Seit 2005 kickt Faouzi Bahri in der Fußball-Kreisoberliga für den SV Eiche Redekin. Der gebürtige Tunesier hat seinen Platz im Team gefunden, Auf- und Abstiege miterlebt. Auch wenn ihm der Umzug nach Deutschland nicht leicht fiel, wohnt er mit Ehefrau Daniela und den beiden Kindern Jasmin und Bilel in Genthin. Er fühlt sich wohl in der Region. Im Porträt der Woche spricht er über den Weg aus Tunesien ins Jerichower Land, seinen Heimatverein und seine Leidenschaft fürs Tanzen.

Genthin. Die Geschichte von Faouzi Bahri und wie er nach Deutschland kam, böte sicherlich Stoff für eine Verfilmung nach bewährtem Hollywood-Muster. Gebürtig stammt er aus Gabès, einer direkt am Mittelmeer gelegenen Provinzhauptstadt in Tunesien. "Ich habe dort in einem Hotel als Animateur gearbeitet und meine spätere Frau Daniela kennengelernt, die aus Redekin kam", so Bahri. "Zunächst wollte ich nicht aus Tunesien weg, weil ich dort auch ganz gut gelebt habe. Aber weil Daniela auch in Genthin Arbeit hatte, bin ich irgendwann nachgekommen. Jetzt lebe ich hier, habe eine Familie und zwei Kinder", blickt der 34-Jährige zurück.

Im Jahr 2004 kam Bahri nach Deutschland. In Genthin arbeitet er als Masseur sowie als selbstständiger Tanzlehrer und hat sein Hobby zum Beruf gemacht. In der Brandenburger Straße unterrichtet er Salsa, Breakdance und Bauchtanz. "Meine Leidenschaft. Ich tanze selbst seit vier Jahren und bin auch bei einigen Turnieren auf den vorderen Plätzen gelandet".

Animateur, Masseur, Tanzlehrer – das alles scheint nicht zu Bahris zweitem Hobby, den Fußball, zu passen. Am runden Leder hat sich der Tunesier im Jerichower Land längst einen Namen gemacht. Auf der Stürmerposition geht er beim SV Eiche Redekin in der Kreis- oberliga auf Torejagd. "Eine tolle Mannschaft", wie er sagt. Allerdings mangele es dem Verein an Nachwuchstalenten, daher sind die Möglichkeiten, nach Höherem zu streben, begrenzt.

Ins Team kam er über seinen Schwager, Maik Seiffert. "Ich habe in Tunesien bereits Fußball gespielt, bin alle Jugendmannschaften durchlaufen. Vom Niveau her war das mit dem 1. FC Magdeburg vergleichbar, etwa dritte bis vierte Liga", erinnert sich Bahri. Die Frage, ob er daher nicht höhere Ambitionen als einen Mittelfeldplatz in der Kreisoberliga hegt, verneint der Mittelstürmer. Zwar hätte er sich unlängst auch den Borussen aus Genthin anschließen können, doch schätzt er den "Teamspirit" der Redekiner. "Ich hätte auch wechseln können, aber das geht nicht. Ich fühle mich als Redekiner, spiele dort seit fünf Jahren und will mit der Mannschaft guten Fußball zeigen. Auch mit unseren Trainern Heiko Lach und Michael Pieper verstehe ich mich sehr gut", wischt Bahri jeden Zweifel beiseite.

Die Unterschiede zwischen dem deutschen und tunesischen Fußball sieht Bahri weniger im Bezug auf die Spielweise, sondern vor allem in den Strukturen. "Es gibt dort kaum kleine Vereine, daher auch nicht so viele unterschiedliche Ligen. Es ist nicht so wie hier, wo auf jedem Dorf Fußball gespielt wird. Und selbst in einer Stadt wie Gabès existieren nur zwei Vereine."

Obwohl er nun schon seit fünf Jahren für Redekin aufläuft, bleibt Bahri aufgrund seiner dunklen Hautfarbe ein Exot. Vor allem in den Auswärtsspielen bekommt er das zu spüren. "Erst ist alles normal. Aber dann führen wir 2:1 oder 3:1 und dann geht es los. Dann kommen von außen Sprüche wie ,Der Schwarze trifft doch das Tor eh nicht‘, oder der Gegenspieler lässt mal eine Bemerkung fallen", meint Bahri mit Blick auf Anfeindungen, denen er zuweilen ausgesetzt ist.

Zuletzt fand das Gastspiel von Eiche Redekin in Gladau unter Polizeischutz statt. Einige sogenannte "Fans", die nicht der Heimmannschaft zuzuordnen waren, hatten ihr Kommen angesagt. Dass die Region und speziell der Fußball ein Rassismus-Problem haben könnten, will Bahri so nicht stehen lassen. "Man sollte nicht übertreiben. Natürlich fällt es manchmal schwer, darauf nicht zu reagieren und sich zu beherrschen. Das belastet einen schon. Aber es sollte nicht die Hauptrolle spielen, und so häufig kommt es auch nicht vor", relativiert er. Faouzi Bahri hat sich ohnehin angewöhnt, die Antwort auf dem Platz zu geben. Er lässt lieber Tore sprechen. "Denn letztlich", merkt er an, "ist es doch nur Fußball. Das sollten wir alle nicht vergessen."