Rudern

SC Magdeburg: Paul Berghoff bastelt an der Frequenz

Paul Berghoff vom SC Magdeburg nimmt seine vierte Medaille bei internationalen Titelkämpfen der Junioren ins Visier.

Von Daniel Hübner 23.04.2021, 13:11
Paul Berghoff arbeitet an höheren Schlagfreuquenz.
Paul Berghoff arbeitet an höheren Schlagfreuquenz. Foto: Detlev Seyb

Magdeburg. Paul Berghoff und Moritz Morstein teilen sich eine Bleibe im Internat des Magdeburger Sportgymnasiums. Sie werden sich ab und an auch über ihre Passion unterhalten. Der eine, Berghoff, ist Ruderer. Der andere, Morstein, ist Speerwerfer. Beide treten für den SCM an. Vielleicht wurde zuletzt auch der Umfang des Bizeps in die Diskussionsrunde eingebracht. Denn da konnte Berghoff in der Vorbereitung einiges aufholen. Er sagt: „In der Maximalkraft habe ich mich deutlich verbessert.“ Und weist auf seinen neuen Bestwert im Bankdrücken hin: 102 Kilogramm. Bis zu Morstein fehlen ihm damit noch 15,5 Kilo. „Aber das ist fürs Rudern ja nicht essenziell“, erklärt Berghoff.

Beide können ihren Aufwand für die schnellste Zeit oder die größte Weite nämlich nicht allein über die Kraft bestreiten, beide müssen sich dabei nicht zuletzt auf die Technik fokussieren – und der Wassersportler vor allem auf einen sehr langen Atem. Die Technik des Paul Berghoff kann nach wie vor verbessert werden, aber seinen unbändigen Kampfgeist lässt er permanent auf dem Wasser raus und hat damit Erfolg. Bei der ersten Trainingsmaßnahme der U 23 des Deutschen Ruderverbandes (DRV) am vergangenen Wochenende in Hamburg hat ihn das bereits in den Bereich der Nationalmannschaft geführt. Er ist Dritter in seiner Altersklasse geworden. „Ich bin zufrieden mit meiner Leistung, auch wenn ich weiß, dass natürlich noch mehr geht“, betonte der Stendaler Berghoff.

Nun war es seit einer gefühlten Ewigkeit der erste Wettbewerb, den auch die U 23 bestreiten durfte. „Die Aufregung war natürlich da“, sagte Berghoff. Der DRV hat es geschmeidig angehen lassen. Zunächst durften alle in einem Zeitrennen individuell ihren entsprechenden Platz im Vorlauf sichern. Ein Runde nach diesem, im Zwischenlauf, „habe ich dann erstmals gemerkt, dass es um etwas geht“, berichtete Berghoff. „Und im Finale sowieso.“

Die Aufregung war natürlich da.

Paul Berghoff

Spätestens dort hat er auch gesehen, was noch nicht geht. „Ich habe auf den letzten 500?Metern versucht, noch einmal anzuschieben, aber das ging einfach nicht mehr“, sagte der Schützling von Trainer Roland Oesemann, der in den nächsten Wochen sein schriftliches Abitur schreiben wird. „Meine Schlagfrequenz war zu niedrig.“ Ergebnis dieses derzeitigen Mankos: Der Hannoveraner Aaron Erfanian zog auf den letzten Metern an Berghoff vorbei. Bester U-23-Fahrer in dem Endlauf, in dem auch Athleten aus der A-Mannschaft am Start waren, wurde Jonas Gelsen (Höchst).

Paul BerghoffEine gute Platzierung in solchen Maßnahmen bedeutet auch eine große Chance, die Jahreshöhepunkte in diesem Altersbereich in Angriff zu nehmen. Für Berghoff muss es dann ganz sicher nicht der Einer sein. Seine bisher größten Erfolge im Juniorenbereich feierte der 19-Jährige immer im Großboot. Ob mit Gold und Bronze bei der Junioren-Weltmeisterschaft oder mit Bronze bei der U-23-Europameisterschaft im vergangenen Jahr: Berghoff saß jeweils im Doppelvierer. Nachdem sich zuletzt Paul Krüger für einen Wechsel innerhalb des SCM zu Trainer Paul Zander entschieden hatte, hat Berghoff mit Paul Pietsch im Doppelzweier weiter für die Schlagharmonie trainiert. Der nächste Lehrgang des DRV für diese Bootsklasse soll am übernächsten Wochenende stattfinden.

Die gute Nachricht, und die ist in diesen Tagen aufgrund der Corona-Pandemie nicht selbstverständlich: Die Welt-Titelkämpfe in Racice (Tschechien/7. bis 11. Juli) sind bislang weder verschoben noch abgesagt worden – im Gegensatz zu einigen anderen Regatten in Deutschland. Paul Berghoff hat also noch Zeit, an seinem wohl noch größten Defizit zu arbeiten: „Mein Endspurtverhalten muss noch besser werden.“ Und die Frequenz dafür höher.