Moritzburg/Klötze l Für fast jeden Pferdesportler ein Traum, der sich nie erfüllen wird, für ihn fast schon Normalität: Karl-Heinz Finkler vom RFV Klötze hat sich auch in diesem Jahr wieder mit zwei Pferden für das Bundeschampionat in Moritzburg qualifiziert und ist mit einer Vize-Bundeschampioness in die Altmark zurückgekehrt. 

Der sprichwörtliche Ferrari unter den Pferden und Ponys der schönen Anlage in Klötze Süd, in der die Schützlinge von Karl-Heinz „Kalle“ Finkler untergebracht sind und die beste Voraussetzungen bietet, heißt passender Weise „Caro van Ferrarie“.

Die elegante Dunkelfuchsstute aus der Zucht von Norbert Schmidt (Wittstock/Dosse) hatte bereits am Donnerstag bei der Qualifikation zum Championat der vier- und fünfjährigen Fahrpferde im sächsischen Landgestüt die Richter überzeugt und sich mit einer Wertnote von 7,29 auf Rang zwei platziert.

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Top Note vom Fremdfahrer

Am Samstag legten Finkler und die langbeinige Schönheit dann nochmal eine Schippe drauf. Mit einer 7,5 von den Richtern und sogar einer 9,5 vom Fremdfahrer wurde Caro nur knapp von Noble Lady an den Leinen von Bettina Winkler (Gestüt Bretmühle, 7,71 von den Richtern, 10 vom Fremdfahrer) geschlagen. Dabei mochte Fremdfahrer Christian Koller die Leinen von Caro kaum wieder hergeben und beendete seine Runden mit ihr unter dem Applaus der Zuschauer erst nach Aufforderung aus dem Lautsprecher.

„Er ist Obersattelmeister im Landgestüt Warendorf und war selbst mehrfach Bundeschampion. Wir sind früher oft gegeneinander angetreten. Er wollte Caro gern noch länger fahren“, freut sich Finkler über das positive Urteil, auf das er besonderen Wert legt, da es für die gute Ausbildung des Pferdes spricht, wenn es auch von fremden Profis gut zu fahren ist.

Geduld zahlt sich aus

Dabei war die Stute, die 2018 bereits als bestes dreijähriges Deutsches Sportpferd in allen drei Tests bei der Stutenleistungsprüfung im Brandenburgischen Haupt- und Landesgestüt Neustadt/Dosse siegte, kein ganz leichter Fall. „Caro war 2019 schon einmal für drei Monate zum Einfahren bei mir. Sie war sehr nervig, hatte nicht unbedingt die besten Voraussetzungen für ein gutes Fahrpferd. Aber, wenn man sich mit ihr einlässt und ihr Zeit gibt, dann gibt sie einem das auch zurück. Sie kämpft dann für einen mit“, weiß Finkler den Charakter der inzwischen Fünfjährigen zu schätzen.

Glück für Caro, dass sie bei dem erfahrenen Fachmann in der Altmark gelandet ist, der 2018 sogar einen „Tierschutzpreis für den besonders pferdefreundlichen Umgang und die besonders pferdegerechte sportliche Nutzung im Rahmen der Bundeschampionate in Warendorf“ erhalten hat. Nur sehr wenige haben so viel Wissen, Geduld und Einfühlungsvermögen, um sich auf so ein Pferd einzustellen und es dazu zu motivieren, Höchstleistungen zu erbringen.

Finkler erklärt dazu: „Ich habe bei der Arbeit mit den Pferden immer die Skala der Ausbildung im Hinterkopf. Dabei versuche ich aber schon, auf Charakter, Einstellung und die körperliche Entwicklung des jeweiligen Tieres zu achten. Wichtig ist, dass sie ihre Zeit bekommen. Die Besitzer, mit denen ich zusammenarbeite, sehen das auch ein. Wenn ich Druck bekomme, oder von vornherein gesagt wird, dass das Pferd in drei Wochen fertig sein soll, nehme ich das gar nicht erst an. Sowas mache ich nicht. Die Leute werden im Vorfeld von mir aufgeklärt und fragen mich ja auch meist, wie es läuft. Je nach Charakter, Einstellung und Entwicklung dauert es eben unterschiedlich lange. Die Besitzer werden von mir immer auf dem Laufenden gehalten – nicht nur über Erfolge, sondern auch bei Rückschlägen. Das gehört dazu.“

Norbert Schmidt ist auf jeden Fall zufrieden mit der Entwicklung seiner Stute. Der Züchter und Besitzer: „Ich bin super zufrieden. Sogar so zufrieden, dass das nächste Pferd im nächsten Jahr wieder zu Kalle geht. Eine Stute von Samba Hit I, Muttervater ist Quaterback und Caros Mutter ist die Großmutter.“

Für Caro geht es nun in der Ausbildung weiter. In Radegast, bei Springreiter Rainer Mankiewicz, soll sie zeigen, ob sie auch in dieser Sparte Talent hat.

Richard Ebermann steigert sich

Als zweites Pferd hatte Finkler „Richard Ebermann“ im Gepäck. Der kraftvolle schwarze Hengst hatte in der Klasse der schweren Warmblüter mit sehr starker Konkurrenz zu kämpfen – und ein wenig mit seinen Hormonen, die es ihm erschwerten, sein ganzes Potenzial abzurufen. Der Vierjährige verpasste die direkte Quali für das Finale. Im „kleinen Finale“ am Freitag steigerte er sich aber deutlich. „In der zweiten Prüfung hat er eine super Vorstellung abgegeben. Er hat eine sehr gute Einstellung, es waren aber einfach bessere Pferde da. Deshalb bin ich auch mit ihm zufrieden“, erklärt der Fahrer. Der Rappe, der schon seit 2019 zur Grundausbildung als Reit- und Fahrpferd in Klötze ist, scheiterte knapp, denn nur die zwei Besten kamen weiter.

Wie Caro wird auch Richard seine Box nun für das nächste Pferd freimachen. Fällt der Abschied schwer? „Es ist eine gewisse Routine drin, aber es fällt natürlich schwer, gerade weil man diese Pferde, die zum Championat gehen, ja länger hat. Bei manchen Pferden ist es besonders schwer. Das war mit Sir Lausitz so, der mit mir Doppel-Bundeschampion wurde. Er gehörte bei mir praktisch zur Familie, obwohl ihn vorher in Neustadt keiner mehr haben wollte, er als Arbeitsverweigerer galt. Ich habe ihn dann zum Fahren ausprobiert und er war später auch gut zu reiten, hat fast jede Prüfung gewonnen – mit horrenden Noten.“

Spaß bei der Arbeit

Was bedeutet Erfolg für jemanden, der seit etlichen Jahren immer wieder sehr erfolgreich die unterschiedlichsten Pferde und Ponys beim Bundeschampionat und anderen Prüfungen vorstellt, mehrfach den Titel gewann und sogar Vize-Weltmeister wurde? Finkler dazu: „Bei mir hängen nicht alle Schärpen und Schleifen an der Wand. Ich freue mich, wenn ich das Maximum aus den Pferden herausholen kann, ohne sie dabei zu überfordern. Es ist mir wichtig, dass die Pferde Spaß bei der Arbeit haben, nur dann geben sie auch alles für einen. Gute Leistung ist immer Werbung. Die Fremdfahrernoten und die Ausbildungsnoten der Richter – die sind mir wichtig, auch wenn sowas natürlich immer mal von der Tagesform abhängen kann. Bei mir ist es so: Wenn ich zum Beispiel Stuten bei der Leistungsprüfung vorstelle, behalten sie diese Noten ihr Leben lang. Das steht dann drin. Deshalb lasse ich mich auch nicht darauf ein, eben mal ein Pferd fertig zu machen. Turnierreiter haben es da etwas leichter, denn sie können sich immer wieder neu beweisen.“

Dank für die Unterstützung

So ausgeübt ist die Pferdeausbildung natürlich nicht einfach ein Beruf, sondern Berufung – und das erfordert einen großen Zeitaufwand. Kalle Finkler ist deshalb froh, dass seine Familie hinter ihm steht. Tochter Maria begleitete ihn sogar nach Moritzburg. „Sie hat die Geschirre geputzt und mich über die Whatsapp-Gruppe der Fahrer immer auf den neuesten Stand gebracht. Das war gutes Teamwork. Ich bin meiner Frau Claudia und meinen Kindern sehr dankbar, dass sie mich so unterstützen. Claudia guckt immer mal von unten drauf, sagt mir wie es aussieht – das ist mir ganz wichtig. Auch die neue Strategie, Caro viel mehr im Schritt zu arbeiten, war ein Tipp von ihr, der super funktioniert hat. Auch Edwin Wolf, Mitarbeiter von Norbert Schmidt, war in Moritzburg eine Hilfe, nicht zu vergessen natürlich meine Beifahrerin Michelle-Sophie Bloßfeld.“

Ein Dankeschön gab es bei Finklers Rückkehr auch für den Klötzer Stallmeister Daniel Herrmann: „Nur wenn man weiß, dass es im heimischen Stall vernünftig weiterläuft und die Pferde gut behandelt werden, dann kann man auch mal so ein längeres Turnierwochenende mitmachen.“

Mit diesem Team im Rücken, hofft Finkler auch im nächsten Jahr wieder beim Bundes­championat dabei sein zu können.

Dabei hat der Routinier als fairer Sportsmann einen Wunsch, auch für die anderen Fahrer: „Die Konkurrenz bei den schweren Warmblütern war groß, aber bei anderen Rassen wünscht man sich mehr Beteiligung. Da muss man sich vielleicht mal Gedanken machen. Bei einer Notenvergabe teils mit einer Drei vor dem Komma nimmt man dem ein oder anderen den Schneid. Ich finde, dann sollte man lieber schon bei der Qualifikation auf Landesebene strenger richten und die Noten beim Championat nicht so akribisch niedrig halten. Sonst fährt bald keiner mehr hin.“