Magdeburg l Immer wieder fallen Spieler mit Verletzungen und Krankheiten aus. Längst ist eine Diskussion entbrannt über eine Verlängerung der Urlaubszeit im Sommer. „Im Moment sind es etwa drei Wochen. Aber das Doppelte ist mindestens notwendig, damit die Spieler wieder runterkommen“, erklärte Uwe Schwenker, der Präsident der Bundesliga-Vereinigung HBL, zuletzt im NDR-„Sportclub“.

Versicherung kostet halbe Million Euro

Gerade die Top-Teams mit vielen Nationalspielern und den Verpflichtungen in den europäischen Club-Wettbewerben müssen zu oft an ihre Grenzen gehen. Die HBL hat sich deshalb bereits mit der Spitze des Deutschen Handballbundes getroffen. Schwenker: „Nach der WM werden wir uns mit allen Kapitänen zusammensetzen und auch mit den deutschen Nationalspielern.“

Es sind alarmierende Zahlen: Nach Angaben der Unfallversicherung „Verwaltungsberufsgenossenschaft“ (VBG) verletzen sich rund 80 Prozent der Handballspieler in der Saison mindestens einmal. Und pro Saison gibt die VBG rund 2,3 Millionen Euro für die Behandlung verletzter Profis aus. Dementsprechend teuer sind auch die Beiträge. Der SCM muss einen mittleren sechsstelligen Betrag in der Saison entrichten. Geschäftsführer Marc-Henrik Schmedt: „Pro Spieler sind das bis zu 25 000 Euro. Und die Beiträge für die Krankenkasse kommen noch oben drauf.“

Zu viele große Turniere

Für Schmedt ist die Hauptursache der fehlenden Regeneration aber eher in den jährlich stattfindenden großen Turnieren zu suchen. „Wir haben im Handball jedes Jahr eine WM oder EM. Das ist eine enorme Überbelastung, weil die Spieler dadurch im Winter komplett durchspielen. Und so viele Turniere entwerten auch den Wettbewerb.“ Der Olympiasieg im Handball zählt deshalb viel mehr als EM- oder WM-Titel, weil der nur aller vier Jahre ausgespielt wird. Nur bedeutet ein Olympiajahr die extremste Belastung für die Handballer, weil trotzdem im Januar zuvor und danach noch Turniere stattfinden.

Für die Bundesligisten ist das besonders problematisch, da die Leistungsdichte in der Liga so hoch wie in keiner anderen Spielklasse der Welt ist. Schmedt: „Man muss in Deutschland in jedem Spiel Vollgas geben, was bei unserem extrem körperbetontem Sport mit einem Verletzungsrisiko verbunden ist. Und wenn sich drei Spieler verletzen, dann stehen die anderen 13 noch mehr im Fokus und müssen an ihre absoluten Grenzen gehen.“

SCM für Bundesliga mit 18 Teams

Beim SCM hält man allerdings trotzdem nichts davon, die Bundesliga von 18 auf 16 Mannschaften zu verkleinern. Schmedt: „Das bedeutet ja auch zwei Heimspiele weniger, was für viele Clubs eine wichtige Einnahmequelle ist. Nein, die Bundesliga funktioniert schon lange so, wie sie ist. Nachdenken sollte man eher darüber, die Champions League nicht zu sehr aufzublähen.“

Champions League als 14er Liga?

Denn die EHF denkt aktuell sogar über eine 14er Liga nach. Wenn dann Jeder gegen Jeden insgesamt 26 Spiele gemacht hat, sollen von Rang eins bis acht auch noch Play-offs stattfinden. Schmedt: „Für so ein Modell braucht ein Verein zwei komplette Mannschaften mit gleichwertigen Spielern. Das kostet richtig viel Geld. Und wenn es dann mit der Qualifikation für die Champions League nicht klappt, fährt man ein gefährliches finanzielles Risiko.“

250 000 Euro als TV-Gelder

Durch die Königsklasse entsteht im Handball auch immer mehr eine Zweiklassengesellschaft. Barcelona oder Paris locken einerseits als Stadt und dazu mit dem Abo auf die Champions League. Um das auszugleichen, muss ein Verein aus einer kleineren Stadt sogar noch mehr Gehalt aufrufen, was aber wirtschaftlich kaum machbar ist. Von TV-Geldern wie im Fußball ist der Handball meilenweit entfernt. „Sky“ und die Öffentlich-Rechtlichen zahlen pro Saison jedem Club rund 250 000 Euro.

Doch für einen Verein wie den SCM ist es eine Herausforderung, immer wieder ein Top-Team zu basteln. Erst recht, wenn er Spieler wie Dario Quenstedt an den THW Kiel verliert und Albin Lagergren von den Rhein-Neckar Löwen umworben wird. Der Geschäftsführer nimmt es dennoch gelassen hin. Schmedt: „Wenn unsere Spieler keiner haben will, dann würde ich mich viel mehr wundern. Das ist legitim und zeugt von einer Qualität in unserer Mannschaft. Und wir schauen ja auch bei anderen Clubs nach guten Spielern und holen die zu uns.“

Kader langfristig planen

So wie für die neue Saison Tim Hornke aus Lemgo, Moritz Preuss aus Gummersbach und Christoph Steinert aus Erlangen. Schmedt: „Von den Einzelspielern haben wir dann vielleicht die stärkste Mannschaft seit Jahren zusammen.“ Zufrieden geben können sich die Magdeburger damit aber nicht. Schmedt: „Wer im Handball Erfolg haben will, muss seinen Kader immer schon Jahre im Voraus planen.“

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