Langenweddingen l Der Spielerkreis hatte sich gerade aufgelöst und die „Auswärtssieg“- Sprechchöre waren ausgeklungen, da holte sich Sven Liesegang schon wieder seine Spieler heran.

Der Coach des HV Rot-Weiß Staßfurt ging sofort in die Einzelanalyse über, sprach mit einigen Spielern und gab ihnen noch Verbesserungsvorschläge. Er wäre nicht er selbst, hätte er nicht auch nach dem Sieg, mit zehn Toren Unterschied, noch etwas zu kritisieren. Trotzdem sagte er nach dem Erfolg: „Natürlich bin ich zufrieden. In Langenweddingen zu gewinnen, ist nicht einfach.“

Doppelte Manndeckung des SVL

Dass beim Gegner zahlreiche Akteure fehlten und nur acht Feldspieler zur Verfügung standen, war für Liesegang gar nicht entscheidend. Viel mehr war er vor allem in der ersten Viertelstunde von seinem Team begeistert. Denn da hatten die Gäste genau die richtigen Antworten. In einem 4:2-System versuchten es die Gastgeber mit einer doppelten Manndeckung gegen Sebastian Retting und Robert Reiske. Doch Liesegang wechselte sofort, brachte mit Martin Strnad einen zusätzlichen Rückraum-Spieler für Linksaußen Mario Meißner.

Somit löste Retting seine Manndeckung auf, indem er auf Außen ging und Strnad war „mit seiner Explosivität“ eine weitere gute Option im Aufbau. Gemeinsam mit Nils Hähnel, seinem körperlichen Gegenstück im Rückraum, stellten die beiden mit je einem Doppelpack auf 4:1 (5.).

Als die Langenweddinger in das 6:0 zurückgingen, hatte Reiske auch wieder mehr Freiheiten und markierte das 7:2 (11.). Nach der starken Anfangsphase mit gnadenloser Effektivität – den ersten Fehlwurf verzeichneten die Gäste erst nach neun Minuten – und souveräner Deckungsarbeit, schien das Spiel schon sehr früh entschieden.

Staßfurt überzeugt

Es klappte fast alles. Nicht nur Keeper Sebastian Schliwa überzeugte mit guten Paraden, Gabor Vadaszi eilte beim einem Konter der Gastgeber im Vollsprint zurück und fing den Ball ab (13.) und Meißner erzielte bei einem Gegenstoß im Stolpern das 8:4 und quittierte das mit einem lauten Freudenschrei. Denn als es im Positionsangriff der Staßfurter etwas stockte, mussten eben die Konter her. Und dabei zeigten sich erneut Hähnel, Reiske und Meißner als eiskalte Vollstrecker zum 10:6 und 11:6 (21.) sowie 13:8 (25.). „Kurz vor der Halbzeit waren wir dann aber inkonsequent“, kritisierte Liesegang.

Die Gastgeber kamen vor allem durch den achtfachen Torschützen Tobias Deutscher, der vom Publikum mit Sprechchören gefeiert wurde, zu einem psychologisch wichtigen Zeitpunkt bis auf drei Tore heran (12:15, 30.). Noch in der Vorsaison hätte die Staßfurter das vermutlich komplett aus der Bahn geworfen und das Spiel wäre noch gekippt. Am Sonnabend jedoch nicht. „Wir sind nach der Pause ruhig geblieben und hatten die passenden Antworten“, lobte der Coach. Mit einem 6:1-Lauf setzten sich die Rot-Weißen wieder auf 21:13 ab (38.). Ein Leistungsabfall war dabei nicht zu beobachten. Die Shooter Reiske und Hähnel rissen das Spiel weiterhin an sich. Weil Langenweddingen in dieser Phase komplett abgemeldet war, setzten sich die Staßfurter durch Strnad (25:15, 45.) sogar erstmals auf zehn Tore ab.

Friedl gibt Fazit

„Ich denke, es ist in dieser Saison nicht unser Anspruch mit Staßfurt mitzuhalten. Wir hätten sie gerne noch etwas länger geärgert, aber obwohl Einsatz und Willen gestimmt haben, hat uns im Rückraum Qualität gefehlt“, resümierte SVL-Coach Ingo Friedl.

Statistik

SV Langenweddingen: Wisotzky, Böhm - J. Oeltze (2), M. Oeltze (1), Eischner (1), R. Schult (2), Bollmann (1), Bethge (2), Deutscher (8), S. Schult (6).

Siebenmeter: SVL 4/3 - Staßfurt 2/0

Zeitstrafen: SVL 5 - Staßfurt 5