Burg l Als Ruderer hat man es im Winter nicht einfach. Das Training auf dem Wasser ist in der kalten Jahreszeit nicht oder nur bedingt möglich. Wenn man dann wie Bernd Parschau mit 65 Jahren im reiferen Sportleralter befindet, muss man mit Rücksicht auf die eigene Gesundheit manchen Kompromiss eingehen. Um trotzdem trainieren und Wettkämpfe bestreiten zu können, hat sich der Ruder- Ergometer inzwischen als Sportgerät der Wahl etabliert. Durch die Corona-Pandemie wurde es den Wasser- und auch anderen Sportlern schließlich noch schwerer gemacht. Aus diesem Grund hielt der Kalender für Parschau nur einen einzigen Freiluft-Wettkampf in Leipzig bereit: die Mitteldeutschen Meisterschaften, die er ohne maßgebliche Konkurrenz gewinnen konnte.

Um zum Jahresabschluss noch einmal sein Leistungsvermögen zu testen, stellte er sich am vergangenen Wochenende bei der Europa-Qualifikation zur Ergometer-WM 2021 (WRICH) einer internationalen Konkurrenz. Dieser Wettkampf wurde coronabedingt virtuell über das Internet und innerhalb der britischen Meisterschaft (British Rowing Indoor Championships) durchgeführt.

Für den Wettkampf über die virtuellen 2000 Meter der Altersgruppe 65 bis 69 Jahre hatten sich 16 Sportler aus ganz Europa in die Meldelisten eingetragen. Parschau konnte nach großem Kampf einen ausgezeichneten fünften Platz in einer Zeit von 7:08,1 Minuten beanspruchen. Damit verbesserte der Burger seine bisherige Bestleistung um zehn Sekunden.

Bis Februar gilt: trainieren und hoffen

Ganz ohne Tücken verlief der Tag jedoch nicht. Aufgrund des schwachen DSL-Signals musste Parschau den Wettkampf vom Keller in das Kinderzimmer verlegen. Dort konnte er wenigstens über den mobilen Hotspot des Handys eine ausreichende LTE-Verbindung zum Server des britischen Ruderverbandes aufbauen. Und die Improvisation sollte sich auszahlen.

Elf Sekunden hinter dem Sieger des Rennens, George Perrin aus Großbritanien, erreichte Parschau schließlich das Ziel. Mit dieser Leistung steht er aktuell an sechster Stelle der WM-Qualifikation. Ob dies zur endgültigen Teilnahme berechtigt, wird sich erst Anfang Februar 2021, nach den Qualifikationsrennen der Amerikaner und Asiaten herausstellen. Neben Europa und Afrika haben inzwischen die Ruderer aus Ozeanien ihre Qualifikation hinter sich gebracht. Bis zum Finale der World Indoor Championships Ende Februar muss Parschau also weiter hart trainieren und auf seine theoretische Chance hoffen.