Haldensleben l Am Ostermontag war die Entscheidung offiziell gefallen. Marco Wagner verlässt nach zwei Jahren den Haldensleber SC und trainiert in der kommenden Saison den Ligakontrahenten SV Westerhausen. Für den Klub aus dem Harz sprach neben der sportlichen Perspektive auch die geringere Entfernung zu Wagners Wohnort. 

Entscheidung per Videobotschaft

In einer knapp zweieinhalb-minütigen Videobotschaft teilte Marco Wagner seinen Spielern die Entscheidung mit, legte die Gründe für seinen Wechsel offen und bedankte sich für die erfolgreiche gemeinsame Zeit.

„Ich bin dankbar dafür, dass der HSC mir vor zwei Jahren die Chance gegeben hat, hier Trainer zu werden. Aber das Gesamtpaket Westerhausen hat für mich einfach gestimmt. Dort arbeiten fußballverrückte Leute mit einer klaren Vision, die strukturellen Voraussetzungen sind besser als in Haldensleben, dazu stimmt auch die sportliche Perspektive“, erklärt Wagner. Hinzu kommt die geographische Nähe, die Fahrten zum Training halbieren sich für den Coach. „Keiner weiß, wie es nach der Corona-Zeit weitergeht, deshalb war das auch ein ganz wichtiger Punkt. Als Selbstständiger habe ich nun mehr Zeit für die Firma.“

HSC zeigt Verständnis

Dennoch, nur an der Nähe lag die Entscheidung für Westerhausen nicht. Marco Wagner will vorankommen als Trainer, sein Profil weiter schärfen. In Haldensleben haben sie dafür sogar Verständnis. „Natürlich hätten wir aus unserer Sicht gerne weiter mit Marco zusammen gearbeitet. Aber eine Perspektive ganz vorne mitzuspielen, können wir nicht bieten. Wichtig ist, dass wir die Jungs hoch bekommen und sicher in der Liga bleiben“, sagt Abteilungsleiter Gunnar Schütze. Den Vorwurf, sich nicht rechtzeitig um eine Vertragsverlängerung bemüht zu haben, schwächt Schütze ab. „Für uns wurde die Sachlage erst kurz vor Ostern akut, da haben wir nochmal alles versucht, um ihn umzustimmen. Es gab aber vorher schon Gespräche.“

Für Wagner selbst scheinbar zu spät oder nicht bemüht genug. Der SV Westerhausen war schon vor zwei Jahren am 41-Jährigen dran und konnte sich nun mit Verspätung und einem klaren Konzept seinen Wunschtrainer sichern.

Für Florian Switala, der Wagner vor zwei Jahren mit aus Wulferstedt zum Haldensleber SC lotste, ist der erneute Trainerwechsel nur schwer zu verdauen. „Natürlich bin ich enttäuscht. Marco ist ein sehr guter Trainer. Dass er das Interesse von anderen Vereinen weckt, kommt für mich wenig überraschend.

Switala übt Kritik

Auch, dass er sich für Westerhausen entschieden hat, kann ich nachvollziehen. Von den Strukturen sind sie besser aufgestellt als wir.“ Und dann sagt der Torwart einen Satz, der in seiner Schärfe doch überrascht. „Beim Haldensleber SC ist scheinbar alles wichtig, nur die erste Mannschaft nicht.“ Ein Vorwurf, den man zwar nur leise, aber relativ oft rund ums Waldstadion vernimmt. So muss sich das Verbandsligateam im Winter beispielsweise den Kunstrasenplatz zur Trainingszeit mit gleich drei weiteren Mannschaften teilen (2. Herren, A- und B-Jugend) und bekommt auch sonst nicht jeden Wunsch erfüllt. „Natürlich ist die erste Mannschaft das Aushängeschild des Vereins, aber wir werden nicht Unsummen in Spieler investieren“, stellt Schütze nochmal klar. Oberstes Gebot hat die Nachwuchsförderung.

Krüger von der Entscheidung enttäuscht

Einer, der das komplette HSC-System durchlaufen hat und nun in der ersten Mannschaft spielt, ist Lucas Krüger. „Für mich war die Entscheidung ein persönlicher Nackenschlag. Marco hat uns eine klare Handschrift verpasst, so dass jeder seine bestmögliche Leistung bringen konnte. Jetzt ist die Enttäuschung natürlich groß, weil ich denke, dass der gemeinsame Weg noch nicht hätte enden müssen.“ Zwar könne der Angreifer das Argument der Entfernung „nachvollziehen“, in Sachen sportliche Perspektive widerspricht er Wagner aber. „Es kommen gute Leute aus der A- und B-Jugend hoch. Mit ihnen hätte man neue Impulse setzen können.“

Ob das Kapitel Marco Wagner in Haldensleben bereits komplett beendet ist, hängt an der Entscheidung des FSA. „Bis zum offiziellen Saisonende wird Marco Wagner das Team betreuen. Wir müssen jetzt nicht in Panik verfallen, wollen aber kurzfristig der Mannschaft einen neuen Trainer präsentieren“, sagt Gunnar Schütze. Einen Favoriten gibt es noch nicht.