Haldensleben l „Plötzlich kamen Glückwünsche aus anderen Vereinen und ich wusste gar nicht warum.“ Für Enrico Sonntag und seinen HSV Haldensleben haben sich am Dienstagabend die sportlichen Träume erfüllt: Der Aufstieg in die Sachsen-Anhalt-Liga steht nach einem Beschluss des HVSA fest. Großer Jubel kam trotzdem nicht auf.

Das Hoffen und Bangen um eine Saisonfortsetzung in Corona-Zeiten hat für die Handballer ein Ende. In einer Sondersitzung am Dienstagabend entschied das Präsidium des Handballverbandes Sachsen-Anhalt, die Spielzeit 2019/20 zu beenden und nach norwegischem Modell (Punkteschnitt entscheidet) zu werten.

Zu den Gewinnern der Situation – wenn man denn in der aktuellen Lage überhaupt von Gewinnern sprechen kann – zählt ganz klar der HSV Haldensleben, der die Verbandsliga-Tabelle mit einem knappen Vorsprung von einem Pluspunkt bei gleicher Anzahl bestrittener Spiele vor dem Post SV Magdeburg anführt und nun als Aufsteiger feststeht.

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Freude nur mäßig vorhanden

„Ich denke, wir haben es verdient, obwohl es auf der anderen Seite, auch den Umständen geschuldet, natürlich nicht so eine ausschweifende Freude ist. Wir hatten nun drei Wochen kein Training mehr, kein Spiel. Die Spannung ist raus. Wenn es sich im letzten Punktspiel entschieden hätte, wäre die Freude eine ganz andere“, fasste Enrico Sonntag, nachdem er vom Beschluss erfahren hatte, die Gefühlslage in Haldensleben zusammen.

Bereits in der vergangenen Woche hatte sich Tim Teßmann vom HSV-Vorstand gegenüber der Volksstimme ähnlich geäußert: „Ich hoffe auf eine Fortsetzung der Saison. So Tabellenerster will keiner werden.“

Planungen können beginnen

Immerhin über die Planungssicherheit kann sich der Verein nun freuen. Sonntag: „Saisonbeginn soll ja erst am 1. Oktober sein, also vier Wochen später als sonst. Das hat natürlich Einfluss auf die Vorbereitung. Wir können jetzt konkreter in die Planung gehen. Wir hatten unsere Fühler schon nach neuen Spielern ausgestreckt. Mit den Kandidaten, die gesagt haben, dass sie in der Sachsen-Anhalt-Liga für uns spielen würden, habe ich gleich geschrieben. Da haben wir nun bessere Karten.“

Große Veränderungen im Kader möchte der Verein aber nicht vornehmen. Sonntag: „Wir wollen uns nicht künstlich aufblähen.“ Der Coach hofft unterdessen, dass der Saisonabbruch Spieler Marcus Tysack noch einmal zu einem Umdenken bringt: „Alle anderen wollen weitermachen. Er kokettiert damit aufzuhören, aber wir nehmen ihn nochmal in die Mangel, wollen ihn umstimmen. Ich hoffe, dass er bei uns bleibt. So will man doch seine Laufbahn nicht beenden.“

Auf einen ähnlichen Effekt setzt Florian Rudolph, Abteilungsleiter Handball des SV Lok Oschersleben: „Meiner Meinung nach war der Beschluss absehbar. Ich bin nur etwas verwundert, dass es tatsächlich nur Aufsteiger und keine Absteiger gibt. Unsere Männer- und Frauenmannschaft betrifft das allerdings nicht. Der Pokal ist zwar noch offen, aber da sind wir schon raus. Gut ist, dass wir die Mannschaftsmeldung ein bisschen nach hinten verschieben können. Wir sind nicht mehr die Jüngsten im Team, aber so will ja keiner aufhören. Das ist kein schönes Ende. Wir werden also bestimmt wieder melden.“

Verständnis für die Situation

Maik Hackert, stellvertretender Vereinsvorsitzender und Trainer der ersten Männermannschaft des MTV Weferlingen, hielt ebenfalls schon in der vergangenen Woche ein vorzeitiges Saisonende für eine vernünftige Lösung: „Wie sollen sie es anders machen? Es sind dann nur noch sechs Wochen bis zu den Sommerferien. Natürlich kann man sagen, dass man da durchspielt, aber: Wer ist denn zu der Zeit da? Und wenn die Mannschaften ihre Spieler nicht mehr zusammenbekommen, dann wird der Wettbewerb auch verschoben. Wenn der Verband noch Pokal-Halbfinale und Finale ausspielen will, dann sollen sie es machen.“

Mit seiner Einschätzung sollte er Recht behalten. Der Routinier kann auch mit der Entscheidung der Saisonwertung leben: „So lange wir einen Punkt mehr haben als der Letzte, ist das okay. Die Idee eines Final Four fände ich nicht gut. Da ist dann ja die Tagesform entscheidend, nicht die Saison. Wenn in der normalen Saison ein Shooter an einem Wochenende mal ausfällt, kann man das in den nächsten Wochen wieder ausgleichen. Aber wenn bei so einem Turnier zwei gute Leute fehlen, dann wird es ungerecht. Irgendwer bleibt am Ende aber so oder so auf der Strecke. Wenn es nach mir geht, sagen sie, die Saison hat es nie gegeben. Aber wir können da sowieso nichts machen, sondern müssen uns damit abfinden.“

Dieser Einsicht Hackerts werden sich wohl auch die Frauen des TSV Wefensleben anschließen müssen. Wie die Männer des Post SV Magdeburg in der Verbandsliga hatten sie in der Bezirksliga noch berechtigte Hoffnungen, Platz eins zu erreichen. Nur ein Punkt trennte sie vom Führenden, dem SV Anhalt Bernburg. Und auch im Bezirks- und sogar im Landespokal war die Sieben von Marc Deutschmann noch vertreten, freute sich auf ein Duell mit dem TSV Niederndodeleben.

Der HVSA hat für diese Pokalwettbewerbe ein kleines Hintertürchen offen gelassen und formuliert: „Die Pokalwettbewerbe auf allen Ebenen (HVSA, Spielbezirke, Kreise) bleiben bis zum 20.05.2020 ausgesetzt. Sollten bis zum 30.06 noch Pokalspiele durchgeführt werden können, wird dies neu beraten und bei Bedarf beschlossen.“ Daran, dass diese Partien tatsächlich noch zur Austragung kommen, glauben aber sicher die wenigsten.