In der Landeshauptstadt Magdeburg aufgewachsen, führte Mathias Volkmann der Weg im Jahr 2010 zum TSV Grün-Weiß Bregenstedt und aktuell in häusliche Corona-Quarantäne. Volksstimme-Autor Stefan Rühling hat sich mit dem 36-Jährigen unterhalten.

Volksstimme: Herr Volkmann, wie geht es Ihnen?

Mathias Volkmann: Trotz derzeitiger Quarantäne geht es mir und meiner Familie gut. Ich hoffe nicht, dass uns Corona noch irgendwie gefährlich wird. Es kann alles so schnell gehen mit dem Virus und keiner weiß woher.

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Was war Ihr schönstes Erlebnis in diesem Jahr?

Also in 2020 gab es nicht so viele schöne Erlebnisse, an die ich mich erinnern kann. Beruflich lief alles positiv seine Bahnen und sportlich, natürlich dank Corona, für den TSV Bregenstedt mit dem Aufstieg in die Landesklasse auch. Privat gab es, da spreche ich für viele Familien mit Kindern, ein turbulentes Jahr mit Homeoffice, Lehrerdasein und Kindergärtner in einem. Alles muss organisiert werden und man darf sich selber nicht aus den Augen verlieren. Liebe, Kommunikation und Zuneigung war und ist in diesem Jahr sehr wichtig. Man sollte füreinander da sein, auch für Freunde.

Und worauf hätten Sie gern verzichtet?

Persönlich hätte ich gerne auf meinen Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule verzichtet. Das waren keine schönen Schmerzen, doch ich habe es nun im Griff und bin schmerzfrei.

Wie sind Sie zum Fußball gekommen?

Ich habe im Alter von fünf Jahren beim TuS Magdeburg-Neustadt angefangen zu kicken, da ich in Magdeburg aufgewachsen bin. Damals noch schön auf Kohlenasche, was man sich heute mit den Kunstrasenplätzen gar nicht mehr vorstellen kann. Ich war und bin ein leidenschaftlicher Fußballer.

Was war Ihre Lieblingsposition?

Meine Lieblingsposition war schon immer der rechte Flügel, dort konnte ich meine Schnelligkeit ausspielen und meine Uneigennützigkeit mit vielen Pässen und Flanken krönen. Unser Sohn Marlon tritt derweil in meine Fußstapfen. Darauf bin ich mächtig stolz.

Können Sie sich noch an ein prägendes Ereignis aus Ihren Kindertagen im Zusammenhang mit Fußball erinnern?

Ja, das war die Einladung zur Ohrekreis-Auswahl des Jahrgangs 1984 durch Reinhard Schreiber und Rolf Wehrmeister. Damals habe ich mit super Fußballern zusammengespielt. Mit dem Jahrgang haben wir bei den C-Junioren auch den Durchmarsch über die Landesliga bis in die Verbandsliga geschafft.

Wie sah Ihre weitere Laufbahn aus?

1994 sind meine Familie und ich nach Haldensleben gezogen. Dort habe ich die Jugend bei Eintracht Haldensleben und dann dem Haldensleber SC verbracht. Im Herrenbereich bin ich mit der Mannschaft des Haldensleber SC II jahrelang zwischen Landesklasse und Kreisoberliga gependelt. 2010 ging es dann nach Bregenstedt, nachdem sich die HSC-Reserve auflöste. Jetzt bin ich seit zehn Jahren mega glücklich bei einem so tollen – manchmal auch etwas chaotischen – aber liebevollen Verein zu spielen beziehungsweise Trainer zu sein. Dorfleben ist halt doch etwas anderes und verdammt schön. Seit 2013 leben meine Familie und ich in Altenhausen.

Was fasziniert Sie am Fußball?

Früher habe ich meinen Schulranzen nach den Hausaufgaben in die Ecke geschmissen und mich zum Fußball mit Freunden getroffen. Fußball verbindet, man ist unter Freunden, man strebt nach Leistung und man hält sich fit. Die sozialen Kontakte bei einem Mannschaftssport finde ich sehr wichtig. Im Fußball kann man sich auspowern und damit auch mal den Stress vergessen machen.

Haben Sie auch andere Sportarten probiert?

Ich war in der Schulzeit in jeder Disziplin im Sport gerne mit von der Partie: Handball- und Volleyball-AG, Leichtathletik-Wettkämpfe der Schule und darüber hinaus habe ich auch Kreis-Kinder- und Jugendspiele sehr erfolgreich absolviert.

Aktuell sind Sie Trainer der Bregenstedter Herren und der F-Junioren – wie kam es zur Doppelfunktion?

Unser langjähriger Herren-Trainer Matthias Wolter hat es geschafft, einen Trainer-Lehrgang nach Bregenstedt zu holen. Somit konnten wir unsere C-Lizenzen vor Ort erringen. Meine Absicht war es, die Jugend in Bregenstedt weiter voranzutreiben und die Jugendlichen von Smartphone und Spielekonsole wegzuholen. Natürlich aber auch, um den im Nachwuchsbereich über Jahre erfolgreichen Trainer Nico Grothe in Zukunft zu unterstützen. Ich begann mit der G-Jugend und habe dann die F-Junioren übernommen. Es macht mir große Freude, die Kinder in der Entwicklung zu fördern und ihren Ehrgeiz zu wecken. 2017 sprach mich dann Matthias Wolter an, ob ich nicht die Herren trainieren möchte, da er sich etwas zurückziehen wollte. Da ich mit 33 Jahren noch Spieler war und bin, habe ich diese Herausforderung angenommen – bisher mit Erfolg. Ob ich auf Dauer diese Zweigleisigkeit fahre, wird die Zeit mit sich bringen.

Was ist der Unterschied Ihrer Arbeit in beiden Teams?

Bei der F-Jugend bin ich Lehrer, Zuhörer, Bespaßer, Freund, welcher mit dem Erlernen des Fußballspiels den Kindern Selbstvertrauen, Spaß und Teamgefühl für das Leben vermittelt. Als Herren-Coach bin ich eher der Motivator, der sich auch beim Training Gedanken über spieltechnische oder taktische Aufgaben macht, welche bei einem Spiel nicht so funktioniert haben, beziehungsweise an denen noch gefeilt werden muss. Mir ist bei beiden die Organisation in Verbindung mit Spielern und Eltern wichtig und dazu bedarf es einer vernünftigen Kommunikation, welche mir sehr am Herzen liegt. Auch ein Spieler im Herrenbereich sollte, genau wie die Kids, Spaß haben und die Zeit miteinander genießen.

Mit den Herren sind Sie Tabellenführer der Landesklasse 3. Zufrieden?

Ich denke, damit kann man nur zufrieden und vor allem stolz sein. Wer hätte bei uns als Aufsteiger damit gerechnet?

Abseits des grünen Rasens sind Sie Familienvater und Unternehmer – wie bekommen Sie das unter einen Hut?

Da ist es besonders wichtig, dass man eine Frau an der Seite hat, die das alles mitmacht. Ganze vier Tage pro Woche sind bei mir normalerweise voller Fußball: dienstags und donnerstags Training mit den Kids, den Herren und unser Sohn, er spielt bei den E-Junioren, ebenso. Am Samstag dann zuerst die Partien mit der F-Jugend, nachmittags Spiele der Herren und am Sonntagvormittag spielt dann unser Sohn. Dazu fällt mir auch der schönste Satz meiner Frau während des ersten Lockdowns ein: „Schatz, irgendwie fehlt mir der Fußball, samstags bei euch als Fan dabei zu sein und sonntags unseren Sohn anzufeuern.“ Es bleibt abzuwarten, wie lange wir diese Belastung durchhalten. Noch bin ich relativ jung und wir genießen die Zeit auf der Erfolgswelle bei den Herren sowie auch bei den Kids.

Haben Sie schon Pläne für 2021?

Erst einmal muss man schauen, was der Lockdown mit dem Fußball, beziehungsweise dem Sport im Allgemeinen noch so anstellt. Ich kann alle verstehen, die sich den Kopf zerbrechen, wie es weitergeht: Schaffen wir die Saison überhaupt? Wann darf man wieder loslegen? Fragen über Fragen, die sich stellen. Meine eigene Erfahrung im Moment ist aber anders: Alle sollten gesund bleiben. Lernt das Leben neben euch mit Frau, Kindern und Freunden noch mehr zu schätzen, ändern können wir vieles nicht. Macht das Beste daraus und wenn wir alle wieder kicken dürfen, freuen wir uns und wollen natürlich dann wieder unser Bestes geben!

Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Ich denke, auf einer Trainerbank einer Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft 2026. Spaß beiseite. Mein Ziel ist es, so zu bleiben, wie ich bin: liebevoller Vater und Ehemann sowie der coole Trainer, der gemocht wird. Ob ich in fünf Jahren zwei Mannschaften trainiere, im Vorstand sitze, Alte Herren spiele oder was anderes mache, ist alles Zukunft. Wichtig ist das Hier und Jetzt.