Neue Serie

In unserer neuen Rubrik „Damals war's“ wollen wir an große, spektakuläre, dramatische, vielleicht auch traurige und nicht zuletzt entscheidende Momente im Magdeburger Sport erinnern. Wir wollen außerdem Erinnerungen an längst vergessene Sportstätten wiederbeleben.

Und Sie, liebe Leser, können uns dabei unterstützen: Schreiben Sie uns Ihre Erinnerungen an solche Momente per E-Mail an md.lokalsport@volksstimme.de. Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge.(dh)

Magdeburg l Am 18. März 2017 war Nicolas Neßler vom SSV Besiegdas 03 der große Matchwinner seiner Mannschaft beim 7:6-Derbysieg im Magdeburger Landesklasse-Duell gegen den SV Arminia. Drei Jahre später, ebenfalls am 18. März, stellte sich für den heute 22-Jährigen eine ganz andere Frage. Nicht in seinem sportlichen Werdegang, sondern in seinem Leben der kommenden Wochen und Monate. Der Student war zuletzt nämlich für ein Projekt in Ägypten unterwegs. Und stand also plötzlich vor der Entscheidung: Bleiben oder Heimkehr?

„Mein Plan war es, am 1. April in die Heimat zu reisen. Weil aufgrund der Corona-Krise die Flüge aber nach und nach gestrichen worden sind, muss ich mich entscheiden, ob ich das Risiko eingehen will, noch zu bleiben, dann aber vielleicht nicht mehr heimreisen zu können“, berichtet Neßler über sein Dilemma. Im Touristenstädtchen Dahab im Süden der Sinai-Halbinsel war für ihn in den vergangenen Tagen von der Aufregung um das Coronavirus nur wenig zu spüren. „Klar gab es hier auch direkt Blicke, wenn jemand mal gehustet hat, aber von einer Panik war hier keine Spur“, erklärt Neßler, der dort eigentlich auf ein anderes großes Problem der Zeit aufmerksam machen wollte.

Durchbruch bei den Herren

„Es handelt sich dabei um ein Kunstprojekt mit dem Thema Umweltverschmutzung. Hier sind die Straßen sehr vermüllt. Früher oder später landet das im Meer und nimmt die Korallenriffe in Mitleidenschaft“, erklärt er das Problem. So begleitete er einen Zirkus, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die großen Mengen an Müll zu beseitigen. Ein Projekt, das Neßler sehr am Herzen liegt, weswegen eine Entscheidung am 18. März 2020 auch alles andere als leicht fiel.

In besserer Erinnerung bleibt da derselbe Tag drei Jahre zuvor. Gegen den SV Arminia erlebte der damals 19-Jährige seinen großen Durchbruch bei den Herren. „Das ist ein Spiel, an das ich mich sehr gut und sehr gerne erinnere“, meint Neßler. Kein Wunder, schließlich war der quirlige Angreifer bei jenem Offensiv-Spektakel an allen Toren der Grün-Gelben beteiligt. Drei erzielte er selbst, vier legte er auf. Letztlich kam er in jener Saison auf zwölf Treffer (siehe Namen & Zahlen).

„Das war ein geiles Spiel. In der Offensive hat damals alles gepasst“, erinnert sich Neßler. Und zwar so gut, dass er noch drei Jahre später alle Tore in deren Entstehung skizzieren kann. „Ich kann mich an viele Spiele erinnern, weil diese bei Besiegdas auch immer mit einer Menge Spaß verbunden sind“, erklärt er, „aber das 7:6 gegen Arminia war etwas ganz Besonderes.“

"Ein Hammerspiel"

Darum kann sich Neßler auch noch bestens entsinnen, was Trainer Daniel Naumann seiner Mannschaft an diesem stürmischen Sonnabend mit auf den Weg gegeben hat: „Ihr müsst euch einfach trauen und aufs Tor schießen!“

Dass das am Ende des Tages in diesem Ergebnis gipfeln sollte, konnte sich der Coach aber kaum ausgemalt haben. Die Scorer-Punkte aus dieser Begegnung sind auch heute noch Neßlers Top-Wert im Herrenbereich. Wie dieser zustande kam, erklärt sich der Offensivspieler so: „Bis dahin waren wir noch sehr frisch bei den Herren, hatten vielleicht noch nicht das maximale Vertrauen. In diesem Spiel wurden aber alle auf der Position eingesetzt, auf der sie sich am wohlsten gefühlt haben. Da hatten alle so richtig Bock.“

Das galt nicht nur für Neßler, sondern auch für Max Effenberger und Maximilian Räcke, die jeweils nach seiner Vorarbeit zweifach netzten. „Wenn Räcke doppelt trifft, soll das schon was heißen“, scherzt Neßler. Ebenso wie über seinen Kopfballtreffer zum zwischenzeitlichen 3:1: „Ein Kopfball-Tor von mir gefolgt von einem Doppelpack von Räcke sagt alles über diesen Tag. Es war ein Hammerspiel.“

So wird sich Neßler auch in den kommenden Jahren wesentlich lieber an den 18. März 2017 erinnern als an das gleiche Datum des Jahres 2020.