Magdeburg l Seit kleinauf jagte Alexander Geschke leidenschaftlich dem runden Leder nach. Zuerst in seiner Harzer Heimat, in Blankenburg und Quedlinburg, im Großfeld-Bereich folgte dann der Wechsel zum 1. FC Magdeburg. Bis in die A-Junioren-Regionalliga schaffte es Geschke dort, der Sprung zu den Profis war für ihn allerdings nie ein Thema. Im Gegenteil: „Die Luft war irgendwann raus. Ich war satt“, erzählt er.

„Fünfmal die Woche Training, dazu am Wochenende teils sehr weite Fahrten zu den Spielen. Dabei der ständige Leistungsdruck. Das hat schon gezehrt“, erklärt Geschke. Deshalb entschied er sich damals vor seinem Abitur für die Schule anstelle des Sports und resümiert heute: „Bereut habe ich diese Entscheidung nicht.“

Stadtoberliga statt Regionalliga

Den leistungsorientierten Fußball gab er damals auf, kickte statt für die Regionalliga-Junioren des FCM bei den Stadtoberliga-Herren des SV Eintracht „nur noch nebenbei und zum Spaß“. Als Eintracht seine Mannschaft zwei Jahre später während der Saison 2015/16 aus dem Spielbetrieb zurückzog, nahm Geschke dies zum Anlass, die Töppen im Alter von nur 20 Jahren vorzeitig an den Nagel zu hängen. „In dieser Zeit hat mir nichts gefehlt“, erzählt er.

So blieben seine Fußballschuhe bis zum letztjährigen Sommer unbenutzt, stattdessen hielt er sich mit einem eigenständigen Fitnessprogramm in Form. Erst dem Einsatz seines Kommilitonen Robert Munka war es zu verdanken, dass Geschke zu seinem Sport zurückkehrt ist. „Er hat mich breitgeschlagen, dass ich doch beim HSV Medizin mittrainieren und beweisen soll, was ich am Ball draufhabe“, erzählt Geschke. Dies tat er und spürte dabei das „alte Gefühl“ wieder.

Spaß beim HSV Medizin gefunden

„Medizin hatte eine coole Truppe, mit vielen guten Typen. Es hat richtig Spaß gemacht und die alte Freude am Fußball kam wieder auf“, beschreibt es der Master-Student. Ein großer Rückschlag war es da, als der Landesklasse-Vertreter im Sommer – wie zuvor schon der SV Eintracht – seine Mannschaft zurückziehen musste: „Das hat mich mehr getroffen als damals.“

Wieder stand Geschkes Laufbahn vor einem vorzeitigen Ende, wäre da nicht Florian Mehr gewesen. Sein Coach beim HSV Medizin war als Co-Trainer zum MSC Preussen zurückgekehrt und hat den Defensivspieler an den Landesligisten vermittelt. „Alleine hätte ich mir wohl keinen neuen Verein gesucht, hätte mich wieder auf mein eigenes Programm fokussiert. Darum bin ich ganz froh, dass Flori mich mitgenommen hat“, erzählt Geschke.

„Bei Medizin hat sich Alex schon durch eine gute Spielübersicht, eine sichere Ballkontrolle, sein Passspiel und seine robuste Art ausgezeichnet“, erklärt Mehr die Gründe, warum er dem früheren Aussteiger den Sprung in die Landesliga schon zugetraut hatte.

Eindrucksvoller Einstand

Und auch Preussen-Coach Torsten Marks war sofort überzeugt. „Bei seinem ersten Probetraining hat er schon einen sehr guten Eindruck hinterlassen. Da war schon zu sehen, dass er der Mannschaft weiterhelfen kann“, so Marks. Dass der ambitionierte Landesligist ausgerechnet bei einem gegen den Abstieg spielenden und abgemeldeten Landesklasse-Vertreter fündig wurde, bringt den 47-Jährigen zum Schmunzeln: „Die Konstellation ist echt komisch. Das zeigt aber einmal mehr, dass es auch unterhalb der Landesliga sehr gute Fußballer gibt.“

Wiedersehen mit Schaarschmidt

Beim MSC Preussen spielt Geschke nun wieder an der Seite von Tim Schaarschmidt, der schon im FCM-Nachwuchs sein Teamkollege war. Im Gegensatz zu ihm hat der Neuzugang aus Stendal in den letzten Jahren aber viel Erfahrung im höherklassigen Fußball gesammelt.

„Einerseits ist das super, weil er eine enorme Qualität mitbringt. Andererseits aber auch Druck, weil man seinen Ansprüchen als Mitspieler gerecht werden möchte“, erzählt Geschke und stellt umgehend klar: „Das ist natürlich positiver Druck.“

Trainer Marks stellt dem Defensiv-Allrounder bis dato jedenfalls ein sehr positives Zeugnis aus: „Er ist ein absoluter Glücksfall für uns. Ein sehr zuverlässiger Spieler, der in jedem Training und Spiel alles gibt und sich dabei voll der Mannschaft unterordnet.“

Seine Position gefunden

So hat sich der Neuzugang in der Preussen-Defensive eingespielt, kam in zehn der bisherigen elf Pflichtspiele zum Einsatz. Vornehmlich auf der Rechtsverteidigerposition, aber: „Ich spiele überall dort, wo mich der Trainer aufstellt“, sagt Geschke.

Eine solche Erfolgsstory hätte der 25-Jährige bei seinem Wechsel im Sommer selbst nicht für möglich gehalten. „Alle meine Erwartungen wurden bei Preussen noch übertroffen. Ich fühle mich sehr wohl und bin sehr zufrieden, dass der große Qualitätssprung gelungen ist“, erzählt er. Gesch-kes Streben nach erfolgreichem Fußball ist inzwischen ebenso zurück wie der Spaß am Sport: „Mit dieser Mannschaft muss es das Ziel sein, in die Verbandsliga aufzusteigen.“