Leichtathletik

Buschendorf sprintet ihren Weg

Deutschen U-18-Rekord ist sie gelaufen, EM-Sechste ist sie geworden: Jetzt startet Hürdensprinterin Antonia Buschendorf in Buenos Aires.

Von Daniel Hübner 29.09.2018, 01:01

Magdeburg l Wenn man einmal mit Antonia Buschendorf telefoniert hat, versteht man auch ihren Trainer beim SC Magdeburg. Marco Kleinsteuber sagt nämlich über seine Hürdensprinterin: „Antonia ist sehr sympathisch, sehr nett, aber auch ehrgeizig und zielstrebig.“ Letztere Eigenschaften haben seinen Schützling zum deutschen U-18-Rekord in dieser Saison geführt, auch zum sechsten Platz bei der Europameisterschaft in Györ (Ungarn), wenngleich sie „wohl nie mit dem Ergebnis zufrieden sein wird“, erklärt sie.

Und sie ist ehrgeizig zu den Olympischen Jugendspielen nach Buenos Aires (Argentinien/6. bis 18. Oktober) gesprintet. An diesem Montagabend bricht sie mit SCM-Gefährtin und Ruderin Tabea Kuhnert und 73 weiteren deutschen Nachwuchs-Athleten zwischen 15 und 18 Jahren von Frankfurt am Main aus mit dem Flieger nach Südamerika auf.

Und Buschendorf ist aufgeregt, denn sie hat schon ungefähr eine Ahnung, was sie dort erwartet. Nicht nur zwei Läufe über 100 Meter Hürden, sondern auch ein olympisches Dorf mit zirka 3000 Sportlern aus der ganzen Welten und aus 32 Disziplinen. „Ich werde in den zwei Wochen alles aufsaugen und genießen“, verspricht sie. Es ist nämlich zugleich ihr Jahresurlaub. Denn nach der Rückkehr hat sie zwar drei Wochen trainingsfrei, allerdings auch Schule. Die 16-Jährige besucht die elfte Klasse des Sportgymnasiums.

Ihre wichtigste Trainingseinheit vor den Spielen am Rio de la Plata hatte sie indes am Donnerstagmorgen. „Wir haben die letzte Hürdeneinheit gemacht“, berichtet Buschendorf, die mit acht zur Leichtathletik beim SCM kam und seit zwei Jahren sich auf die Hürden konzentriert. Nach der EM im Juli hatte sie Beugerprobleme, weshalb sie auch nicht an den deutschen Meisterschaften in Rostock teilnehmen konnte, wo sie gerne „einen positiven Saisonabschluss gehabt hätte“, erklärt sie. Nun weiß sie womöglich gar nicht so genau, wo sie eigentlich steht im internationalen Niveau. In Buenos Aires wird sie es erfahren.

Und vielleicht passt sie sogar ganz gut in diese Rolle. Die Rolle, als Führende in der europäischen Rangliste mit ihrem Rekord von 13,30 Sekunden zur EM zu reisen, hat ihr nämlich nicht gelegen. „Ich habe mir selbst einen viel zu großen Druck aufgebaut, deshalb war die Technik super schlecht, deshalb hatte ich keine Leichtigkeit.“ Mit 13,51 Sekunden wurde sie also Sechste in Györ. Ihre Bestmarke hätte indes zu Bronze gereicht. Und die Bestmarke „wäre ich gerne noch einmal gelaufen“, erklärt Buschendorf.

Gelaufen ist sie diese in Schweinfurt, am 16. Juni. Erstmals seit 19 Jahren hatte eine U-18-Athletin den bisherigen Rekord gebrochen über die 0,762 Meter hohe Hürde. „Das war auch der perfekte Zeitpunkt, denn bis dahin lief alles wie geplant. Die Technik, der Sprintschritt: Alles hatte sich sehr gut entwickelt.“ Ihr Problem sind noch die ersten drei Hürden, die sie benötigt, um ihren Rhythmus zu finden. Aber dann, ab der vierten, sagt sie, „habe ich meine größte Stärke“.

Sie kann noch aggressiver werden. Sie muss besser mit Schwungbein und Schwungarm arbeiten. Sie will ihre Grundschnelligkeit steigern, über 100 Meter flach liegt ihre Bestmarke bei 12,02 Sekunden. Alles Aufgaben in näherer Zukunft. Sie hat dabei ein Vorbild: Pamela Dutkiewicz aus Wattenscheid, die im vergangenen Jahr WM-Bronze und in diesem EM-Silber gewann. „An ihrem Laufbild orientieren wir uns auch, sie ist schon eine elegante Hürdensprinterin“, erzählt Antonia Buschendorf.

Nach Buenos Aires aber lässt die 1,68 Meter große Buschendorf zunächst Laufbild und Hürde liegen. Nach der Schule wird sie die freie Zeit zum Entspannen, zum Regenerieren, zum Shoppen, für die Familie, für die Freunde nutzen. Die kommende Hallensaison lässt sie aus. Umso größer wird ihre Vorfreude auf die Freiluftwettbewerbe 2019 sein, wenn sie dann in der U 20 und über die 0,84 Meter hohe Frauenhürde startet. Über das große Ziel Olympia will sie gar nicht reden. Buschendorf betont: „Für mich ist es wichtig, dass ich mit dem Wechsel vom Junioren- in den Erwachsenenbereich gleich den Sprung in die Spitze schaffe.“ Das klingt in der Tat sehr ehrgeizig.

Aber Trainer Kleinsteuber ist überzeugt: „Antonia wird ihren Weg gehen.“ Und sprinten.