Schwimmen

SC Magdeburg: Kiran Winkler verblüfft mit Bestzeiten

Nach einer schwierigen Phase meldet sich Kiran Winkler vom SC Magdeburg mit Bestzeiten und zwei Einzelnormen für die Junioren-EM zurück.

Von Daniel Hübner
Kiran Winkler hat sich zwei Einzelstarts für Rom gesichert. Foto: Eroll Popova

Magdeburg. Zum aktuellen Artikel über Kiran Winkler könnte es mehrere Titel geben. Zum Beispiel: Kiran Winkler meldet sich mit fulminanter Bestzeit zurück. Oder: Kiran Winkler schwimmt in die europäische Spitze. Oder sogar: Kiran Winkler schwimmt aus der Krise. Der 17-Jährige vom SCM hat zwar nie daran gedacht, die Badehose an den berühmten Nagel zu hängen. Aber er war zwischenzeitlich in die Gefahr geraten, an den anvisierten Saisonzielen vorbei zu kraulen. Nun hat er diese erreicht: die Junioren-Europameisterschaft in Rom (Italien), bei der er im Juli sowohl über die 200 und 400 Meter Freistil als auch über die 4x200 Meter an den Start gehen wird.

Noch im März hat sein Trainer Stefan Döbler vor allem versucht, ihm einfach den Spaß am Sport zu vermitteln. Er hat ihn nicht unter Druck gesetzt, er hat ihn zu keiner Übung gezwungen. Er hat ihn mal komplett rausgenommen. Der Coach hat seinen Schützling laufen lassen – in der Hoffnung, dass es für diesen irgendwann wieder läuft. Winkler war alles zu viel geworden. Schule, Training: „Die Doppelbelastung war für mich einfach zu groß“, berichtete er. Die Tests im Unterricht, die Einheiten in der Elbehalle. Immer unter der Maßgabe, technische Details zu verändern, Defizite zu reduzieren, Stärken zu stärken. „Ich habe in der Zeit viel mit meinen Freunden gesprochen und mit Frau Stucke.“ Die Kumpel und die Sportpsychologin Christine Stucke haben mit dafür gesorgt, dass Winkler wieder zur Motivation gefunden hat.

Beim Gothaer & Friends-Pokal am vorvergangenen Wochenende hat er dann verblüfft. Seinen Trainer und sich selbst. Erst über die 400 Meter. Mit 3:53,09 Minuten verbesserte er seine Bestzeit um fünf Sekunden, sicherte sich zudem das erste Ticket nach Italien und kraulte zugleich auf Rang drei der europäischen Rangliste im JEM-Jahrgang 2003/04. „Das ist ein krasser Sprung“, sagte Winkler erstaunt. Er war so krass, dass er danach jeden einzelnen Muskel spürte. „Ich konnte nach dem Rennen kaum laufen, alles hat ein bisschen wehgetan“, berichtete er.

Dritter in Europa über 400 Meter

So sehr, dass sein Start über 200 Meter am folgenden Tag sogar gefährdet war. „Aber ich bin dann morgens im Vorlauf locker geschwommen und am Nachmittag im Finale gestartet. Es waren die schlimmsten 200 Meter meines Lebens“, sagte er – ohne den Anflug eines Lächelns. Es waren zugleich die schnellsten 200 Meter in seiner jungen Laufbahn: Mit der Bestzeit von 1:50,35 Minuten sicherte er sich sein zweites Ticket für Rom. Im JEM-Jahrgang ist er damit der zweitbeste deutsche Schwimmer hinter dem Leipziger Timo Sorgius (1:49,00), der auch die europäische Rangliste anführt. Winkler belegt den achten Rang.

In seinem speziellen Jahrgang 2004 ist er indes der Beste in Deutschland – und quasi konkurrenzlos. Nur eine Sekunde fehlt ihm über die kürzere Distanz zum Altersklassenrekord (17 Jahre), den Johannes Hinze am 8. Mai 2016 (1:49,35) aufgestellt hat. Über 400 Meter sind es noch 1,29 Sekunden zur nationalen Bestmarke, die Sven Lodziewski (damals SC Dynamo Berlin) seit dem 5. August 1982 hält.

Bestzeiten in Rom sind das Ziel

Döbler nennt die Leistungen seines Schützlings „absolut erstaunlich“. Weil dieser eben eine Zeit lang nicht gut trainiert hat, „hatten wir eigentlich nur auf einen Staffelstart gehofft, jetzt hat er zwei Einzelnormen“. Für diese Leistung sprechen allerdings auch die guten Grundlagen Winklers und die intensive Arbeit an der Technik, die Döbler mit der Unterwasserkamera festhält, die beide nach den Einheiten analysieren. Dabei ging es um die Atmung, um das richtige Timing, die Schulter zur Atmungsseite zu heben. Und es ging um die Absprunghaltung auf dem Startblock. Alles Dinge, mit denen er Zeit gewinnen kann bei besserer Ausführung.

Rom kann also kommen für Kiran Winkler. Und trotz seiner Positionen in der europäischen Rangliste macht er sich derzeit keine Gedanken über Ziele. „Ich gehe jetzt aber mit einem guten Gefühl in die JEM“, sagte Winkler. „Ich will einfach wieder eine Bestzeit schwimmen und die Wettkämpfe genießen.“ Ein passender Titel für seine Leistung wird sich auch danach finden.