Magdeburg l Seit 20 Jahren treffen sich die ehemaligen Oberliga-Spieler des SV Fortuna Magdeburg in „Bines Bierstube“ zum festlichen Umtrunk, erzählen sich aus einer Zeit, in der die Gegner am Schöppensteg Suhler SV, VfB Grimma oder Wacker Nordhausen hießen. „Bines Bierstube“ ist die Kneipe der Fortunen, in der auf Bildern an den Wänden alles an die Geschichte des Vereins erinnert. Und in der auch Andreas Ibe an diese Ära gerne erinnert wird. „Nur in diesem Jahr ist das Treffen zum ersten Mal ausgefallen“, berichtet er. Wegen Corona.

Am 28. April 2006 ist Ibe, damals 28 Jahre alt, ebenfalls im Werner-Seelenbinder-Stadion aufgelaufen. Und wie des Öfteren in seiner Fortunen-Ära hat er an diesem Abend gewonnen – allerdings nicht für die Neustädter, sondern für den VfB Ottersleben. Im Finale des Magdeburger Fußball-Stadtpokals.

"Komplett chancenlos"

Der Gegner hieß: Fermersleber SV. Es war das Duell zweier Rivalen in der Landesliga Nord. Ibe kann sich nur schwer jenes Endspiel vor Augen führen, das Ottersleben mit 4:0 (2:0) für sich entschied. Ibe war der Libero, der zentrale Mann in einer Dreierkette. Ibe hatte wenig zu tun an diesem Abend, er wurde nach 80 Minuten sogar ausgewechselt für René Frebel. Einer seiner Gegenspieler, die Ibe im Zweikampf allerdings selten gesehen hat, erklärt: „Wir waren der klare Außenseiter. Und wir waren komplett chancenlos.“

Bilder

Der Gegenspieler hieß Michael Kessler. Heute stürmt Kessler in der Landesklasse 2 für Blau-Weiß Gerwisch, damals räumte er vor seiner Fermersleber Abwehr ab und eröffnete zugleich das Spiel nach vorn. Nur fand die Offensive des FSV irgendwie nicht statt.

Der VfB dominiert

So liest sich der Volksstimme-Artikel aus jener Zeit zumindest. „Von Beginn an dominierten nur die VfB-Kicker, die mit ihrer ersten Chance gleich die Führung erzielen konnten“, stand dort geschrieben. Diese Führung war der Anfang von Chancenreichtum. Lars Behrens markierte nicht nur das 1:0 in der 14., sondern auch das 2:0 in der 21. Minute.

„Lars war ein sehr schneller Spieler“, erinnert sich Ibe. „Damit war das Spiel schon entschieden“, erinnert sich wiederum Kessler. Und die Volksstimme berichtete weiter: „Bis zum Seitenwechsel hätten die Ottersleber schon das halbe Dutzend voll machen können. Die Fermersleber enttäuschten hingegen auf der ganzen Linie und fanden nie zu ihrem Spiel. Zudem war die gestellte Abseitsfalle häufig nur eine Farce.“ Was der mittlerweile 34-jährige Kessler bestätigt: „Für uns war es ein absolut gebrauchter Tag.“ Den nach dem Seitenwechsel Christian Siersleben mit dem 3:0 in der 46. und letztlich René Frebel zum Endstand in der 89. Minute vollendeten.

Kessler siegt später mit Gerwisch

Ibe war damals der Teil einer gestandenen Mannschaft, zu der auch junge und dynamische Akteure zählten. „Wir waren eine coole Truppe“, erklärt der (noch) 44-jährige Ibe, der heutige Vizechef des FSV Barleben. Ottersleben belegte damals den siebten Platz in der Landesliga. „Die Erfahrung hat den Unterschied gemacht“, sagt Kessler, der mit dem FSV zugleich in die Landesklasse abgestiegen war.

Kessler versuchte sich danach noch ein zweites Mal im Magdeburger Stadtpokal – und verlor mit Roter Stern Sudenburg gegen Germania Olvenstedt nach einer 2:0-Führung noch mit 3:5. Das war in der Saison 2011/2012. Einen Pokal hat er trotzdem gewonnen: „Gleich in meinem ersten Jahr in Gerwisch hat es geklappt“, berichtet er lächelnd. 2019 durfte er den Pokalsieg im Jerichower Land feiern.

Gefeiert hat Andreas Ibe den damaligen Erfolg in seiner einzigen Saison für Ottersleben – er kam von Kali Wolmirstedt, er ging nach Barleben – natürlich auch. Auf dem Firmengelände des Sponsors Klaus-Dieter Runge „wurde aufgetafelt“. Da gab es an diesem Abend womöglich mehr zu tun für ihn als im Finale zuvor.