Aller guten Dinge sind drei: Der Güsener HC scheint im dritten Jahr seit Aufstieg in die Sachsen-Anhalt-Liga endgültig in der höchsten Spielklasse des Landes angekommen zu sein. Kämpften die Handballer in der vergangenen Saison stets gegen den Abstieg, haben sie sich nach der Hinrunde der Spielzeit 2010/11 bereits ein beachtliches Polster nach unten geschaffen (10., 11:13-Punkte). "Unser Rezept ist die mannschaftliche Geschlossenheit", sagte Trainer Eric Stein-brecher, der nicht unwesentlichen Anteil am neuerlichen Erfolg des GHC hat.

Güsen. Es war ein Bild der Eintracht, das die Güsener Handballer kürzlich bei ihrer Weihnachtsfeier abgaben. Die Spieler aller Männermannschaften des GHC saßen an einem Tisch und ließen die vergangenen Monate Revue passieren. "Das Klima im Verein stimmt", hatte auch Eric Steinbrecher beobachtet.

Dies spiegelte sich nicht zuletzt auf dem Parkett wider. Da halfen Akteure aus der zweiten Mannschaft zeitweilig in der "Ersten" aus, und auch in der vierten Mannschaft in der Kreisliga tauchte hier und da mal ein Spieler aus dem Nordliga-Kader auf. "Die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Teams hat sich verbessert", lobte Steinbrecher, der trotz seiner Verpflichtungen als Oberliga-Coach selbst mehrfach das Triktot in der "Zweiten" überstreifte.

Der Zusammenhalt in der Güsener "Handball-Familie" war nur ein Grund, warum die erste Mannschaft einen glänzenden Start in die neu gründete Sachsen-Anhalt-Liga hinlegte. Das Team errang in zwölf Partien elf Punkte und belegt den zehnten Platz. Zum Vergleich: In der Hinrunde der Spielzeit 2009/10 kam der GHC nach einem katastrophalen Start nur auf sechs Zähler.

"Ich bin zufrieden. Zehn Punkte nach der Hinrunde waren das Ziel. Das haben wir erreicht", sagte Steinbrecher, der im Sommer Peter Arndt als Trainer "beerbt" hatte.

Dass der "Neue", der zwei Jahre zuvor den GHC in die Oberliga geführt hatte, nun Vieles anders oder sogar besser als sein Vorgänger macht, wollte Steinbrecher so nicht bestätigen: "Jeder hat seinen eigenen Stil. Ich versuche, Ruhe auszustrahlen und diese auf die Mannschaft zu übertragen." Diese Ruhe ist im "Tollhaus" Elbe-Havel-Sporthalle, in der die Emotionen oftmals hochkochen, auch vonnöten. "Natürlich fällt im Spiel auch mal ein böses Wort. Aber danach ist alles vergessen. Die Spieler sind schon ruhiger geworden", sagte der Coach.

Überhaupt sei die mannschaftliche Geschlossenheit im Team groß. Ob gestandene Spieler wie Kevin Haßbargen oder Nachwuchstalente wie Florian Hennig, "sie begegnen sich auf Augenhöhe, es herrschen flache Hierarchien". Insofern war es nicht verwunderlich, dass sich die "jungen Wilden" wie René Teßmann und Chris Hoffmann auf Anhieb integrierten. "René kam ja aus der Nordliga. Er hat sofort den Sprung in die Oberliga geschafft", lobte Steinbrecher seinen Außen. Und auch Rückraum- und Kreisspieler Chris Hoffmann sei in seinem ersten richtigen Oberligajahr gut in Tritt gekommen. "Man muss ihnen vertrauen und Fehler verzeihen", sagte der Trainer.

Den Druck von den Schultern nehmen und den Spaß am Handball vermitteln – das ist ein weiteres Erfolgsgeheimnis der Güsener Handballer. Dadurch fiel es auch den Spielern aus der zweiten Mannschaft nicht schwer, ihre Leistung auf Oberliga-Niveau abzurufen. Ob Eric Klewe, Tom Lehnau oder Daniel Garbrecht, sie waren zur Stelle, als sie gebraucht wurden. Die Folge: Der GHC war schwer ausrechenbar: "Hatte der Rückraum einen schwachen Tag, sprangen die Außen ein und umgekehrt", sagte Steinbrecher, der aus der Not eine Tugend machte.

Denn ganz ohne Verletzungspech kam auch der GHC nicht durch die Hinrunde. Schwer wog der Ausfall von Christian Haßbargen (Handbruch) und auch Fabian Steindorf kehrte verletzungsbedingt spät zurück. Hinzu kam, dass Carsten Beyer mitunter ausfiel. "Uns fehlte eine lange Bank, wir konnten das Niveau nicht über 60 Minuten halten", so Steinbrecher.

Dadurch verlor der GHC Spiele wie gegen Frankleben (29:34) oder Spergau (29:33). Und auch gegen die etablierten Teams der Liga wie Tabellenführer Landsberg (23:26), TSG Calbe (33:37) und Lok Schönebeck (31:38) wäre mehr drin gewesen. "Da müssen wir hinkommen, dass wir auch gegen diese routinierten Mannschaften mal punkten", forderte der Trainer. Dass die Güsener in der Lage sind, mit den Besten mitzuhalten, bewiesen sie gegen den BSV 93 Magdeburg (30:30), Wittenberg/Piesteritz (35:29) und den SV Langenweddingen (24:23).

Auffällig dabei waren die hohen Ergebnisse wie zuletzt gegen Jessen, als erstmals die 40-Tore-Marke geknackt wurde (40:34). So stellt der GHC mit 354 Treffern den derzeit viertbesten Angriff der Liga. Dem steht die drittschwächste Abwehr gegenüber (366). "Das hängt wohl mit unserem risikofreudigen, schnellen Spiel zusammen. Wir agieren viel über die erste und zweite Welle", sagte Steinbrecher, der noch mehr das spielerische Miteinander einforderte.

Entsprechend optimistisch fällt auch seine Zielstellung für die zweite Saisonhälfte aus. "Wir wollen einen einstelligen Tabellenplatz belegen", sagt der Coach, der zum Rückrundenstart am 15. Januar (daheim gegen die TSG Calbe) auf alle 14 Spieler zurückgreifen kann. Nur ein weiteres Indiz, dass der Abstiegskampf in Güsen der Vergangenheit angehören könnte.

Tabelle Sachsen-Anhalt-Liga Männer

@LeoSpo_HB-TT_Tab_Std:1.Landsberger HV12348:30118:6

2.GW Wittenberg-P.12360:34216:8

3.BSV 93 Magd.12367:32815:9

4.SG Spergau12367:33615:9

5.Lok Schönebeck11317:30014:8

6.TSG Calbe11330:31713:9

7.SV Langenwedd.11277:27012:10

8.HV Wernigerode11308:33211:11

9.HSV Haldensleben12328:31011:13

10.Güsener HC12354:36611:13

11.Jessener SV11311:3506:16

12.SG Seehausen10227:2804:16

13.Fr. Frankleben11313:3752:20

Beste Güsener Torschützen Einsätze/Tore/Siebenmeter

Kevin Haßbargen127114

Chris Hoffmann12573 René Teßmann12544 Carsten Beyer9430 Robert Klewe11410 Florian Hennig9270 Fabian Steindorf7200