: „Die gesamte Region wird darunter leiden. Am SCM hängt der komplette Jugendbereich, der Leistungsstützpunkt, weitere Sportarten – diese Struktur, wie wir sie kennen, ist dann gefährdet.“

Das Risiko, dass vor allem unterklassige Vereinsstrukturen zuerst betroffen sein könnten, sieht auch Schmedt. Immerhin sind die Auflagen immens, die Einnahmen dagegen überschaubar. Und auch in der HBL müssen alle Clubs über Wasser gehalten werden. Schmedt: „Was nutzt uns eine Liga mit vier übriggebliebenen Vereinen, wenn diese keine Gegner mehr haben?“

Passend dazu meldete gestern der „Spiegel“, dass Schleswig-Holstein seine Spitzenclubs aus Kiel und Flensburg mit je einer Million Euro unterstützen will. Etwas, wovon andere Vereine bislang nur träumen können.

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