Magdeburg l Cindy Lemme hat sich irgendwann auf eine große Entdeckungsreise begeben. Und das Thema dieser Exkursion lautete: „Muskelgruppen, von denen niemand wusste, dass es sie gibt.“ Diese Reise führte die Basketballerin vom USC Magdeburg in die „CrossFit“-Welt, die laut Internet-Lexikon „Wikipedia“ Gewichtheben, Sprinten, Eigengewichtsübungen und Turnen miteinander vereint. Womit als gesichert gilt: Cindy Lemme wird bis zum Saisonstart in der 2. Regionalliga Ost ganz viel Kraft und Ausdauer getankt haben, um voller Tatendrang das Ziel Klassenerhalt mit ihrer Mannschaft angehen zu können. Mit oder ohne Kater in den neu definierten Muskelgruppen.

Cindy Lemme ist bereits vor 25 Jahren auf eine große Entdeckungsreise gegangen. Das Thema lautete damals schlicht: „Basketball.“ Die Schülerin des Hegel-Gymnasiums wurde als Zehnjährige von Lutz Gerecke aufgemuntert und für gut befunden, in die Welt der Korbjäger einzutauchen. Gerecke selbst war der Nestor des Frauen- und Mädchenbasketballs in Magdeburg. Vor und nach der Wende.

Von Gerecke entdeckt

Gerecke, bei dem frühzeitig Parkinson diagnostiziert wurde und der vor drei Jahren mit 77 Jahren gestorben ist, führte zum Beispiel ein Team im Jahre 2000 in die 2. Bundesliga. „Da war ich noch nicht dabei, ich bin nach dem Abstieg in die 1. Regionalliga dazugekommen“, erklärt Lemme. Also genau ein Jahr später. Und das USC-Urgestein sollte fortan nur zwei Saisons verpassen.

Ihre Entdeckungsreise führte sie nämlich auch über den großen Teich. „Ich war in der Saison 2007/2008 an der Arm-strong Atlantic State Universtity in Savannah“, berichtet sie über ihren Aufenthalt im Bundesstaat Georgia (USA). Sie ging dort zum Training, sie wurde aufgenommen in das Team der NCAA Division II, der zweithöchsten College-Liga des Landes. „Ich war nur die Nummer drei auf meiner Position, trotzdem war es die beste Erfahrung in meinem Leben, die mich auch geprägt hat. Danach war ich abgehärtet, habe bei Rebounds ganz anders agiert. Ich habe nach meiner Rückkehr plötzlich 20 Punkte in einem Spiel gemacht und war damit Topscorer, das war mir vor dem Amerika-Jahr nie gelungen.“ Allein in der 2. Regionalliga der Saison 2009/10 sammelte sie unter ihrem Mädchennamen Stöhr 169 Zähler für den USC und war damit zehntbeste Werferin der Liga.

Eine völlig andere Erfahrung sammelte Lemme indes vor sieben Jahren. Das Thema dieser Entdeckungsreise lautete: „Familie.“ Sie und ihr René wurden Eltern einer Tochter. Die zweite Pause.

Hoffen auf besseres Niveau

Eine Pause hat Frauen-Basketball beim USC nie eingelegt. „Obwohl es immer schwierig war, weil das Personal knapp geworden ist“, sagt die Sozialpädagogin. „Aber wir haben es selbst in diesen Phasen immer geschafft, ein Team aufzustellen.“ Auch mit Studentinnen, die mit dem Semesterbeginn an der Uni hinzugekommen sind. Doch in der Saison 2018/19 ist die 1,70 Meter große Lemme kürzergetreten. „Es waren nur noch Jugendspielerinnen da. Und ich wollte nicht mehr als Spielertrainerin agieren“, berichtet sie über die damalige Situation: „Ich hatte sogar überlegt, komplett aufzuhören.“

Ehe Cindy Rössel, die heutige Trainerin, sie und andere Damen und deren ganze Erfahrung zurück ins Spiel holte und mit allen den Aufstieg in die 2. Regionalliga schaffte. Ganz zur Freude von Cindy Lemme. Denn: „Ich hoffe in jedem Fall auf ein höheres spielerisches Niveau der Konkurrenz.“

Nur keine Partien mehr, in denen der Sieg nur eine Frage der Höhe ist: „Irgendwann ist es langweilig, mit 100 Punkten zu gewinnen“, sagt die 35-Jährige, die als Aufbauspielerin die Topscorer mit Pässen bedient. „Und dann passt man sich schnell dem Niveau des Gegners an.“ Nach unten, aber auch nach oben. Cindy Lemme ist jedenfalls „überzeugt, dass wir in der 2. Regionalliga mithalten können“.

Gute Reise.