Magdeburg l Der Blick auf das Tableau der Landesklasse, Staffel 2, offenbart vor dem zwölften Spieltag ein ungewohntes Bild. Ging die Entscheidung um die (Herbst-)Meisterschaft in den vergangenen Spielzeiten noch regelmäßig über die Landeshauptstadt und fand in der Vorsaison mit fünf Magdeburger Teams in der Endabrechnung ganz oben einen Höhepunkt, ist es in diesem Jahr ganz anders.

Mit dem Landesliga-Absteiger Burger BC, dem Aufsteiger TSV Niederndodeleben und Vorfläming Nedlitz stehen drei auswärtige Teams auf dem Treppchen, die acht Magdeburger Vertreter tummeln sich hingegen allesamt in einer Spanne von acht Punkten zwischen Platz vier und zwölf. Und das, obwohl zumindest Arminia und Fortuna II mit dem Anspruch, ein Wörtchen im Titelrennen mitzureden, in die Saison gestartet waren.

Ausgeglichene Liga

Doch gilt für diese beiden ebenso wie für Titelverteidiger Besiegdas und viele andere Vertreter: Die Konstanz fehlt. Nicht nur in den Leistungen, sondern vor allem in den Kadern am Spieltag, was sich dann wiederum in den Ergebnissen widerspiegelt.

So ist das Zusammenrücken der Liga trotz zweier starker Aufsteiger nicht als Qualitätssteigerung in der Breite zu verstehen. Viel mehr ist der Burger BC vorne allein auf weiter Flur, während die Liga dahinter so ausgeglichen ist, dass jeder jeden schlagen kann.

Arminia

Zwiegespalten fällt das Fazit von Arminia-Coach Thomas Tietz nach zehn Partien aus: „Mit den ersten fünf Spielen bin ich sehr zufrieden, dann nimmt die Zufriedenheit kontinuierlich ab.“ Diese Bewertung ist nachvollziehbar: Während die Arminen bis zum fünften Spieltag eine perfekte Punkteausbeute bilanzierten, kamen seitdem lediglich drei weitere Zähler hinzu, so dass die Buckauer mit 18 Zählern auf Platz fünf stehen.

Der Grund dafür ist leicht ausgemacht: „Die hohe Fluktuation. Ab einem gewissen Maß kann man das dann nicht mehr kompensieren.“ Dabei fand der Spielermangel bei der eigentlich breit aufgestellten Arminia zwei unrühmliche Höhepunkte. „Das 0:6 bei Post war die Krönung. Die Spielverlegung gegen die FCM-Zweite dann schon unangenehm“, so Tietz. Inzwischen wurde aus der Not des Spielermangels eine Tugend gemacht, so dass die ohnehin angestrebte Verjüngung nun umso mehr im Fokus steht. „Ich denke immer positiv. Wenn sich alles wieder eingepegelt hat, streben wir den zweiten Platz an“, blickt Tietz in die Zukunft.

HSV Medizin

Dass der HSV Medizin zum gegenwärtigen Zeitpunkt mit zehn Punkten aus zehn Partien gegen den Abstieg spielt, kommt für Kapitän René Kowalewski wenig überraschend. „Die erwartet schwere Saison ist komplett eingetreten“, meint er. „Nach dem großen Umbruch im Sommer mit den Abgängen und dem Trainerwechsel mussten wir uns natürlich erst finden“, fährt Kowalewski fort.

Mit sechs Punkten aus den ersten drei Spielen gelang der Start noch souverän, doch ließen fünf Niederlagen in Serie die Mediziner tief rutschen. „In den letzten Wochen hat man immer mehr gesehen, dass wir uns als Mannschaft besser verstehen und näher zusammengerückt sind. Auch die Handschrift des Trainers ist jetzt deutlich erkennbarer“, freut sich der Keeper über den mit vier Punkten gestarteten Positivtrend. „Vor allem beim 3:1 gegen Nedlitz haben wir die Vorgaben des Trainers zu 100 Prozent umgesetzt. Dann sieht man, was möglich ist.“

Weil sich zur ansteigenden Form auch die Verletztensituation entspannt, erhofft sich der Kapitän vor dem Winter noch einiges: „Mit uns ist auf jeden Fall zu rechnen.“

Fortuna II

Auf eine bisherige Saison am Anschlag blickt Fortuna-Coach Marco Kilian zurück. Mit sechs Siegen und fünf Niederlagen bewegen sich die Fortunen immer zwischen beiden Extremen, sind mit 18 Zählern aktuell dennoch der beste Magdeburger Vertreter in der Staffel. „Wir sind gut im Soll“, meint Kilian zur aktuellen Position, „wenngleich wir ein paar Punkte auf der Strecke ließen. Drei der fünf Niederlagen waren komplett unnötig.“ Kilians wichtigste Erkenntnis lautet aber: „Wir spielen nicht schlechter als letztes Jahr.“

Wie so viele Teams hatten auch die Schöppensteg-Kicker im Saisonverlauf bereits Kaderprobleme. So mussten in Nedlitz sowohl Trainer Kilian als auch sein Kollege Denis Einecke einspringen. „So haben wir uns das nicht vorgestellt. Wir hoffen, nicht noch mal in diese Situation zu kommen“, sagte der 48-Jährige zum notgedrungenen Einsatz.

Trotz Verjüngung im routinierten Kader soll der Platz aus der Vorsaison zumindest bestätigt werden: „Wir wollen wieder unter den Top drei landen.“ Sieben Punkte und die Revanche bei Arminia sollen dafür vor der Winterpause her.

Post SV

In der Spielhagenstraße überwiegt die Freude über die geglückte Landesklasse-Rückkehr. „Als Trainer sollte man nie ganz zufrieden sein, aber wir haben das schon sehr ordentlich gemacht“, ordnet Coach Jörg Grau die bisherige Saison ein. Kein Wunder, schließlich steht der Post SV aktuell mit 15 Zählern auf einem starken sechsten Platz. Und das, obwohl der Aufsteiger erst vor zwei Wochen mit dem 5:1 in Gommern die ersten Auswärtszähler einfuhr. Dafür stehen zu Hause vier Siege aus fünf Partien zu Buche: „Uns freut es besonders, dass wir die Heimstärke in die neue Liga mitnehmen konnten. Auswärts müssen wir noch besser in Tritt kommen, aber das ist – insbesondere auf Rasenplätzen – nicht leicht.“

Auch die große Torgefahr konnten die Westring-Kicker bis dato konservieren, stellen sie mit 32 Treffern aktuell doch den drittbesten Angriff der Staffel: „Das ist der Offensivfußball, den wir so lieben. Dass wir mit unserer Dreierkette hinten etwas anfälliger sind, ist dabei kalkuliertes Risiko.“

SSV Besiegdas

Angespannter ist die Situation beim SSV Besiegdas 03. Aktuell ist der Vorjahresmeister im Mittelmaß gefangen – Platz acht. „Die Tabelle spiegelt unsere bisherige Leistung wider“, meint Kapitän Vinzent Rasche mit kritischem Unterton. „Meiner Meinung nach könnten wir mit der vorhandenen Qualität besser dastehen, aber dieses Jahr kommt zu viel zusammen“, ergänzt er.

Dass es nach der Meisterschaft im Herzschlagfinale und diversen Abgängen im Sommer nicht leicht werden würde, war den Beteiligten zwar klar, „aber als Titelverteidiger hat man für sich selbst den Anspruch, oben mitzuspielen“.

Dafür blieben die Grün-Gelben in dieser Saison aber zu häufig unter ihren Möglichkeiten: „Wir haben es zu oft nicht an die 100 Prozent geschafft und das ist uns auf die Füße gefallen.“ Dabei zeigte Besiegdas gerade in den beiden Landespokal-Auftritten zum Saisonstart seine Klasse. „Würden wir öfter so spielen, stünden wir sicherlich besser da“, meint der Kapitän.

So reicht es aktuell jedoch zu keinem Titel außer dem des Remis-Meisters mit fünf Unentschieden in elf Spielen.

BSV 79

Einen „soliden Start“ ins „verflixte zweite Jahr“ landete BSV 79, der aktuell auf dem neunten Platz rangiert. „Wir haben schon mehr Punkte eingefahren, als uns die meisten zu diesem Zeitpunkt zugetraut hätten“, kommentiert Trainer Stephan Behrens die Ausbeute aus zehn Spielen in der zweiten Saison nach dem Aufstieg 2018. Dabei ist die Freude besonders auf den Fakt gerichtet, dass in sechs Partien gepunktet wurde (drei Siege, drei Remis), während nur vier Spiele verloren gingen. In der vergangenen Serie sah diese Bilanz mit zwei Siegen und einem Remis bei gleich sieben Niederlagen noch ganz anders aus. „Nicht nur die Ausbeute freut mich, sondern auch die Art und Weise, wie wir aufgetreten sind“, so Behrens. Wenngleich nicht jeder Auftritt zu überzeugen wusste: „Es hat zwei Spiele gegeben, in denen wir uns unter Wert verkauft haben.“

Das könnten die Cracauer in den vier verbleibenden Partien bis zur Winterpause aber vergessen machen: „Wenn wir da noch sechs Punkte einfahren, sehe ich uns auf einem sehr guten Weg.“ Heimsiege am Samstag gegen Gerwisch (13 Uhr) und gegen Gommern (14.12.) wären da von enormem Wert.

FCM II

Insgesamt sind wir mittlerweile sehr zufrieden mit der Saison“, freut sich Kapitän Sönke Beckmann nach zehn Spielen seiner FCM-Zweiten. War der Saisonstart doch alles andere als leicht: „Nach vier Spieltagen hatten wir magere zwei Punkte und mehrere Verletzungen. Da saßen wir mit dem inneren Kreis und dem Trainer zusammen und haben uns vorgenommen, bis zum Winter auf zwölf Punkte zu kommen.“

Diese Marke hat die Club-Reserve mit zuletzt drei Siegen in Serie bereits geknackt: „Ergebnistechnisch können wir sehr zufrieden sein, aber auch mannschaftlich haben wir eine gute Entwicklung genommen. Die Neuen und Jungen haben sich gut integriert und den Vertrauensvorschuss bereits mit Leistung zurückgezahlt.“ Dennoch ist die aktuelle Lage im Tableau trügerisch.

Zwar steht das Heyse-Team mit 14 Punkten aktuell auf dem scheinbar sicheren siebten Platz, nur vier Zähler hinter dem Treppchen, doch ist es bis zum ersten Abstiegsplatz nur ein Punkt mehr. „Wir können noch nicht sagen, dass wir komplett unten raus sind“, so Beckmann, „aber angesichts unserer aktuellen Form geht der Blick definitiv nach oben.“

Germania Olvenstedt

Bei vielen Kontrahenten als einer der Mitfavoriten gestartet, wurde früh in der Saison klar, dass diese Erwartungshaltung an Germania Olvenstedt zu hoch gegriffen war. Stattdessen rutschten die Germanen zwischenzeitlich sogar auf einen Abstiegsplatz ab. „Dabei spielte die Kadersituation eine große Rolle“, erklärt Trainer Stefan Lutter. Schließlich standen zu Saisonbeginn notdürftig teilweise gleich mehrere Altherren-Spieler in der Startelf. „Bei uns kam dieses Jahr vieles zusammen: viele Verletzungen, Sperren, ungünstige Urlaubsplanungen“, zählt er auf. Inzwischen hat sich der Olvenstedter Kader gefestigt und die Situation folglich entspannt, wenngleich sich das im Tableau nur einen Zähler vor den Abstiegsplätzen noch nicht widerspiegelt.

Nicht zuletzt aufgrund der wechselhaften Kadersituation ergibt sich ein kurioses Gesamtbild: Einerseits verloren die Olvenstedter bei den Schlusslichtern Samswegen und Gommern, nahmen im Gegenzug aber als bisher einzige Mannschaft dem Burger BC mit dem 0:0 einen Punkt ab. „Bei diesem Spiel konnten wir endlich mal aus den Vollen schöpfen“, freute sich Lutter weil er gegen den Primus sah, was in der Mannschaft steckt.