Magdeburg l Ein dumpfes Wummern kündet vor einem Hohenwarsleber Geschäftshaus die in wenigen Minuten beginnende Trainingseinheit der dort beheimateten Boxer der Stieglitz Box Akademie an. Die Kids wärmen sich mit Basketballspielen vor der eigentlichen Einheit auf, das Wummern kommt vom Dribbeln mit dem großen Basketball.

Der eingetragene Verein ist jüngstes Kind der erfolgreichen Magdeburger Boxfamilie, der allerdings seit Gründung im Juni 2018 seine Heimstatt in Hohenwarsleben vor den Toren der Landeshauptstadt hat.

Sind ein Magdeburger Verein

„Auch wenn wir hier unsere sportliche Heimat haben, sind wir ein Magdeburger Verein, sind Mitglied im Stadtsportbund“, so Präsident Bastian Kirchner (42), der gemeinsam mit Chefcoach Andrej Sviridov die sportlichen Geschicke des Vereins leitet. „Wir hätten uns liebend gern auch in Magdeburg niedergelassen. Doch haben wir dort null Unterstützung, weder in Form einer Heimstatt noch in Form von Hallen-Trainingszeiten, bekommen.“

Dank der Unterstützung eines befreundeten Geschäftsmannes hat der Verein letztlich Räumlichkeiten in der ersten Etage eines Geschäftshauses in der Bördegemeinde zu moderaten Mietpreisen erhalten.

Viele Helfer packen mit an

Doch damit gingen die Arbeiten erst los. „Robert Stieglitz, unser Cheftrainer Andrej Sviridov und viele, viele Helferinnen und Helfer, vor allem aus unseren Familien, haben danach Hand angelegt, um aus den Räumlichkeiten eine boxtaugliche Stätte nebst Sanitärtrakt zu errichten“, erzählt Kirchner, der wie viele Unterstützer zahlreiche Stunden in den Verein investierte und investiert, weiter.

So nutzte man Kontakte nach Halle, um vom dortigen Eishockeyverein „für kleines Geld“ einen tauglichen Boden zu organisieren und zu verlegen. Aus Aschersleben, vom dortigen PSV, kam Unterstützung in Form eines Boxringes, der vor Tradition nur so strotzt. „In diesem Ring haben die Boxer beider deutscher Staaten 1977 bei den Europameisterschaften in Halle zwei Gold-, sieben Silber- und zwei Bronzemedaillen gewonnen“, so Kirchner stolz.

Bereits 14 aktive Wettkämpfer

Aktuell hat der Verein 70 Mitglieder, von denen zehn dem weiblichen Geschlecht angehören und mehr als die Hälfte (45) im Kindes- und Jugendalter sind. 14 Boxer sind im Besitz eines Startbuches, können an Wettkämpfen teilnehmen.

Das Gym, das nicht nur den Namen des einstigen Magdeburger Profibox-Weltmeisters Robert Stieglitz trägt, sondern von diesem auch in vielfältigster Art und Weise unterstützt wird, hat sich in kürzester Zeit landes- und bundesweit einen guten Namen gemacht.

Erfolgreichster Verein mit neun Titeln

Bereits nach wenigen Monaten nahm der Verein erstmals an den Landesmeisterschaften teil, war mit neun Titeln, davon sieben im Nachwuchsbereich, gleich erfolgreichster Verein. Den größten Erfolg feierte das Gym aber bei den deutschen Meisterschaften, als Alexander Lehmann in der Altersklasse U 18 Vizemeister wurde.

Sowohl Kirchner als auch Sviridov, der Litauer lässt in der täglichen Trainingsarbeit viele Inhalte aus der russischen Boxschule einfließen, haben sich voll und ganz dem Boxen verschrieben, sind an sechs von sieben Tagen in der Woche im Camp anzutreffen.

Beide arbeiten und leben nach dem Motto „Job, Familie und Boxen sind unser Leben.“ Wobei Familie und Boxen kaum von einander zu trennen sind, da auch ihre Kinder im Verein trainieren. So gehören Daniel Sviridov, Leon und Kevin Kirchner neben Hennis Hellmich, Boris Schimanski, Alexander Lehmann, Sergej Stinger und Don Kuhlmey zu den talentiertesten Boxern des Vereins.

Beide sind vom Boxen überzeugt, da dieser „Sport fair und nach klaren Regeln ausgeführt wird, er perfekt den eigenen Körper in Form bringt, die Ausdauer fördert und Streß und Aggressionen abbaut und so für mehr Ausgeglichenheit sorgt.“ Das alles und noch mehr lehren sie auch ihren Schützlingen.

Verein ist Familiensache

Doch nicht nur das Boxen und das Training erfordern die Mitarbeit vieler Helfer. „Unsere Familien helfen auch bei der Reinigung des Camps, organisieren und gestalten die Fahrten zu Wettkämpfen“, so der Präsident, der einst beim Punching boxte und Landesmeister war, weiter.

Das alles kostet natürlich auch Geld. Geld, welches auch in diesem Verein knapp ist. „Wir finanzieren uns fast ausschließlich über Beiträge. Könnten vieles aber ohne unsere Sponsoren nicht realisieren. Daher würden wir uns über weitere Unterstützer sehr freuen“, richtet Kirchner einen Aufruf an Wirtschaft von Stadt und Umland.

Das dem Verein die Arbeit mit Kindern besonders am Herzen liegt, zeigt auch das von ihm betriebene „Projekt gegen Gewalt“ an einer Oschersleber Sonderschule. Zudem plant der Verein einen Ausbau seiner Aktivitäten, eröffnet in Bälde eine Außenstelle in Ottersleben.