Halberstadt l Volksstimme-Redakteur Ingolf Geßler sprach zum Jahreswechsel mit den Verantwortlichen des Skiverbandes Sachsen-Anhalt. Das Projekt Erststartrecht des Skiverbandes ist seit einiger Zeit als sehr erfolgreich wahrnehmbar?

Thomas Hedderich (Sportkoordinator): Als wir vor fünf Jahren mit dem Projekt begonnen hatten, wussten wir schon, dass wir immer wieder gute Nachwuchssportler im Verband entwickeln, aber die tatsächliche Erfolgsbilanz hat uns dann etwas überrascht. Nicht nur, dass zwei Athletinnen wiederholt an den Junioren-Weltmeisterschaften teilgenommen haben, wir haben auch eine gewisse Breite, die kein zufälliges Ergebnis ist.

Aktuell befinden sich neun Sportler im Erststartrecht, davon gehören vier den Nationalmannschaften der Junioren und Jugend an, acht besuchen Eliteschulen des Sports, eine Profi-Sportlerin ist über die Bundeswehr beschäftigt. Und auch im nächsten Jahr werden wir voraussichtlich mit sechs Einschulungen, davon drei Skispringer, zwei Langläufer und ein Biathlet, wieder unserer Projektziele erfüllen können. Dabei haben wir die Kooperationen mit unseren Partnern in Sachsen und Thüringen vertieft und seit diesem Schuljahr auch mit dem Niedersächsischen Skiverband eine Vereinbarung abgeschlossen und mit einer Sportlerin umgesetzt.

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Wie fielen die ersten sportlichen Ergebnisse aus?

Holger Stein (Sportwart Skilanglauf): Die Skisport-Talente des Harzkreises, wie Langläuferin Alina Rippin, präsentierten sich im bisherigen Verlauf der Saison bereits in hervorragender Form. Jessica Löschke vom TSV Leuna, Drittplatzierte der Gesamtwertung des Continentalcups 2019 und mehrfache Deutsche Meisterin, untermauerte mit Rang zwei und drei im Sprint beim Continentalcup in Pokljuka und Campra ihre Position an der Spitze im deutschen Perspektivteam und im internationalen Feld.

Alina Rippin vom NSV Wernigerode hat mit einem Sieg beim DSV-Jugendcup in Oberhof und als Jahrgangsbeste beim internationalen Wettkämpfen in Obertilliach und Seefeld, der zugleich als Qualifikation für die Youth Olympic Games zählten, erste Ausrufezeichen gesetzt. Max Kermer vom Skiverein Hasselfelde, der während der Vorbereitungsphase im Sommer und Herbst mit einer Verletzung zu kämpfen hatte, konnte beim ersten internationalen Einsatz in Seefeld immerhin mit Rang 25 eine Mittelfeldplatzierung im Sprint erzielen, benötigt aber noch einige Rennen um zu alter Stärke zurückzufinden. Erfreulich ist, dass sich Jannis Grimmecke vom NSV Wernigerode mit Platz sieben im Sprint beim Austria-Cup in Obertillach über seine erste Top Ten-Platzierung auf internationaler Bühne freuen konnte.

Kerstin Finze (Sportwart Biathlon): Amy Dunkel vom WSV Elbingerode, die seit August in Clausthal-Zellerfeld trainiert, trumpfte mit einem zweiten Platz bei DSV-Jugendcup in Clausthal-Zellerfeld auf und durfte beim Alpencup in Obertilliach ebenfalls erstmals internationale Konkurrenz erfahren. Für Ronja Twieg vom Skiclub Köthen zahlte sich der harte Trainingseinsatz während der Sommermonate aus, sie räumte bei den Deutschen Meisterschaften im Sommerbiathlon am Sonnenberg jeweils den Deutschen Meistertitel im Massenstartrennen und im Sprint ab. Im Schülerbereich konnten die Nachwuchsathleten bereits zum ersten Schülercup mit Rang zwei durch Julian Thiedemann vom Skiclub Köthen und einigen Top Ten-Platzierungen glänzen.

Jürgen Duschek (Sportwart Skisprung): Vize-Juniorenweltmeisterin Josephin Laue liefert nach einigen gesundheitlichen Problemen wieder stabile Leistungen im Continentalcup und hofft sich über vordere Platzierungen für die Junioren-Weltmeisterschaften zu qualifizieren. Im Deutschen Schülercup konnten Gregor Dietrich vom WSV Harzgerode mit Platz elf und Kim Amy Duschek mit Rang 15 im Einzelspringen in Winterberg ordentliche Leistungen präsentieren.

Solche Ergebnisse stimmen positiv. Wie sieht die Perspektive um die Entwicklung der Sportart beziehungsweise des Verbandes aus?

Rüdiger Ganske (Präsident des Skiverbandes Sachsen-Anhalt): Im Ranking der Sportarten des Landes Sachsen-Anhalt befinden wir uns als Skisport aktuell auf einem Rang, der uns ab 2021 den Status Fördersportart garantiert. Damit ist dann auch nach 2021 das System des Erststartrechts für unsere Vereine stabil fortzuführen und weiter zu entwickeln. Denn der Deutsche Skiverband unterstützt mittlerweile das Projekt nachhaltig, hat den Skiverband Sachsen-Anhalt jüngst als Nachwuchszentrum aufgewertet und gemeinsam mit Deutschen Olympischen Sportbund und LandesSportBund und uns verbindliche Ziele für den kommenden Olympia-Zyklus verabschiedet

Welche Möglichkeiten der Weiterentwicklung bestehen für den Wintersport im Harz und Sachsen-Anhalt?

Dr. Ganske: Neben Personal, dass sich um die Belange des Sports, aber vor allem mit den Sportlern befasst, ist die Entwicklung der Sportstätten-Infrastruktur für uns sehr wichtig. Gerade die Skisprunganlage im Zwölfmorgental in Wernigerode ist für ganz Sachsen-Anhalt von zentraler Bedeutung. So trainieren Braunlager, Hessen, einige Sachsen und Thüringer zum Teil regelmäßig auf diesen Schanzen. Umso wichtiger ist es, eine Aufstiegshilfe zu installieren.

Denn damit lässt sich nicht nur der Trainingsumfang mindestens verdoppeln, sie ist auch Voraussetzung für eine internationale Skisprungveranstaltung, die wir hier gerne zeitnah nach Wernigerode holen möchten. Dass wir solche Veranstaltungen stemmen können, haben die Weltcup-Springen am Wurmberg in früherer Vergangenheit und die Sommerleistungskontrolle der Langläufer in Blankenburg im letzten Sommer gezeigt. Gleichermaßen ist eine beleuchtete Skirollerstrecke notwendig, um unsern leistungssportlichen Ansprüchen gerecht zu werden.

Vor einigen Tagen hat sich der Winter schon gezeigt, aber reicht der Schnee schon für Skisport aus?

Hedderich: Der Winter hielt sich bisher ziemlich zurück, trotzdem konnten wir schon einige Schneekilometer absolvieren. Im Moment warten wir noch auf ausreichenden Schnee, um auch Wetttkämpfe hier bei uns zu realisiseren. Bis dahin nutzen wir die Möglichkeit auf Skiroller zu laufen bzw. auf Matten zu springen. Wir haben uns mittlerweile der klimatischen Situation angepasst. Wenn der Schnee kommt, ist Schierke mit seinem umfangreichen Loipennetz, dass sich ähnlich wie am Grenzadler in Oberhof bis auf über 800 Meter Höhe erstreckt, ein wichtiger Trainingsort, neben der beschneiten Anlage am Sonnenberg auf der niedersächsischen Seite. Die Infrastruktur dort bietet gute Voraussetzungen für den Wintersport, die für die Bedürfnisse des Leistungssports aber noch Potenzial besitzen. Alternativ bietet die Schierker Feuerstein Arena mit der Möglichkeit des Schlittschuhlaufens das Ausüben einer affinen Sportart.

Welche Winterveranstaltungen gibt es im Harz?

Stein: Die Planungen für die Wintersaison beginnen meist schon im April, denn die umfänglichen und vielfältigen Veranstaltungen müssen terminlich und inhaltlich sinnvoll aufeinander abgestimmt werden. So erwarten unsere Skifreunde diverse Wettkampfformate wie die Winterwettkämpfe der „Tour de Harz“, mehrere Landesmeisterschaften, volkssportlich orientierte Veranstaltungen wie den Oberharzer Grenzlanglauf oder Harzer Staffeltag – das ergibt 20 Wettkampfveranstaltungen im Skilanglauf.

Duschek: Im Skispringen ist die Zahl etwas geringer, aber der gegenseitige Austausch mit anderen Regionen groß.

Andreas Günnel (Sportwart Alpin): Im Alpinen Skisport finden mit dem Harzer Zwergencup, DSV-Punkterennen am Wurmberg in Braunlage oder in Sankt Andreasberg aber auch in den Skihallen wie in Wittenburg Rennen im ähnlichen Umfang statt. Es gibt eine Tradition von einzelnen Aktiven in den Skiklubs Schierke und Wernigerode, an DSV-Punkterennen in ganz Deutschland, Alpenraum, Mittelgebirgen bis hin zu den Skihallen in Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg teilzunehmen. Darüber hinaus sehen wir großes Potential für Mitgliederentwicklung, denn Skifahrer gibt es überall und das Angebot im Harz hat da noch Reserven.

Dr. Ganske: Unsere Vereine bieten aber nicht nur Wettkampfsport, sondern auch andere sportliche Angebote für Jung und Alt. Dazu gehören Fahrten zu Großveranstaltungen wie aktuell der Biathlon-Weltcup in Oberhof oder die Junioren-WM in Oberwiesenthal, gemeinsame Besuche von Skihallen, Wandertouren, Tagesskitouren oder auch Skifasching, also grundsätzlich ein breites Angebot und reges Vereinsleben.

Welches sind die Highlights der Saison?

Hedderich: Aus leistungssportlicher Sicht werden die angesprochenen Junioren-Weltmeisterschaften in Oberwiesenthal Ende Februar bis Anfang März den Höhepunkt für die Skilangläufer Jessica Löschke, Max Kermer und Skispringerin Josephin Laue markieren. Jannis Grimmecke und Alina Rippin, die als Nachrückerin für die Olymic Youth Games in Lausanne nominiert wurde, versuchen über internationale Rennen im Alpenraum die Qualifikation für die OPA-Skispiele der Alpenländer zu erreichen. Für die Jüngeren sind neben dem DSV-Jugendcup und Schülercup die Deutschen Meisterschaften, die im Langlauf auch eine Vereinsstaffel beinhalten, besonders interessant.

Dr. Ganske: Gleichermaßen fiebern wir auch mit unseren Skistars aus Sachsen-Anhalt mit, die inzwischen für andere Landesverbände starten. Der Hasselfelder Biathlet Danilo Riethmüller zeigt derzeit im IBU-Cup starke Leistung und hofft sicherlich auf einen Weltcup-Einsatz.