Burg l Wir sind einfach mal der Aufforderung von Marko Fiedler gefolgt und haben am späten Samstagnachmittag den Blick auf die Sitzfläche vor der Sporthalle am Burger Parkstadion gerichtet. Was wir dort sahen, war ein gutes Dutzend junger Männer, die wir aber vor allem in ihrer ganzen Ausgelassenheit bis kindlichen Freude hörten. Knapp eineinhalb Stunden zuvor war an gleicher Stelle eigentlich nur der Trainer des Haldensleber SC selbst trotz geschlossener Kabinentür gut zu verstehen: „Jemand musste die Jungs nach der ersten Halbzeit wecken. Daher wurde es etwas lauter. Und nun, ach, guckt sie euch an.“ Am Ende der Zweitrundenpartie im Landespokal machte der Verbandsligist wirklich einen sehr, sehr aufgeweckten Eindruck und feierte einen kaum mehr für möglich gehalten 5:4-Erfolg nach Verlängerung.

Schwenk nach links: Auf den Stadionstufen zwischen Sprecherturm und Sanitärtrakt hingen die Köpfe aus den weißen Trikots heraus weit nach unten. Mittendrin Trainer Michael Hucke, der sich nicht leicht damit tat, das Gesehene einzuordnen: „Das ist sehr schwierig, weil unfassbar bitter. Wir müssen das einfach nach Hause bringen und uns für die Arbeit, die wir aufgebracht haben, belohnen.“ Die Enttäuschung war mehr als nachvollziehbar, schließlich hatte seine Mannschaft zweimal im Spiel mit drei Treffern geführt und stand mit eineinhalb Beinen in der nächsten Runde. Dazu spielte der BBC 08 ab der 78. Minute in Überzahl. Doch ein verschossener Foulelfmeter und ausgerechnet ein Platzverweis gegen die Gäste erwiesen sich als Burger Genickbruch in einem irrwitzigem Spiel.

Dieses hatten in der ersten Hälfte zwar die Gäste spielerisch dominiert, doch der BBC 08 erzielte die Treffer. Erst schoss Erik Teege nach Vorarbeit von Franz Zimmer und Marcel Probst ein (22.), dann lief Pascal Thiede frei aufs HSC-Tor zu, behielt die Nerven und schloss unter Bedrängnis zum 2:0 ab (40.). Und kaum war der Ball wieder im Spiel, setzte Alexander Siemke erneut Teege ein, der in jeder anderen Partie wohl mit dem 3:0 die Vorentscheidung erzielt hätte. „Was wir uns da in der ersten Hälfte zurecht verteidigen, war einfach miserabel“, kritisierte Fiedler. Die Gegenseite war natürlich hocherfreut über die fast unheimliche Effizienz. „Es war natürlich unser Plan, Sicherheit auszustrahlen und unsere Stärken im Umkehrspiel zum Tragen zu bringen. Dass dabei vier Treffer herausspringen, war umso schöner.“ Für besagten vierten Treffer sorgte Carsten Madaus vom Elfmeterpunkt (68.), nachdem Siemke HSC-Innenverteidiger Kevin Zimmermann aus kurzer Distanz an die Hand geschossen hatte. Zwischenzeitlich hatte René Hasse nach Vorlage vom agilen Benjamin Sacher auf 1:3 verkürzt (53.).

In Überzahl Spiel aus der Hand gegeben

Nachdem Madaus nach Foul an Thiede ein weiteres Mal zum Elfmeterpunkt schritt, visierte der Burger Kapitän erneut die rechte untere Ecke an. HSC-Keeper Florian Switala tauchte ab, entschärfte den Versuch und das Burger Unheil nahm seinen Lauf. Weiter ging es auf der Gegenseite mit einem schmeichelhaften Strafstoß, den der eine Minute zuvor eingewechselte Lucas Krüger zum 2:4 verwandelte (70.). Der „Joker“ sorgte mit einem frechen Freistoß (81.) und nach klasse Einzelleistung (85.) anschließend für den vorläufigen Höhepunkt in Form des 4:4-Ausgleichs. Die Haldensleber ließen sich in dieser Phase auch von einer schweren Verletzung von Hasse, der mit Verdacht auf Kreuzbandriss ins Krankenhaus abtransportiert wurde, nicht stoppen. Im Gegenteil: „Die Mannschaft hat für ihn ein paar Prozentpunkte drauf gepackt“, nahm der Gästetrainer das Ende vorweg. In der Verlängerung war Sacher der Nutznießer einer Burger Unstimmigkeit, erzielte das 5:4 (111.) und schoss seine Farben endgültig in die Ekstase.

Nachdem auf der Gegenseite eine letzte Chance von Oliver Gase über das Tor segelte (119.), war die diesjährige Pokalsaison des BBC 08 beendet. „Jetzt stehen wir erst einmal vor einem Scherbenhaufen“, bekannte Hucke, fand aber auch ein Stückweit zur Zuversicht zurück: „Wir sollten versuchen, diese Leistung auch im Landesligabetrieb zu etablieren. Dann brauchen wir uns nicht verstecken.“ Auch nicht vor dem SV 09 Staßfurt, der am Sonnabend, 17. Oktober, im Parkstadion gastiert. Und der ganz sicher nicht vor der Sporthalle seine Partyzone ausrufen soll.
Burg: Krüger – Gase, Ch. Madaus, Wehrmann, Ca. Madaus, Westhause, Zimmer, Siemke (67. Lichtenberg), Probst (97. Schäfer), Teege (80. Schlüter), Thiede (93. Lattki)
Haldensleben: Switala – Zimmermann, Schunaew (58. Hauer), Duda, Mäde, Kaschlaw, Thieke, Krause (70. Krüger), Sacher, Stadler, Hasse (85. Reuter)
Tore: 1:0 Erik Teege (22.), 2:0 Pascal Thiede (40.), 3:0 Erik Teege (41.), 3:1 René Hasse (53.), 4:1 Carsten Madaus (68., HE), 4:2, 4:3, 4:4 Lucas Krüger (70., FE, 81., 85.), 4:5 Benjamin Sacher (111.); SR: Hannes Westphal (Grieben), Thomas Westphal, Matthias Henke; ZS: 148; Gelb-Rot: Patrick Hauer (78., wdh. Foulspiel) -Haldensleben