Börde l Jacqueline Massek. Einst Spielerin, Trainerin und jetzt im Fußballverband Sachsen-Anhalt (FSA) mit für die Geschicke im weiblichen Bereich verantwortlich. Volksstimme-Autor Stefan Rühling hat mit der 51-Jährigen über ihre Erfahrungen gesprochen.

Volksstimme: Frau Massek, wie geht es ihnen?

Jacqueline Massek: Vielen Dank für die Nachfrage. Mir geht es gut.

Wie erleben Sie den gegenwärtigen Lockdown?

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Ich erlebe ihn im Moment mit vielen persönlichen Einschränkungen. Mir fehlen die Besuche bei Freunden und Bekannten. Besonders aber das Ansehen von Fußballspielen im Stadion oder auf Plätzen. Umso mehr genieße ich das Familienleben, denn Familie ist das allerwichtigste im Leben.

Beeinflusst das ihren Alltag?

Natürlich beeinflusst dieser Lockdown auch meinen Alltag. Besonders bemerkbar macht sich dieser in meinem Berufsleben. Ich bin Lehrerin an einer Grundschule. Das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung im Schulgebäude oder auf dem Pausenhof ist schon ein komisches Gefühl. Mir fehlt der enge Kontakt zu den Kindern, dass in den Arm nehmen oder das Trösten bei Verletzungen. Jedoch ist es in meinen Augen der richtige Weg, um die Ausbreitung der Pandemie in den Griff zu bekommen.

Sie sind seit Sommer Mitglied im Ausschuss für Frauen- und Mädchenfußball im Fußballverband Sachsen-Anhalt. Wie kam es dazu?

Ja, das stimmt. Ich wurde von Mitgliedern des Ausschusses gefragt, ob ich mitarbeiten möchte. Da ich schon seit drei Jahren die Landesauswahl Ü35 betreue, entschloss ich mich letztendlich meine langjährige Erfahrung im Bereich Frauen- und Mädchenfußball einzubringen.

Was sind ihre Aufgaben?

Gute Frage! Ich versuche bei Sitzungen meine ehrliche, manchmal hinterfragende Meinung zu äußern, aufkommende Fragen oder Probleme aus Sicht einer ehemaligen aktiven Spielerin oder als Trainerin zu beantworten. Das ist nicht immer einfach. Hauptaufgabe ist es, so viele Spielerinnen wie es geht für meine Ü35-Auswahl zu gewinnen. Leider macht mir die derzeitige Lage einen Strich durch die Rechnung.

Welche Themen gibt es darüber hinaus in dem Gremium?

Das sind immer wieder Verlegungen von Partien, Absagen oder der allgemeine Spielbetrieb in den verschiedenen Klassen.

Welcher Aufwand ist mit dem Ehrenamt verbunden?

Also etwas freie Zeit muss man schon in dieses Amt investieren. Regelmäßige Treffen des Ausschusses oder Video-Konferenzen sind dabei unumgänglich. Oft sind die Treffen auch mit weiten Anfahrten verbunden. Trotzdem arbeite ich gerne im Ausschuss mit und freue mich, dass meine Meinung gefragt ist.

Welches Ziel verfolgen Sie mit ihrem Engagement?

Es wäre schön, wenn gerade der Mädchen- und Frauenfußball mehr Beachtung im Fußballverband finden würde. Nach wie vor wird er stiefmütterlich behandelt. Andere Landesverbände sind uns dahingehend voraus. Ich möchte erreichen, dass es uns gelingt, die Anerkennung zu bekommen, die sich alle Mädchen und Frauen schon seit Jahren verdient haben. Dazu ist es notwendig, immer wieder auf Dinge hinzuweisen, die es zu verbessern gilt, um gute Rahmenbedingungen zu schaffen. Ob das gelingt, weiß ich nicht, aber ich bleibe dran!

Wie sind Sie zum Fußball gekommen und in welchem Verein haben Sie angefangen?

Das ist eine lange Geschichte: In meiner Kindheit habe ich viele Sportarten ausprobiert. Keine hat mir so gut gefallen, wie der Fußball. Eigentlich bin ich auf dem Bolzplatz unter vielen Jungen groß geworden. Erst 1986 im Rahmen meines Studiums erfuhr ich damals, dass es auch in der DDR Frauenfußball-Mannschaften gab. Also meldete ich mich dann in Schönebeck an, ehe ich zur SG Handwerk Magdeburg wechselte. Dem Verein bin ich über viele Jahre, auch mit verschiedenen Namen (Fortuna Magdeburg, Fortuna Magdeburg/ Wolmirstedt) treu geblieben. Ich war Gründungsmitglied des heutigen Magdeburger FFC (MFFC) und spielte für diesen bis 2002. Dann zwang mich eine schwere Verletzung zum Aufhören.

Welcher Trainer hat Ihre Laufbahn am meisten geprägt und warum?

Ich hatte viele Trainer, doch Klaus Lindner ist mir in all den Jahren in guter Erinnerung geblieben. Er machte uns zu einer konditionsstarken Mannschaft. Klar, er war ja auch Leichtathletiktrainer. Bis zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht, dass zu einer erfolgreichen Mannschaft nicht nur das Fußballspielen gehört. Er brachte uns oft mit seinem Athletiktraining an unsere Grenzen.

Wie kamen Sie zu der Entscheidung, selbst Trainerin zu werden?

Meine Tochter, damals fünf Jahre alt, spielte in der F-Jugend des MFFC. Als Mutter und Fan war ich natürlich bei jedem Spiel dabei. Die Mannschaft wurde zu diesem Zeitpunkt von Caroline Kunschke trainiert. Eines Tages kam sie auf mich zu und fragte mich, ob ich nicht für sie einspringen kann. Um der kleinen Mäuse wegen machte ich das dann und führte sie als Trainerin durch alle Jugend-Altersklassen des MFFC bis hoch zu den Frauen. Es machte riesigen Spaß.

Wie würden Sie sich als Trainerin beschreiben?

Ich war stets bemüht, den jungen Mädchen vor allem Spaß am Fußball zu vermitteln. Dabei habe ich versucht, bestimmte Werte wie Ehrlichkeit, Mut, Selbstvertrauen und Disziplin zu entwickeln. Eine gewisse Strenge aber auch Einfühlungsvermögen und Vertrauen waren sehr wichtig, um eine gute Mannschaft zu entwickeln. Ich denke, dass mir das ganz gut gelungen ist. Die Erfolge und das Zusammenbleiben der Mannschaft gaben mir recht.

Was machen Sie im Alltag abseits des Fußballs?

Im Alltag arbeite ich, wie schon erwähnt, an einer Grundschule als Lehrerin. Nach getaner Arbeit freue ich mich auf unser kleines Häuschen abseits der Stadt und natürlich auf meine Familie.

Worin besteht der Unterschied zwischen einer Lehrerin und einer Trainerin?

Nicht jede Lehrerin hat das Fachwissen, das es braucht, um erfolgreich als Trainerin zu arbeiten. Erst recht nicht, wenn sie keine Sportlehrerin ist.

Kann jeder Trainer auch Lehrer sein?

Ich denke schon! Jeder Trainer ist doch auch ein Lehrer, speziell im Fußball ein Fußball-Lehrer. Was mir jedoch bei manchen Trainern fehlt, ist die pädagogische Ausbildung. In meinen Augen braucht es nicht nur Fachkompetenz, sondern auch ein Stück weit pädagogisches Geschick im Umgang mit Menschen.

Wie verbringen Sie normalerweise ihre Freizeit?

Meine Freizeit verbringe ich gern mit Freunden oder Nachbarn in gemütlicher Runde zu Hause oder gehe shoppen. Dort kann ich gut den Alltagsstress vergessen.

Und während der Corona-Beschränkungen?

Natürlich halte auch ich mich an die Kontaktbeschränkungen und hoffe, dass wir bald wieder feiern können. Das fehlt mir ganz schön.

Wo sehen Sie sich in fünf beziehungsweise zehn Jahren?

Ich sehe mich hoffentlich immer noch arbeiten. Ich kann mir gut vorstellen, dass ich dann noch dem Frauenfußball verbunden bin. In welcher Art und Weise kann ich jetzt noch nicht sagen.