Blindenfußball-Regeln (Auszug)

Spielfeld: Es misst 20 mal 40 Meter. Die Längsseiten sind durch Banden begrenzt und werden ins Spiel aktiv einbezogen. Die Spieldauer beträgt 2 x 20 Minuten reine Spielzeit.

Das Tor beim Blindenfußball entspricht dem Hockeytor (3,66 m x 2,14 m).

Spielstärke: Eine Mannschaft besteht aus vier Feldspielern und einem Torwart. Die Feldspieler müssen vollblind sein oder bei einem eventuell vorhandenen Sehrest diesen durch das Tragen von Dunkelbrillen ausgleichen. International darf übrigens nur spielen, wer die Hand vor den Augen nicht sehen kann. Der Torwart hingegen darf sehen und muss seine Augen nicht bedecken. Er darf dafür seinen kleinen Torraum nicht verlassen und nur dort den Ball aufnehmen. Alle Spieler tragen zu ihrer Sicherheit einen Kopfschutz. In manchen Teams spielen Männer und Frauen zusammen.

Auswechslungen: Es darf während eines Spiels unbegrenzt oft bei Spielunterbrechungen gewechselt werden.

Schiedsrichter: Beim Blindenfußball gibt es zwei. Genau genommen sogar drei: Ein dritter Schiedsrichter sitzt am Spielfeldrand, fungiert u.a. als Zeitnehmer und macht den Spielbericht.

Voy: Jeder gegnerische Spieler, der sich dem ballführenden Spieler nähert, muss „Voy“ („Ich komme“) rufen. Bleibt der Ruf aus, wird dies als persönliches Foul geahndet.

Foul: Persönliche Fouls sind Grätschen, Nachtreten, Handspiel, fehlendes „Voy“, zu aggressives „Voy“-Rufen oder das zu weite Ausstrecken der Hände. Nach dem fünften persönlichen Foul eines Spielers muss dieser das Feld verlassen, darf allerdings ersetzt werden. Alle persönlichen Fouls werden in der Teamfoulwertung zusammengefasst. Ab dem sechsten Teamfoul gibt es einen Acht-Meter-Freistoß. In der Halbzeit eines Spiels wird die Teamfoulwertung wieder auf Null zurückgesetzt.

Magdeburg l Dass der Fußball eben eine facettenreiche Sportart ist, wollten die Sepp-Herberger-Stiftung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), der Fußball-Landesverband Sachsen-Anhalt (FSA) und die Stadt Magdeburg am 2. Mai auch auf dem hiesigen Domplatz demonstrieren. Unter dem Motto „Mit Fußball in die Mitte der Gesellschaft“ sollte an historischer Stätte der Auftakt-Spieltag der Saison 2020 der Blindenfußball-Bundesliga erfolgen.

Auftakt auf dem Domplatz mit sechs Teams

Mit Titelverteidiger SF Blau-Gelb Blista Marburg aus Hessen, dem FC St. Pauli, dem FC Schalke 04 und Borussia Dortmund, dem MTV Stuttgart und der Spielgemeinschaft PSV Köln/Hertha BSC wollten die sechs Mannschaften der diesjährigen Liga ihr Können demonstrieren.

Auftakt auf dem Domplatz abgesagt

„Aufgrund des aktuellen Geschehens ist der Spieltag aber abgesagt worden“ bestätigte Lothar Bornkessel, als Vizepräsident Gesellschaftliche Verantwortung im FSA zuständig für den Wettbewerb.

Der für die Organisation seitens des FSA zuständige Dirk Overbeck wies mit Recht daraufhin, dass die organisatorischen Arbeiten sehr weit fortgeschritten waren. „Ich hatte eigentlich den Standort Heinrich-Germer-Stadion ins Spiel bringen wollen, da dort Kabinen und Tribünen vorhanden sind. Doch wollte die Stadt das Event unbedingt im Zentrum stattfinden lassen.“

Auch wenn dies für die Organisatoren Schweißarbeit bedeutet hätte. Immerhin hätte alles am 1. Mai auf- und am 3. Mai wieder abgebaut werden müssen, da danach das Dom-platz Open Air mit dem Musical Rebecca zu seinem Recht gekommen wäre. „Alle haben mit Hochdruck an den Vorbereitungen gearbeitet“, ist Overbeck des Lobes voll.

Ausweichtermin Ende Oktober geplant

Die Absage bedeutet aber noch nicht das Aus. Das bestätigte auf Nachfrage die Sepp-Herberger-Stiftung. Dort hieß es u. a., dass man „aktuell daran arbeite, den Wettbewerb generell zu einem späteren Zeitpunkt zu starten.“ Auch sei „Magdeburg mit der Absage nicht aus dem Rennen.“

Das konnte Overbeck in einem Telefonat am Sonnabend nur bestätigen. „Man hat die bisherige Arbeit der Organisatoren und Entscheidungsträger auch damit gewürdigt, dass man den Spieltag unbedingt nachholen will. Im Gespräch ist jetzt eines der beiden letzten Oktober-Wochenenden.“

2006 startet der deutsche Blindenfußball

Das Jahr 2006 gilt als das Geburtsjahr des deutschen Blindenfußball. Im Rahmen der Heim-WM fand in Berlin ein erstes internationales Turnier statt. Seitdem hat der Blindenfußball eine rasante Entwicklung in Deutschland genommen. An über 20 Standorten trainieren Mannschaften oder sind dabei, sich zu organisieren. Eine Zusammenarbeit mit Fußball-Vereinen bietet sich dabei an. Seit 2008 gibt es die Blindenfußball-Bundesliga.

Allerdings ist Sachsen-Anhalt derzeit im Blindenfußball noch ein Entwicklungsland. Im Bereich des Behinderten- und Rehabilitations-Sportverbandes (BSSA) gibt es nach den aktuell veröffentlichten Zahlen zwar elf Vereine landesweit, die Fußball für Behinderte Menschen im Angebot haben. Allerdings mit Germania Tangerhütte nur einen Verein, der Fußball als Leistungs- und Breitensport für Menschen mit einer Sehbehinderung anbietet.