Magdeburg l Sieg ist nicht gleich Sieg, Gefühl ist nicht gleich Gefühl. Nicht bei Dominic Carl. Und nicht am vergangenen Sonnabend. Für den Angreifer des VfB Ottersleben fühlte sich der 3:2 (2:0)-Erfolg gegen den SV 09 Staßfurt viel besser an. „Wir wussten, dass es ein schwieriges Spiel für uns wird“, berichtete Carl. Nicht nur aufgrund des Kontrahenten, sondern vor allem, weil hinter den Fußballern vom Schwarzen Weg weniger erfolgreiche Wochen lagen. „Eine weitere Niederlage wäre für uns ein schwerer Rückschlag gewesen“, erklärte der 19-Jährige also. „So aber sind wir gestärkt aus dieser Partie gegangen.“

Carl ist einer der Protagonisten des großen Umbruchs beim VfB in der Vorsaison. Im Sommer 2019 war er als A-Junior wie so viele andere plötzlich bei den Männer gefordert – zudem in der Landesliga, wo man eigentlich durchgehend gestandene Spieler vermutet, die die Youngsters ihres Vereins allenfalls punktuell anleiten. Nur nicht in Ottersleben.

Aus dem ältesten Nachwuchs, der in der Verbandsliga spielte, zog der neue Trainer Oliver Malchau quasi eine Mannschaft hoch und stellte diese an die Seite erfahrener Akteure wie Matthias Malchau, Lukas Prenzer oder Florian Purrucker. „Für gefühlt 80 Prozent der Spieler war es die ersten Männersaison“, bestätigte Carl. „Alle haben ein ganz anderes Tempo, eine ganz andere Härte erfahren.“ Und alle sind letztlich dank Corona in der Liga verblieben.

Mannschaftssitzung vor der Saison

Dass diese Kombination aus Reife und jugendlichem Eifer dann nicht immer zur gemeinsamen Freude im Team führte, ist nur selbstverständlich. „Wir haben uns deshalb vor dieser Saison in der Mannschaft zusammengesetzt, seitdem funktioniert es besser“, berichtete Carl. „Wir sind gewachsen, das merkt man auch an der Stimmung. Und wir sind viel besser in die Saison gestartet.“ Mit inzwischen sieben Punkten aus fünf Begegnungen.

Stimmung herrschte auch am vergangenen Sonnabend. Bereits nach drei Minuten, als Luca Hohmann Carl bediente, der die Führung erzielte. Und die Stimmung erreichte einen noch höheren Pegel, als Carl-Friedrich Graup nach zwölf Minuten sogar auf 2:0 erhöhte. Nur: „Danach bringen wir selber die Staßfurter ins Spiel.“ Wegen erhöhter Passivität zum Beispiel.

Carl markierte noch den dritten Treffer (75.), diesmal nach Pass von Luca Bölke, aber Staßfurt schaffte jeweils den Anschluss zum 2:1 und zum 3:2. „Danach standen wir nur noch in der Abwehr, aber das muss auch mal sein“, sagte Carl und betonte einmal mehr sein besonderes Gefühl: „Daraus schöpft man Selbstvertrauen für die kommenden Aufgaben.“ Wie am kommenden Sonnabend bei Saxonia Tangermünde, dem Aufsteiger, dem Spitzenreiter (15 Uhr).

Sicherer im Abschluss werden

Um diesen wiederum zu bezwingen, benötigt der ewige Ottersleber Carl, „der nie woanders gespielt hat“, der auch in dem Magdeburger Stadtteil aufgewachsen ist und lebt, eine Stärke, nach der er bis zum Staßfurt-Duell lange gesucht hat. „Ich muss sicherer im Abschluss werden“, betonte Carl. „Ich bin ein recht großer Spieler, der vorne die Bälle festmachen kann, aber ich habe schon in der vergangenen Saison viele Chance liegenlassen.“ Inzwischen hat er drei Treffer erzielt. Und nach dem Doppelpack gegen 09 ist er sogar in die „FuPa-11 der Woche“ gewählt worden.

Keine Gedanken macht er sich indes um die Mannschaft selbst. Dass zuletzt „sieben, acht Spieler gefehlt haben, die alle das Potenzial haben, in der Startformation zu stehen“, wie Malchau erklärte, zeigt auch Carl, wie breit der Kader aufgestellt ist. „Wir haben alle die Ausdauer, wir haben alle eine gute Vorbeereitung absolviert, wir können alle 90 Minuten gehen“, sagte Carl. Und trotzdes jungen Durchschnittsalters von 23,31 Jahren „haben wir ja schon lange miteinander gespielt“. Die Automatismen sind also vorhanden. Trotzdem wünscht sich auch Carl, dass die Verletzten alsbald wieder genesen zurückkehren auf den Platz. Wie Jonas Riemann, 18 Jahre, der sich in der Freizeit am Knöchel verletzt und nach dem Staßfurt-Sieg im Zentrum des Jubelskreises auf Krücken mitgetanzt hat.

Am Ende bescherte dieser 3:2-Erfolg also nicht nur Dominic Carl ein ganz besonderes Gefühl. Man kann sich deshalb gut vorstellen, wie es sich für den VfB Ottersleben anfühlt, sollte er in Tangermünde für eine Überraschung sorgen.