Magdeburg l Felix Schirge lässt seine Mannschaft nicht allein, selbst bei Testspielen nicht. Auch am Mittwoch hat er mit ihr die Reise zu Olympia Schlanstedt angetreten, hat dort die Erwärmung mit seinem VfB Ottersleben absolviert und einige individuelle Übungen außerdem. Er hat das Geschehen auf dem Platz über 90 Minuten verfolgt und fünf Treffer seiner Mannschaft freudig zur Kenntnis genommen. Beim 5:1-Sieg des Fußball-Landesligisten gegen den Landesklasse-Vertreter traf Luca Hohmann zweimal und Dominic Carl dreimal.

Hohmann, Carl, Schirge: Drei Eigengewächse des VfB, alle 19 Jahre, die gemeinsam in der Jugend spielten und seit der vergangenen Saison gemeinsam bei den Männern auflaufen – und in der kommenden Serie wieder auflaufen wollen. Wenn Schirge fit ist.

Mann für die Einzelaktionen

Man könnte spekulieren, dass Ottersleben mit Schirge womöglich eine bessere Saison gespielt hätte, dass die Mannschaft nicht erst vom coronabedingten Zwangsabbruch profitieren musste, um die Klasse überhaupt zu halten. So ist es aber nun mal gekommen. „Jeder hat nun gesehen, wie es in der Landesliga läuft“, erklärt Schirge, der Mittelfeldspieler, von dem sein Trainer Oliver Malchau sagt: „Er ist immer gut für Einzelaktionen.“

Für den Mut und das Selbstvertrauen also, wichtige und richtige Wege zu gehen im Spiel. Etwas, was ihm auch die Ausbildung in der Jugendabteilung vom 1. FC Magdeburg und RB Leipzig gegeben hat, bevor er 2018 wieder zurück an den Schwarzen Weg wechselte.

Seit dem 19. Otkober 2019 verletzt

In jedem Fall ist Schirge ein Leistungsträger, dessen Leistungen die Ottersleber allerdings in der vergangenen Saison und am achten Spieltag verloren hatten. Beim 2:3 gegen den MSV Börde am 19. Oktober 2019 musste er bereits nach 44 Minuten vom Platz. „Bei einem Zweikampf hat es im rechten Knie geknackt“, erinnert sich Schirge, „da wusste ich, das ist keine Kleinigkeit.“ Sondern ein Kreuzbandriss.

Behandlungen, Rehamaßnahmen folgten. „Manche hätten direkt die Schuhe an den Nagel gehängt“, ist sich Schirge sicher. „Aber ohne Fußball geht es bei mir nicht.“ Auch nicht, wenn ihn sein beruflicher Werdegang zum Studium in den Braunschweiger Raum führt. Trainieren will er dann trotzdem, idealerweise weiterhin mit dem VfB Ottersleben.

Ohne Fußball geht es nicht

Und er trainiert ja bereits seit einiger Zeit. „Ich bin mit der Genesung super zufrieden“, erklärt Schirge. Inzwischen sind Torschüsse wieder erlaubt, inzwischen bestreitet er zweimal pro Woche die Einheiten mit der Mannschaft. „Aber keine Übungen mit Zweikampf“, denn die lässt er aus. Schirge will kein Risiko eingehen. Deshalb ist er auch bei der zeitlichen Bestimmung seiner Rückkehr in den Spielbetrieb vorsichtig. „Ich hatte mir das Ziel gesetzt, ein Jahr nach der Verletzung wieder zu spielen. Doch darauf lege ich mich nicht fest. Aktuell bin ich dafür noch nicht so weit.“ Deshalb wäre er schon froh, wenn er bis Jahresende wieder ins Geschehen eingreifen könnte.

Bis dahin hat der VfB bereits einige Partien der neuen Saison absolviert, und Schirge wäre froh, wenn er sein Team, zu dem er während der Verletzungspause immer Kontakt gehalten hat, schnell auf dem richtigen Weg wähnen könnte. „Wir wollen eine solide Saison spielen und schnellstmöglich die nötigen Punkte für den Klassenerhalt sammeln“, betont Schirge. Für diesen ist er zuversichtlich. „Höhere Ambitionen möchte ich nicht aussprechen.“

Über höhere Ambitionen kann man sich in Ottersleben eventuell in zwei, drei Jahren unterhalten. Wenn die Mannschaft mit dem Durchschnittsalter von 23 Jahren gereift ist, wenn die Youngsters die nötige Erfahrung in der Landesliga gesammelt haben. Einen wichtigen Aspekt sieht Schirge neben Passspiel oder Torgefahr auch in der Gemeinschaft: „Unser Ziel muss es sein, das Teamgefühl weiter zu steigern und zu wahren“, sagt er. Ganz nach dem altehrwürdigen Motto: Elf Freunde müsst ihr sein.