Hamburg l Der 8. Mann stünde mit 200 Prozent „in guten wie in schlechten Zeiten hinter der Mannschaft“ des insolvenzbedrohten HSV Hamburg. Das versicherte der Hallensprecher den Mannen um Bitter, Hens & Co. Schließlich trotzten sie seit Wochen mit sportlicher Klasse den Turbulenzen im Umfeld.

So auch am gestrigen Sonntag, dem Spiel 1 nach der finanziellen Bankrotterklärung. Nach offenem Schlagabtausch in den ersten zehn Minuten, die durch die Abwehrreihen und die Keeper – Jogi Bitter auf Seiten der Gastgeber und Dario Quenstedt beim SCM – geprägt wurde, stand es 3:3.

Dem Doppelschlag von HSV-Kreisspieler Ilija Brozovic setzte der SCM einen von Finn Lemke entgegen (5:5/18). Aber bereits zu diesem Zeitpunkt zeichnete sich ab, dass es mit der Rumpftruppe (ohne fünf Stammspieler) schwer werden würde, den kampfstarken Hamburgern auf Augenhöhe zu begegnen. Vor allem der Ausfall von Spielmacher Marko Bezjak (gebrochener Zeh) schmerzte. Zudem war dem fitgespritzten Nemanja Zelenovic (Schulter) anzumerken, dass er nicht im Vollbesitz seiner Kräfte war. Am Ende gingen einige technische Fehler und Fehlwürfe (zu viel) auf das Konto des Serben. Aber auch ein Robert Weber oder Michael Damgaard hatten nicht den besten Tag erwischt. Durch einen 5:0-Lauf der Hamburger geriet man binnen sechs Minuten mit 5:10 ins Hintertreffen (24.). Doch mit Quenstedt im Rücken nutzte der SCM, dass die Hausherren die Zügel schleifen ließen, um bis zum Halbzeitpfiff auf 8:11 zu verkürzen.

Sechs Minuten nach dem Wiederanpfiff hatte sich der SCM auf 9:11 (36.) herangekämpft. Doch die erste Reihe musste fast durchspielen und sich jedes Tor hart erarbeiten. Technische Fehler und Fehlwürfe wurden bestraft. Zumal Bitter (19 Paraden) der Fels in der HSV-Brandung blieb.

Ein Fünf-Tore-Rückstand in der 46. Minute erwies sich als hohe Hypothek. Und doch schaffte es der SCM noch einmal zurückzukommen, kämpfte sich auf 22:20 (55.) her-an. Weil aber die Chance, auf ein Tor zu verkürzen, sträflich vergeben wurde, war am Ende aller Kampf vergebens. Die Schlussphase gehörte dem HSV und seinen Matchwinnern Jogi Bitter und Hans Lindberg (12 Tore). Am Ende hieß es 27:22 (11:8) für Hamburg. Zu allem Unglück gab es ein weiteres Opfer zu beklagen: Finn Lemke musste nach einem Zusammenprall in der 50. Minute mit Verdacht auf Handbruch (links) ins Krankenhaus gebracht werden.

Trainer Wiegert meinte: „So kurz nach dem Abpfiff überwiegt bei uns allen die Enttäuschung. Denn bis zum Schluss hatten wir noch die Chance, was mitzunehmen. Für uns heißt es jetzt Wunden lecken, Niederlage analysieren, schon am Mittwoch geht es daheim gegen Wetzlar weiter.“

Hamburg: Bitter, Vortmann - Schmidt 1, Schröder, Nenadic 2, Mortensen, Grabarczyk, A. Damgaard 1,

Brozovic 4, Lindberg 12/2, Hens 3, Jaanimaa 1, Pfahl 3, Feld

Magdeburg: Quenstedt, Green - van Olphen, Bagersted 2, Grafenhorst 1, Czech, Haaß 4/2, M. Gebala, Weber 3/1, Saul, Sohmann, M. Damgaard 5, Zelenovic 4, Lemke 3

Schiedsrichter: Behrens/Fasthoff. Zuschauer: 9156. Siebenmeter: HSV 2/2; SCM 5/3. Zeitstrafen: 3/3