Magdeburg l Die beiden Trommler im Estrad Alingsas waren schon verstummt. Weil Tobias Thulin mit zwei Paraden das 29:29 festhielt, hatten die Magdeburger eigentlich den letzten Angriff des Spiels, um es noch für sich zu entscheiden. Eigentlich. Denn obwohl nach der Auszeit noch 17 Sekunden zu spielen waren, wollte Michael Damgaard gleich die erste Lücke nutzen, wurde aber bedrängt und scheiterte an Alingsas-Torwart Anton Hagvall. Und mit der Schlusssekunde bekamen die Magdeburger dann auch noch das Tor zur Niederlage im 3. Gruppenspiel der European Handball League eingeschenkt. Statt sich über den 170. Sieg im 250.Europacupspiel zu freuen, kehrten die Grün-Roten vom Jubiläum nach einer Fahrt durch die Nacht gestern gegen 11 Uhr mit ordentlich Frust aus Schweden zurück.

Sieg hätte Probleme nur kaschiert

„Das Spiel noch zu gewinnen, hätte vieles nur kaschiert. Das war eine superschlechte Leistung über 60 Minuten hinweg. Von Anfang bis Ende. Und das müssen wir jetzt gründlich analysieren“, sagte ein zutiefst enttäuschter Trainer Bennet Wiegert. Während er emotionsgeladen an der Seitenlinie auf und ab lief, gestikulierte, Anweisungen gab, wirkte sein Team lethargisch.

18 Fehler und 27 Fehlwürfe

Vom gefürchteten Tempospiel war nichts zu sehen. Selbst eine schon nach zwölf Minuten genommene Auszeit mit klaren Ansagen ans Team änderte daran nichts. Wiegert: „Ich akzeptiere vieles, kann auch verstehen, wenn es in der gegenwärtigen Situation durch die ganzen Umständen aufgrund von Corona mentale Sorgen gibt. Aber heute fehlt mir komplett das Verständnis. Einer Mannschaft wie uns dürfen 18 technische Fehler einfach nicht passieren.“ Dazu gab es auch noch 27 Fehlwürfe.

Mannschaft ist verunsichert

„Bei allem Respekt vor dem Gegner – aber wir sind nur an uns selbst gescheitert. Und leider nicht zum ersten Mal. Wenn ich beide Mannschaften vergleiche, dann ist jeder von uns leistungsstärker als sein Gegenüber von Alingsas. Aber bei uns ist eine Verunsicherung zu sehen. Wir können einfach nicht konstant unsere Leistung abrufen und treffen viel zu oft die falschen Entscheidungen“, so Wiegert, der deshalb auch keinerlei Ausreden gelten ließ: „Natürlich war die Busfahrt lang. Durch Verletzungen fehlen uns hier und da auch Optionen. Die Gründe dürfen wir aber nicht dort suchen. Bei allen Sorgen sind wir immer noch im Leistungssport. Und wenn alle ihre Leistungen abrufen, dann müssen wir das Spiel eigentlich auch dann gewinnen, wenn wir nur mit acht Leuten angereist wären. Das soll aber bitte nicht respektlos gegenüber Alingsas klingen. Denn die haben es gut gemacht und sich den Sieg auch verdient.“

Wiegert übernimmt Verantwortung

Allein auf die Spieler zu zeigen, dabei will es Wiegert natürlich nicht belassen. „Ein ,Ihr‘ oder ,Die‘ gibt es bei uns nicht. Ich schiebe da nichts weg und bin dafür verantwortlich, wenn die Mannschaft schlecht spielt, und muss alles hinterfragen“, erklärte der Trainer, der bei seiner Analyse jetzt den richtigen Mix aus Zuckerbrot und Peitsche finden muss.

Sonntag wartet Leipzig

Denn schon am Sonntag wartet in Leipzig die nächste schwere Aufgabe in der Bundesliga. Derby-Niederlagen tun bekanntlich besonders weh. Und mit einer erneuten Pleite würden die Magdeburger in der Tabelle auch den Anschluss nach oben verlieren. „Deshalb kann ich jetzt nicht nur draufhauen und meinen Frust über die Niederlage an der Mannschaft abbauen. Das wäre nicht okay und hilft uns mental nicht weiter. So kritisch ich die Dinge jetzt intern ansprechen werde, so sehr versuche ich auch, die Mannschaft aus der Schusslinie zu nehmen. Denn ich brauche am Sonntag von den Jungs eine andere Performance“, betonte Wiegert.

Neue Verletzungssorgen

Personell wird es aber nicht besser. Jannick Green hat immer noch Probleme am rechten Knie. Damgaard zwickt die Schulter, und Magnus Gullerud hat Rückenprobleme, die sich durch die insgesamt rund 30-stündige Busfahrt sicher nicht gebessert haben. Und am Ende des Spiels in Alingsas konnte Piotr Chrapkowski mit Problemen am Sprunggelenk nur noch zuschauen.