Haldensleben l Seit fünf Jahren ist er Vorsitzender der Sportjugend innerhalb des Kreissportbundes (KSB) Börde. Über seine Beziehung zum Sport, seine Funktionen sowie aktuelle Herausforderungen hat Volksstimme-Autor Stefan Rühling mit dem 52-Jährigen gesprochen.

Volksstimme: Sie sind seit fünf Jahren Vorsitzender der Sportjugend Börde, waren zuvor bereits Schatzmeister. Woher stammt Ihr Interesse an der Sportjugend?

Matthias Kanther: Sport hat immer eine wichtige Rolle in meinem Leben gespielt. In der Volksbank war ich viele Jahre für unser Filialnetz verantwortlich und stand somit in der Öffentlichkeit. Irgendwann kam die Sportjugend auf mich zu und schon war die Zusammenarbeit, zunächst als Schatzmeister, geboren.

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Wie definieren Sie die Aufgaben der Sportjugend Börde?

Unsere Aufgabe ist die offene Jugendarbeit. Wir kümmern uns aber auch um Ausbildung der Übungsleiter und bieten JuLeiCa Ausbildungen unterstützend an. Wir sind Ansprechpartner für die Vereine und deren Jugendvertreter. Die Förderung von jungem Engagement ist eins der höchsten Ziele. Wir führen Veranstaltungen in den unterschiedlichen Altersgruppen durch. Vom Kindergarten bis zu den jungen Erwachsenen. Wir sind im Bereich der Prävention mit Projekten unterwegs und unterstützen Vereine und andere Organisationen, wenn es darum geht, Feste auszurichten und unser Spielmobil zur Verfügung zu stellen. Wir arbeiten aktiv an Konzeptionen innerhalb des Jugendhilfeausschusses beratend mit. Die Verbindung zum Landessportbund besteht durch unsere hauptamtlichen Mitarbeiter und hier stehen wir im ständigen Austausch, Dies alles funktioniert nur, wenn man gute Mitarbeiter hat. So ist es in der Sportjugend Börde.

2015 folgten Sie auf Jens Ackermann als Vorsitzender, wie kam es dazu?

Bis dahin war ich für die Finanzen zuständig und als Jens aufhören wollte, fragten mich die anderen Vorstandsmitglieder nach Vorschlag von Jens Ackermann, ob ich Vorsitzender der Sportjugend werden möchte. Auf dem Hauptausschuss im Jahre 2015 wurde ich dann von den Vertretern der Vereine zum Vorsitzenden gewählt.

Was haben Sie sich in Ihrer neuen Funktion damals vorgenommen und wie viel konnten Sie davon umsetzen?

Die Sportjugend Börde hat seit Jahren auf Landesebene einen hervorragenden Ruf, auch schon lange vor meiner Amtszeit. Das verdanken wir unserem Team Ralf und Susanne Sacher gemeinsam mit Thomas Keitel. Letzterer ist leider inzwischen nicht mehr bei der Sportjugend und hat sich eine andere berufliche Herausforderung gesucht. Es gibt unglaublich viele, sehr gute Maßnahmen und Projekte der Sportjugend Börde. Diese galt es weiter zu erhalten und auszubauen. Ein Anliegen war für uns, junges Engagement zu fördern. Wir wollen das durch ein Juniorteam innerhalb der Sportjugend organisieren. Bis zur Corona-Krise ist es uns gelungen, unsere Projekte über weite Strecken durchführen zu können.

Welche Herausforderungen stehen aktuell vor Ihnen?

In meiner zweiten Amtszeit sollte das Thema Digitalisierung eine wesentliche Rolle spielen. Leider sind wir, auch vor dem Hintergrund einer Gesamtstrategie, mit dem KSB noch nicht ausreichend in der Umsetzung.

Eine weitere große Herausforderung ist, dass unser Angebot für die Kinder und Jugendlichen im Rahmen der offenen Jugendarbeit stattfinden muss. Das stellt uns vor neue Anforderungen, denn es muss außerhalb der Schulzeit stattfinden. Wo früher die Schüler zu unseren Veranstaltungen während der Schulzeit im Klassenverbund gekommen sind, muss das heute außerhalb der Schulzeit stattfinden. Verschiedene Gründe führen dazu, dass die Kinder und Jugendlichen an den Nachmittagen und den Wochenenden nicht teilnehmen können.

Wie definieren Sie grundsätzlich Ihre Aufgaben als Vorsitzender?

Der operative Bereich ist für die hauptamtlichen Mitarbeiter. Im Ehrenamt, als Vorsitzender, kümmere ich mich um die strategischen Ziele. Diese Aufgaben fallen genauso in meinen Bereich, wie die Zusammenarbeit mit dem geschäftsführenden Präsidium des Kreissportbundes, Teilnahme an Sitzungen des Landessportbundes oder auch in Vertretung für unseren Geschäftsführer beim Jugendhilfeausschuss.

Immer wieder ist von Unstimmigkeiten zwischen Kreissportbund und Sportjugend zu hören. Wie nehmen Sie diese wahr?

Die Sportjugend Börde gehört als Organ des Kreissportbundes zur Sportfamilie des KSB. Wie auch in anderen Familien, gibt es innerhalb der Sportfamilie zu manchen Themen unterschiedliche Meinungen. Wichtig ist, dass man mit einander spricht und gemeinsam Lösungen im Sinne des Sports findet.

Worin liegt die Ursache für die Missstimmung?

Das ist meiner Meinung nach internen und externen Einflüssen genauso geschuldet, wie mangelnde Bereitschaft Kompromisse zu finden. Die Corona-Krise macht es nicht einfacher. Die Zusammenarbeit mit der Geschäftsstelle des Kreissportbundes, dem Präsidenten und dem Geschäftsführer ist für mich persönlich hervorragend.

Wie und wann haben Sie überhaupt Zugang zum Sport gefunden?

Persönlich habe ich mit sieben Jahren mit Schwimmen und Wasserball begonnen und dies gemacht, bis ich 16 Jahre alt war. Danach habe ich angefangen Billard zu spielen.

Welche Bedeutung geben Sie Sport in Ihrem Leben?

Ich beschäftige mich täglich mit Sport. Entweder spiele ich selber oder ich bin in einem meiner ehrenamtlichen Aufgaben unterwegs und organisiere Sport.

Sind Sie neben Ihrer Funktion in der Sportjugend auch in einem Verein engagiert?

Ja, ich bin im Vorstand des 1. Billardclub Magdeburg 1950 e.V. und bin stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Billard Jugend.

Was machen Sie dort?

Im Wesentlichen erarbeite ich Konzepte im Bereich des jungen Engagements und versuche das auch gleich durch interessante Projekte in Magdeburg umzusetzen. Ich kümmere mich aber auch um die Finanzen und die Budgetplanung innerhalb der Deutschen Billard Jugend. Dort bin ich stellvertretender Vorsitzender.

Gibt es eine Verbindung zwischen Vereinsarbeit und Sportjugend?

Ja, die gibt es immer wieder. Wissen und Erfahrung kann transportiert werden und manchmal gibt es auch Projekte die ineinandergreifen. So gibt es im nächsten Jahr voraussichtlich eine DBJ Academy in der Magdeburger Börde, zu der Sportler aus ganz Deutschland anreisen, wenn es die Bedingungen zulassen. Auch hier ist junges Engagement in Kooperation mit der Sportjugend auf Antragsebene, genauso wie in der operativen Gestaltung eine große Herausforderung. Der 1. BC Magdeburg und die Billardfreunde aus Altenweddingen werden zu den ersten gehören, die das neu entwickelte Billardabzeichen abnehmen werden. Dafür werden noch Schulen / Schulklassen gesucht.

Beruflich sind Sie, wie erwähnt, in einem Geldinstitut tätig. Wie schaffen Sie es, Familienleben, Job und Engagement im Sport zu vereinbaren?

Mit viel Unterstützung und Geduld meiner Familie sowie meines Arbeitgebers, der in der Region für die Region gerne Projekte innerhalb des Sports unterstützt. Das sind beispielsweise die Sterne des Sports und die Freiheit, mich auch um Sport zu kümmern.

Können Sie in Ihren Ehrenämtern von Ihrem Beruf profitieren?

Das glaube ich ganz bestimmt. Meine Stärken liegen in der Organisation, dem konzeptionellen Arbeiten und zusätzlich habe ich einen ganz ordentlichen Blick für Finanzen.

Und andersrum?

Meine Bank freut sich, wenn wir mit unserem Engagement in der Region dem Sport etwas Gutes tun können. Das kommt der Bank dann auch zugute.

Gibt es etwas, was Sie gern einmal machen möchten, wofür Ihnen aber die Zeit fehlt?

Gemeinsam mit meiner Frau, meinen drei Töchtern sowie deren Lebensgefährten möchte ich nach London fliegen und ein paar schöne gemeinsame Tage erleben. Das war für 2020 geplant und ist aus bekannten Gründen ausgefallen.

Was bleibt Ihnen aus diesem Jahr dennoch Positives in Erinnerung?

Die Chance und die Notwendigkeit, uns innerhalb des Sports neu aufzustellen. Gerade im Bereich der Sportjugend sind die Erwartungen an uns hoch, unsere Arbeit sehr strukturiert und gezielt in die offene Jugendarbeit zu überführen, ohne unsere Projekte dabei komplett aufzugeben.