Genthin l Fast auf den Tag genau zehn Jahre ist es her, dass Luisa Schrom mit der damaligen weiblichen C-Jugend des SV Chemie Genthin in die in die Sachsen-Anhalt-Liga aufgestiegen ist. Heute führt sie das Frauenteam des Vereins als Kapitänin an und blickt noch immer gern auf die erfolgreichen Zeiten im Nachwuchsbereich zurück.

Die weibliche C-Jugend des SVC erreichte im April 2010 den zweiten Platz in der Nordliga und stieg unter Trainer Werner Schröder in die höchste Spielklasse Sachsen-Anhalts auf. Die junge Mannschaft bestand aus vielen guten Spielerinnen, allen voran Spielführerin Sophia Plötz und Kreisläuferin Friederike Ewert. Beide spielen noch heute erfolgreich in der 3. Liga bei Henstedt-Ulzburg und beim Oberligisten BFC Preussen.

Auf und neben dem Feld eine Einheit

Auch abseits des Spielfeldes waren die Spielerinnen gemeinsam unterwegs. Schrom erinnert sich gern an einen Sponsoringtermin bei der Eröffnung eines Autohauses zurück, als sie und das Team bei der Veranstaltung stolz die neuen Trikots und Sporttaschen entgegennahmen. „Zwischendurch waren die Grillwürste ausgegangen und so sind wir ohne Abmeldung gemeinsam los, um Nachschub zu besorgen. Werner Schröder, unser Trainer, hatte es auch nicht immer einfach mit uns. Ich denke, wir waren eine recht anstrengende Truppe“, räumt Schrom ein.

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„Damals hatte ich auf dem Feld noch oft Sorgen, etwas falsch zu machen. Eigentlich habe ich deswegen viel auf der Bank gesessen. Mit der Frauenmannschaft bei Chemie Genthin ist das nun anders.“ Heute ist die Linksaußen-Spielerin 23 Jahre alt, wohnt in Genthin und arbeitet im Schichtdienst in einer betreuten Wohngruppe in Burg. Nachdem sie in der vierten Klasse erfahren hatte, dass es in ihrer Heimatstadt eine Nachwuchs-Handballmannschaft gab, wollte sie es ihrem Opa Horst Hofmann gleichtun, der seinerzeit bei der SG Stahl Brandenburg in der Oberliga spielte. Und so wurde aus einem ersten Probetraining beim heute größten Verein im Jerichower Land, dem SV Chemie, ein regelmäßiges Training. Schon bald folgte der Einstieg in den Spielbetrieb.

Familienbande

Auch ihre Schwester Marleen trat nur wenig später der Mannschaft bei. Der Aufstieg ins Oberhaus bedeutete für Schrom den bisher größten Erfolg und sie blieb dem Handball über lange Jahre hinweg treu. Erst nach dem Schulabschluss löste sich die herangewachsene A-Jugend Mannschaft gezwungenermaßen auf, da die Spielerinnen zur Ausbildung oder zur weiterführenden Schule gingen.

Im vergangenen Jahr, mehr aus einem Zufall heraus und dank der fortschrittlichen Kommunikationsmöglichkeiten, fand sich die ehemalige Mannschaft wieder. Die eine hatte noch Kontakt zur anderen und so weiter, bis alle mit einem Mausklick wieder vereint waren.

Team findet wieder zueinander

Als dann der SV Chemie eine Frauenmannschaft unter dem Trainerduo Gören Karbe und André Wieneke ins Leben rief, entschlossen sich die ehemaligen Mitspielerinnen zur Teilnahme an einem Freundschaftsspiel und fuhren sogar einen deutlichen Sieg gegen die jüngeren Vereinskolleginnen mit. „Das Spielen hat so viel Spaß gemacht und am Ende hat es keine Woche gedauert, bis ich mit der neuen Mannschaft trainiert habe“, erinnert sich Schrom zurück und räumt noch ein, dass ohne den Beitritt von Torhüterin Michelle Lamberts, Lisa und Susann Kühne und ihr selbst die Mannschaft nicht zustande gekommen wäre. Für den Wettkampfbetrieb wären es nicht genug Spielerinnen gewesen. Daher sei es heute gleich doppelt gut, „dass ich wieder an der Seite meiner ehemaligen Teamkolleginnen spiele“.

Da ohne aktiven Spielbetrieb der immense Zeit- und Trainingsaufwand unentschädigt geblieben wäre, entschloss das neue geformte Team gemeinsam, in den Spielbetrieb der 2. Nordliga zu starten. Heute blickt die Kapitänin voller Stolz auf die vergangenen Monate zurück: „Eigentlich hatten wir uns nur vorgenommen, Spaß zu haben und ordentlich zu spielen. Es ist Wahnsinn, dass wir es schon in der ersten Saison als neu gegründete Mannschaft auf Tabellenplatz fünf geschafft haben.“

Ausgleich zum Berufsalltag

Luisa Schrom betrachtet den Handball als Ausgleich zu ihrem stressigen Arbeitsleben und die Mannschaft, der auch wieder ihre Schwester Marleen beigetreten ist, als zweite Familie. „Wir haben ein ausgezeichnetes Verhältnis zueinander, eine gute Bindung zu den Trainern und ich freue mich immer auf das Training, das zweimal in der Woche stattfindet.“

Wenn sie an die kommende Spielzeit denkt, hat sie nur ein Ziel vor Augen: besser werden. Der Erfolg und ein eventueller Aufstieg in die 1. Nordliga wären nur ein zusätzliches Bonbon. „Ich wünsche mir, dass wir als Mannschaft weiter gemeinsam wachsen, den Erfolg nehmen wir aber nebenher gerne mit“, schmunzelt die junge Frau.

Fällt der Blick auf die aktuell anhaltende Generalabsage des Spielbetriebs aufgrund des Coronavirus‘, zeigt Schrom zwar einerseits Verständnis, aber auf der anderen Seite schwingt Wehmut in den Worten mit. „Die Welt ist klein und die Sinnhaftigkeit der Absagen verstehe ich. Wir hätten uns trotzdem auf die letzten Spiele gefreut und gerne gewusst, was für uns noch drin gewesen wäre.“

So müssen die „Chemikerinnen“ um ihre Mannschaftskapitänin offenbar noch bis zur nächsten Saison warten, um an die bisherigen Erfolge anknüpfen zu können. Und vielleicht wird mit Fleiß und intensivem Training unverhofft und doch verdient der Sprung an die Tabellenspitze möglich sein. So wie damals vor zehn Jahren.