Doha/Magdeburg l Neulich haben David Wrobel und Martin Wierig Hoffnung gemacht. Als „Bilder der Hoffnung“, die zugunsten des Vereins der Mitteldeutschen Krebsforschung versteigert wurden. Der gezeichnete Wrobel hängt nun in einem Autohaus, der gezeichnete Wierig strahlt gemeinsam mit Lebensgefährtin Anna Rüh womöglich von einer Wohnzimmerwand. So genau weiß das der Diskushüne vom SC Magdeburg nicht.

Aber er hat mit seiner Anna viel gebracht für die Hoffnung: 499 Euro. Wrobel ging für 300 Euro über den Auk- tionstisch. „Wir haben uns gefreut, dass wir ein Teil der Aktion sein durften und sind vom Gesamtergebnis überwältigt“, sagt Wierig. Von 14.600 Euro nämlich. Wierig: „Das zeigt, dass man gemeinsam etwas bewegen kann.“

WM-Vorkampf am Sonnabend

Am Sonnabend müssen Wrobel und Wierig alleine etwas bewegen, wenn sie zum Vorkampf (15.15 und 16.45 Uhr MESZ/ZDF Livestream) der Leichtathletik-Weltmeisterschaften im klimatisierten Khalifa International Stadium von Doha (Katar) antreten. Gestern begann ihre Reise in die Hoffnung auf große Weiten, auf den Einzug ins Finale und auf viele Punkte für die Weltrangliste, über die sich beide für die Olympischen Spiele 2020 qualifizieren müssen.

Hitze in Doha ist Problem

Die erste Herausforderung, die es für Wierig und Wrobel seit ihrer Ankunft im Marriott Hotel in Doha zu bewältigen gilt, ist die Hitze. In Katar ist es morgens, mittags, abends, nachts einfach nur: heiß. „Wir kommen in eine andere Klimazone, die unser Körper nicht gewohnt ist“, erklärt Wrobel. „Uns wurde aber geraten, auch lange Sachen am Mann zu haben, da die Temperatur im Stadion auf 24 bis 26 Grad runtergekühlt wird und wir außerhalb mit 40 Grad eine enorme Schwankung haben.“ Und genau darin sieht Wierig die große Aufgabe: „Gerade nach dem Aufwärmen vor dem Wettkampf, das im nicht klimatisierten Bereich stattfindet, ist dieser Wechsel zu spüren. Da muss man aufpassen.“

Das sind also die Bedingungen. Zur Konkurrenz zählen indes die 70-Meter-Werfer Daniel Stahl (Schweden) und Fredrick Dacres (Jamaika), Weltmeister Andrius Gudzius (Litauen) oder der Pole Piotr Malachowski, der die Zwei-Kilo-Scheibe immer in den Medaillenbereich werfen kann.

WM-Finale am Montag

Aber über die Konkurrenz machen sich Wrobel und Wierig keine Gedanken. Ihr Fokus liegt auf einem Platz unter den besten Zwölf in der Qualifikation und damit auf dem Finale am Montag (20.15 Uhr MESZ/ZDF). Für dieses Ziel gibt es keine Taktik. „Ich sehe die Qualifikation als einen Hauptwettkampf“, sagt der 32-jährige Wierig. „Im Finale kann man frei aufwerfen.“ Wrobel betont: „Ich kann nicht taktieren, in dieser Situation befinde ich mich nicht. Ich muss gleich im ersten Wurf auf Risiko gehen, um eine gute Weite zu erzielen.“

Und warum nicht? „Das ist mein Jahr“, sagt Wrobel. Nicht nur, weil er sich als deutscher Vizemeister für den ersten internationalen Höhepunkt seiner Karriere qualifiziert hat. Auch, weil er am 7. September seiner Eileen in Schönebeck feierlich das Ja-Wort gegeben hat. Mehr Glück geht ja kaum. Und so fühlt er sich auch kurz vor dem ersten Wurf in Doha. „Ich möchte den Leuten zeigen, wie gut ich in diesem Jahr gearbeitet habe“, erklärt der 28-Jährige, der mit einer Jahresbestleistung von 65,86 Metern und als 18. der Welt antritt.

Fünfte WM für Wierig

Wierig hat seiner Anna noch nicht „Ja“ gesagt. Für ihn ist es schon die fünfte WM. Und Wierig war im Gegensatz zu Wrobel nicht ganz zufrieden mit der Vorbereitung in den vergangenen Tagen in Belek (Türkei). „Die Technik war nicht optimal. An ein paar Stellschrauben galt es noch zu drehen“, sagt der deutsche Meister, der mit 66,04 Metern die nationale Jahresrangliste anführt (16. in der Welt). „Aber die Vorfreude wächst täglich, das Kribbeln ist bei der fünften Teilnahme immer noch da.“

Vorfreude groß, Hoffnung groß, Kribbeln groß. Und welchen Wert hätte ein Bild mit den beiden Magdeburger Hünen im Finale? Unbezahlbar.