Magdeburg l Der 13. März 2020 war für den 1. Billardclub ein schwarzer Freitag. Zeitig trafen sich die Dreiband-Spezialisten in ihrem Spiellokal in der Brenneckestraße, wollten an den nächsten beiden Tagen gegen den BC Elversberg und BC St. Wendel antreten. Auch die beiden Profis Dick Jaspers und Dion Nelin waren bereits vor Ort.

Während die Deutsche Billard Union erst am Abend gegen 18 Uhr die Unterbrechung des Spielbetriebes in der Bundesliga veranlasste, hatten die beiden saarländischen Teams im Laufe des Tages bereits abgesagt. So blieb nur ein letztes Trainingsspiel gegen den SV Altenweddingen. Danach gingen die Lichter aus.

Auch wenn für die Magdeburger als aktueller Tabellenfünfter eine erfolgreiche Titelverteidigung nach drei Saisonniederlagen und mittlerweile zwölf Punkten Rückstand zu Tabellenführer BC München unmöglich scheint, sollte die Saison vernünftig zu Ende gespielt werden und als krönender Abschluss im Juni der Start beim Europapokal in Porto folgen.

Hoffnung besteht auf den Europapokal in Porto

Während die Meisterschaftssaison wohl beendet ist, besteht für den Saisonhöhepunkt in Porto noch ein Funken Hoffnung. „Es ist unrealistisch, dass die Punktspiele nachgeholt werden. Für die Austragung des Europapokals in Porto besteht hingegen noch ein kleiner Funken Hoffnung“, sagt Markus Schönhoff, die Nummer drei der Elbestädter.

Ein vorzeitiges Corona-bedingtes Ende hätte zudem zur Folge, dass Topstar Dick Jaspers nicht mehr in Magdeburg antreten würde. Der 54-jährige Holländer, unter anderem vierfacher Weltmeister und seit 2011 in Diensten des 1. BCM, bricht seine Zelte in Magdeburg ab.

„Dick Jaspers wird ab der neuen Saison nicht mehr für uns spielen. Das hat finanzielle Gründe“, bestätigte Teammanager Frank Eder auf Nachfrage ein schon länger kursierendes Gerücht. Der sympathische und über viele Jahre erfolgreiche Jaspers ist das sportliche Aushängeschild und Gesicht des BCM, kann aber künftig nicht mehr bezahlt werden, weil sich offenbar der Hauptsponsor – ein Sportartikelhändler im niedersächsischen Grasleben – zurückzieht.

Abschied von Weltstar Dick Jaspers

„Eigentlich habe ich sportlich alles erreicht. Aber Billard ist mein Beruf. Ich muss Geld verdienen. Und Billard ist auch mein Hobby, mein Leben“, erklärte Jaspers vor etwas mehr als einem Jahr im Gespräch mit der Volksstimme. Im Jahr 2018 spielte Jaspers immerhin 200 000 Euro mit Billard ein.

Nun hoffen Eder und Schönhoff, dass wenigstens in Porto gemeinsam mit Jaspers ein schöner und möglichst erfolgreicher Saisonabschluss gelingt. „Die Hoffnung stirbt zuletzt. Wir möchten gern dort spielen, auch wenn wir sicherlich nicht in Superform wären. Ein Start in Porto ist auch fest im Saisonetat eingeplant, praktisch die Belohnung für unsere vorjährige Meistersaison“, so Schönhoff.

Schönhoff: „So etwas habe ich noch nicht erle

Der ist wie die meisten seiner Mannschaftskameraden als Amateur zur Zwangspause verdonnert, hat natürlich keinen Billardtisch zu Hause. „Den Platz habe ich gar nicht. Da wäre ein Zimmer nur dafür nötig.“ So bleibt das Videostudium als einzige Möglichkeit. „Zum Glück gibt es einige von meinen Spielen und eine Menge von Dick Jaspers. Wir haben so ziemlich den gleichen Stil, sind keine schnellen Spieler und nutzen zumeist die 40 Sekunden voll aus. Dennoch ist das natürlich kein Trainingsersatz und das Stoßgefühl geht schon ein wenig verloren. So etwas habe ich noch nie erlebt“, erklärt der Bernburger Schönhoff, der auch schon an Weltmeisterschaften teilnahm.

Profi Dick Jaspers hat einen Trainingsraum mit Billardtisch zu Hause im holländischen Sint Willebrord nahe Breda, streamt sogar dreimal wöchentlich live Trainings-Impressionen für seine Fans, zu verfolgen auf kozoom.com.

Dem französischen Internet-Spartensender erklärte Jaspers vor einigen Tagen: „Ich habe das Billardspielen zurückgefahren. Im Moment habe ich viel Arbeit in meinem Haus und kümmere mich um Dinge, für die ich bisher keine Zeit hatte. Hoffentlich können wir bald zum normalen Leben zurückkehren.“

Verein nicht in Gefahr, steht auf soliden Füß

Auch beim 1. BCM in Magdeburg bleiben die Akteure im Stand by, obwohl niemand mehr daran glaubt, dass die Saison weitergeht. „Unser Verein ist aber nicht in Gefahr, steht auf soliden Beinen, auch wegen der großen Pool-Abteilung“, so Dreiband-Spezialist und Vereins-Urgestein Frank Eder.