Magdeburg l An der Zielitzer Straße spielte am Sonnabend „Not gegen Elend“. So hatte es zumindest Mario Katte gesehen, der Trainer des TSV Grün-Weiß Kleinmühlingen/Zens. Die Not war an jenem Tag nur kleiner als das Elend. Man musste in Anbetracht des Resümees von Katte sogar zum Fazit kommen, dass das Elend unheimlich groß war, denn Katte sagte: „Wir haben keinen Willen gezeigt, waren nicht bereit, uns zu quälen und zu kämpfen, also wenigstens die Grundtugenden zu zeigen.“ Die brachte Gastgeber TuS 1860 Magdeburg ins Spiel, erfolgreich sogar, denn das Team von René Angerer feierte mit dem 1:0 (0:0) den ersten Saisonsieg in der Fußball-Landesliga Nord.

Besser geht immer

Coach Angerer hatte in seiner Mannschaft zwar keine echte Not gesehen, aber auch kein besonders schönes Spiel. Der größte Unterschied zwischen beiden Teams lag im Engagement, das zwangsläufig gegen die bewegungsarmen Kleinmühlinger auch zu TuS-Chancen führte. „Wir haben mehr Aufwand betrieben, deshalb ist der Sieg auch verdient“, resümierte Angerer. Auch die Gelb-Rote Karte gegen Christian wegen Meckerns (67.) taugte eigentlich nicht zur „Schlüsselsituation“ (Katte). Eher die Verletzung von Kevin Junge, der ohne Fremdeinwirkung im Rasen hängenblieb und ins Krankenhaus gebracht werden musste (29.). Damit fehlte den Gästen offensive Qualität, weshalb sich die Zahl ihrer Möglichkeiten auf einen Kopfball von Nils Brandt in der zweiten Halbzeit reduzierte.

Die fehlende Angriffskraft des TSV mag auch an der umsichtigen Abwehrorganisation von Stefan Fischer und Noah Müller gelegen haben. Oder daran dass Florian Schmidt seine Aufgabe nach seiner Einwechslung sehr gut interpretierte. Als rechter Verteidiger in der Viererkette nutzte er seine Freiräume und schaltete sich konsequent in der Offensive ein. Und überhaupt hat Angerer mit Leon Harter und Felix Reuper auf den Flügeln sowie Daniel Kniesel in der Zentralen hinter Stürmer Bryan Arndt schnelle und umsichtige Akteure, die jeden Gegner in Gefahr bringen können. Auch wenn „wir alle wissen, dass wir besser Fußball spielen können“, so Angerer.

Abwehr aus der Ferne

Er verwies zugleich auf ein mentales Problem: „Nach den Testspielen und der Auftaktniederlage in Ottersleben kommen wir aus einer schwierigen Situation, in der wir die Köpfe hängen ließen, in der die Beine schwer wurden. Aber ich weiß, dass die ganz schnell wieder locker werden mit solch einem Sieg.“ Und den Siegtreffer erzielte gegen Kleinmühlingen der 19-jährige Arndt in der 64. Minute, als Kleinmühlingen mal wieder aus der Ferne verteidigte und der Schütze aus 16 Metern freie Bahn hatte.

Derartige Situationen gab es einige: wie durch Reuper, der an Keeper Sebastian Brandt scheiterte (73.). Es gab auch vor der Pause eine besonders große Chance, die Harter vergab – per Foulelfmeter scheiterte er an Brandt (29.). Der TSV erkannte das nicht als Weckruf, er hielt kosequent sein flaches Niveau, während TuS das schnelle Flügelspiel ausbaute. „Die Ballbeherrschung, die Ruhe im Spiel, der letzte Pass“ hatte Angerer dennoch als Mankos im Team ausgemacht. Aber das brachte TuS nie in Not, nicht gegen das Elend, das die Gäste an diesem Tag repräsentierten.